Wie ich schon vorhergesagt habe, wird die Saison 2016 speziell, und es wird einiges anders als die letzten paar Jahre. Die ersten drei Runden der Schweizer Football-Meisterschaft haben schon für einigen Gesprächsstoff gesorgt. Und für unschöne Szenen.

Die Calanda Broncos sind wie erwartet sehr stark und haben ihre zwei Spiele souverän gewonnen – gegen Bern sowie gegen meine Basel Gladiators gab es zwei deutliche Siege. Dabei ist die Defense der Broncos überraschend sehr stark, dabei besteht sie ausser dem amerikanischen Safety Jamal Clay allesamt aus Spielern, die bei den Bündnern entweder durchs Juniorenprogramm gingen oder gleich bei den Seniors anfingen, Football zu spielen. Die Broncos sind zudem sehr gut gecoacht, und ich sage immer noch voraus, dass der Swissbowl 2016 Calanda gegen Basel heissen wird.

Fast nur vollamtliche US-Headcoaches

Die NLA, die höchste Liga der Schweiz, ist ziemlich ausgeglichen, nur Zürich hat Mühe, mitzuhalten. Einiges ist anders als in den vergangenen Jahren, ausser Coach Dwaine Wood von Basel haben alle NLA-Vereine vollamtliche Headcoaches. Der Vorteil eines vollamtlichen Headcoaches ist, man hat Zeit, Gegner zu scouten, Filme vorzubereiten und abgestimmte Trainings für Erwachsenen- und Junioren-Teams zu gestalten. Ein Headcoach ist verantwortlich für seine Spieler und sollte die positive Figur der Organisation sein. Coaches wie Wood oder Broncos-Coach Geoff Buffum haben ihr Team unter Kontrolle. Es herrscht Disziplin in den Trainings und bei den Spielen.

«Cheap Shots» an der Tagesordnung

Dies bringt mich zu einigen weniger erfreulichen Vorfällen, die dieses Jahr im Schweizer Football bereits auf allen Stufen vorgefallen sind.

In keiner anderen Top-Liga in Europa werden so viele Spieler ejected – sprich: des Feldes verwiesen – wie in der Schweiz. Es gibt kaum ein Spiel, in dem keine ‚Cheap Shots‘ von irgendwelchen Möchtegern-Superstars gemacht werden (was das ist, sehen Sie hier). Völlig unnötig. Spiele, bei denen jedes Team über 12 Flags bekommen, gehören zur Tagesordnung, und es ist ehrlich gesagt langweilig, solch undisziplinierte Spiele anzuschauen. Da gibt es einfach zu viele Unterbrüche. Jedes Team trainiert mindestens dreimal wöchentlich, zumindest von Teams mit vollamtlichen amerikanischen Headcoaches erwarte ich einfach mehr Disziplin.

Unrühmliche Szenen in Winterthur

Zum NLA-Spiel Winterthur gegen Lausanne, das ich mir am Wochenende ansah. Vom Resultat her war es sehr spannend, in Wahrheit aber war es ein Flag-Festival und kann an Unsportlichkeit kaum mehr überboten werden. Auf beiden Seiten wurden nach Tackles noch an am Boden liegenden Spielern gezerrt, beim Aufstehen aufs Schienbein getreten usw. Dass so ein Spiel ausartet, muss man wohl nicht erwähnen.

Beim Handshake nach dem Spiel fing eine kleinere Schlägerei an, bei der dann plötzlich auch Lausannes Coach involviert war und es mehrere Rudelbildungen gab. Als alles wieder beruhigt schien, ging es beim Eingang zur Garderobe weiter. Ein Winterthurer Spieler, der einigermassen bekannt dafür ist, dreckig zu spielen, wurde von Lausannes Footballern konfrontiert – und es artete aus. Ohrfeigen, fliegende Flaschen und erneute Rudelbildungen waren die Folgen. Als die Lausanner schliesslich den Heimweg antraten, wurde die Polizei aufgeboten und Anzeige erstattet.

Winti

Wer wo und an was schuldig ist, bleibt wohl deren Sache. Jedoch bin ich der Meinung, wenn unser gemeinsames Ziel ist, Football populärer zu machen, sind solche Aktionen nicht hilfreich. Leider gibt es noch andere Spiele in unteren Ligen, bei denen es ebenfalls zu sehr gehässigen Szenen kam und dies mehrere Ejections zur Folge hatte.

Die Polizei musste kommen

Ich war auch nie ein Spieler der Traurigkeit und hatte meinen Anteil an Scuffles und Brawls, jedoch war nach dem Handshake  alles wieder vergessen. Football ist eine Sportart mit Emotionen, und ja, es gibt wie im Eishockey oder Rugby halt mal einen Kampf oder ein Rumgeschubse. ‚Cheap shots‘ und Schlägereien in der Garderobe mit Polizeieinsatz sind aber auf einem ganz anderen Level und bleiben hoffentlich ein Einzelfall.

Die Schweizer Junioren-Liga hat zwar nicht solche Probleme, aber auch da muss sich einiges ändern. Headcoaches der Junioren-Teams haben wohl alle ein Kurzzeitgedächnis! Wenn ich daran denke, wie ich mit meinem Tem schon hoch verloren – aus welchen Gründen auch immer – und zwei Jahre später denselben Gegner, z.B. Winterthur, mit einer hohen Niederlage besiegt habe, dann heisst es jetzt gleich: «Running up the Score!» und «Show some Class!».

«Mir wurden Schläge angedroht»

Wenn die Juniors-Coaches scouten und gegnerische Roster studieren würden, könnten sie sehen, wer Ersatzspieler sind und was für Jahrgänge die jeweiligen Footballer haben. Zürichs Junioren-Coach, ein Amerikaner, dessen Job es eigentlich ist zu wissen, gegen wer er spielt, sollte erkennen, wenn nach der Halbzeit 2001-Jahrgänge – also 14- oder 15-jährige Junioren -auf dem Feld stehen. Wenn sein Team nicht fähig ist, diese zu stoppen, dafür aber selbst 10 Flags erhält (wir 3), sollte sich der bezahlte Zürcher Coach lieber mal hinterfragen, was er falsch macht und warum er einen Lohn bezieht.

Dass er mir beim Endresultat von 19-0 für uns Gladiators Schläge androht und mich mit 5-minütigem Fluchen wegen «Running up the Score» eindeckt, ist einfach nur lächerlich. Das sind Leute, die meinen, Amerikaner zu sein mache sie zu guten Coaches. Ich frage mich, wer solche Personen rekrutiert.

Solche Spielabsagen schaden dem Sport

Zum Schluss noch etwas, was ebenfalls geändert werden muss. Es kann nicht sein, dass man ein Spiel am Donnerstag absagt, das am Sonntag stattfindet (Bern – Calanda vom Sonntag). So was müsste man einfach verbieten. Ich verstehe es, wenn man ein Sonntagsspiel am Samstagabend absagen muss, wenn es drei Tage durchgeregnet hat. Jedoch: Wenn man drei Tage vorher vorsorglich absagt und es dann gar nicht so schlechtes Wetter ist und jedes andere Spiel in der ganzen Schweiz gespielt wird, dann ist das komisch. Fussballspiele der unteren Ligen können in Bern durchgeführt wurden, Football-Spiele jedoch nicht? Zudem müsste man ja ein zweites Feld bereit haben für solche Fälle.

Eine andere Variante wäre, dass beim Nachholtermin nur die Spieler lizenziert werden dürfen, die im letzten Spiel vor der Absage angetreten sind. Nicht, dass plötzlich verletzte Schlüsselspieler oder sogar neue Imports beim Nachhol-Spiel auflaufen. So eine Regel muss man unbedingt in den Statuten aufnehmen. Wenn wir anfangen, anhand von Wetterprognosen mehrere Tage vorher Spiele abzusagen, wird das schnell zum Alltag und einige Teams versuchen je nachdem gar nicht, das Spiel durchzuführen.

Basel

 

(Bilder: GRHeute)