Breitbild kommen mit neuem Album im 4K-Zeitalter an

Breit

Die Breitbild Plattenkritik stand schon länger auf meinem Kalender. Die Vorfreude vermischt mit viel Respekt für die Jungs liess mich das Vorhaben immer weiter verschieben. Denn Breitbild ist nicht einfach ein kleiner Lokalact, der am Anfang seiner Karriere steht. Nein, Breitbild sind lebende Legenden, die ihre Narrenfreiheit nutzten, um die Rapszene Schweiz von Grund auf zu verändern. Meine Vertrautheit mit der ganzen Diskografie der Band schürte in mir ein klein wenig die Angst, dass mich das neue Werk enttäuschen könnte. Denn seien wir ehrlich, niemand pisst gerne einer Band ans Bein, mit welcher er aufgewachsen ist und die ihn nachweislich stark geprägt hat mit ihrem Sound.

Doch diese Angst war absolut unbegründet, denn in jeder Zeile des neuen Album spürt man, mit welchem Hunger die Jungs sich zurück melden. Während der Vorgänger «Was für a Moment» sehr verträumt, verspielt und ein wenig abschweifend wirkte, pumpt der neue Tonträger mit einer Energie durch die Membrane, von der sich manch junger Künstler eine Scheibe abschneiden könnte. Die grossen Geschichtenerzähler malen mit ihren Texten Bilder in die Klanglandschaften zwischen Balladen, Brettern, Discosounds, Hymnen und klassischen Rapbeats.

Die neu gewonnenen Lebenserfahrungen der Jungs vermischt mit dem gut durchdachten Musikkonzept wirkt wie eine Best Of-Kompilation aus neuem Material. Auch wenn es abgedroschen klingt, Breitbild haben sich nicht auf den Lorbeeren ausgeruht, sondern weiterhin Hits gepflanzt. Diese wandern nun in der ganzen Schweiz durch die Boxen direkt über die Ohrmuscheln in die Herzen der Hörer und wachsen dort weiter zu Klassikern.

Extrem auffällig ist die fast komplette Abwesenheit von Thom Businger auf dem Tonträger. Dafür bringt der Dichter und Denker Andri Perl hier einige seiner besten Verse. Eine der grössten Stärken der Band ist ihre unzerstörbare Freundschaft und gemeinsame Leidenschaft für die Musik. Hier werden Egos für das Kollektiv geopfert, um die bestmöglichen Songs zu schreiben, was meinen grössten Respekt verdient.

Breitbild ist mit dem selbstbetitelten neuen Longplayer ein echter Klassiker geglückt, voller tiefsinniger Poesie, zauberhaften Metaphern und viel Wortwitz. Das lange erwartete Album baut Brücken zwischen den stärksten Momenten von «Narrafreiheit» bis «Was für a Moment» und entstaubt mit Leichtigkeit das Denkmal und den Legendenstatus, welche Breitbild sich über Jahre hinweg aufgebaut haben. Soundtechnisch zeigt sich das neue Album vielseitig und frisch. Breitbild läuten, ähnlich wie die 4K-Auflösung bei den TV-Geräten, ein neues Zeitalter im Schweizer Rap ein. Ich fress einen Besen, wenn das Album nicht seinen sehr verdienten Polepositionplatz in der Schweizer Hitparade einnimmt!

Das Album «Breitbild» von Breitbild erscheint am 18. März 2016 schweizweit. Mehr Informationen unter www.breitbild.com.

Breitbild

 

(Bilder: zVg.)

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