In meinem Keller gärt belgisches Bier. Es blubbert noch alle paar Minuten; es wird in den nächsten Tagen abgefüllt. Das Bier hat Himbeer-Geschmack und wenn es auch nur annähernd so gut schmeckt wie mein absolutes Lieblingsbier Fruitesse von Liefmans, dann wird es ein toller Sommer. Am zweitliebsten mag ich Hoegaarden, leicht wie ein Schmetterling auf einer Sommerwiese.

Das beste und kultigste aller belgischen Biere wird in einem Kloster Westvleteren hergestellt und es heisst auch so. Wer ein Westvleteren nach Hause nehmen will, muss sich telefonisch bei den Mönchen unter Angabe seiner Autonummer anmelden und bekommt eine Zeit, in der es abgeholt werden muss. Andere Vertriebswege gibt es nicht. Aber Westvleteren schmeckt so gut, dass man vor dem Kloster Autos aus ganz Europa stehen sieht.

In und um Brüssel gibt es Brauereien, deren Biere mit Hefe aus der Luft gegärt werden. Die Holzfässer stehen am offenen Fenster und stehen da, bis sie reif genug sind.  Das kann bis zu drei Jahre dauern.

Diese Luft ist jetzt von Blutgeruch getränkt. Vom Geschmack verbrannter Haut und vom Geschmack von versengtem Stahl. Das Leben der Belgier ist von der üblen Fratze Terrorismus verhöhnt worden. Meine Familie lebt eine halbe Autostunde von Brüssel, in Gent. Gent ist eine kleine Stadt aus dem Mittelalter.

Das Gent meiner Kindheit und meiner Kinder ist fröhlich, sonnig, voll Musik vom Genterfest. Das Meer meiner Kindheit ist die Nordsee. Das Belgien meiner Kinder sind die Ardennen, der Kemmelberg. Das Belgien meiner Kindheit und meiner Kinder ist wunderschön.

Und das, meine Terroristen, wird so bleiben. Das könnt ihr uns nicht kaputt bomben.

 

(Bild: GRHeute)

 

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