Vor zwei Jahren wurde Tino Schneider überraschend in den Bündner Grossen Rat gewählt. Im November 2015 wurde der 24-jährige Churer Präsident der Jungen CVP Schweiz und am Samstag folgte der Sprung in die Parteileitung der Mutterpartei. GRHeute hat mit dem Senkrechtstarter gesprochen.

Tino Schneider, Wir gratulieren zur Wahl in die Parteileitung der Schweizer CVP. Überrascht?

Überrascht ist vielleicht das falsche Wort. Die Junge CVP war ja eigentlich immer in der Mutterpartei dabei. Bisher hat uns Martin Candinas vertreten, aber er ist ja auch schon Nationalrat. Es ist schön, dass jetzt ein wirklich Junger in der Parteileitung vertreten ist. Wir haben von der Jungen CVP auch viel Arbeit hinein gesteckt, um Stimmen zu gewinnen. Die Vorzeichen waren sicher gut, als ich als Grossrat das Präsidium in der Jungen CVP übernahm. Überrascht vielleicht, weil man am Ende bei einer Wahl halt nie weiss, wie es rauskommt.

Aber Sie sind schon so etwas wie der «Shooting Star» in der CVP?

Naja, ich habe das Parteipräsidium der Jungen CVP nicht aktiv angestrebt. Ich wurde von einer anderen Sektion angefragt, erst dann habe ich mich damit befasst. Natürlich bin ich sehr zufrieden und ich freue mich darauf, auch auf nationaler Ebene die Politik mitgestalten zu können. Die Wahl in das Parteipräsidium der CVP ist nun so was wie das Sahnehäubchen.

Sie erzielten am Samstag das drittbeste Resultat aller Kandidaten, nur gerade zwei Stimmen hinter Ihrem prominenten Parteikollegen Martin Candinas. Hat Sie das gefreut oder gefuchst?

(lacht) Ich muss zugeben, ich hätte ihn gern überholt. So ehrgeizig bin ich.

Dies deutet alles auf eine Politkarriere hin, oder?

Im Moment studiere ich Geschichte in Luzern und mache da den Master. Dies hat momentan erste Priorität bei mir. Das Problem bei der Politik ist, dass eine Karriere nicht planbar ist. Es ist nicht vorhersehbar, wie sich die Dinge entwickeln. Deshalb kann ich nicht sagen, wie meine Zukunft aussehen wird. Aber ich habe mir schon das Ziel gesetzt, mich in zwei Jahren im Grossen Rat zur Wiederwahl zu stellen. Danach lasse ich alles offen, man braucht auch Glück für eine politische Karriere.

Wissen Sie schon, worüber Sie in Ihrer Masterarbeit schreiben?

Zu Beginn eines Geschichtsstudiums interessierten ich mich wie die meisten für die grossen Themen, wie zum Beispiel den 2. Weltkrieg. Erst im Verlauf des Studiums haben sich die Perspektiven etwas geändert. Meine Bachelor-Arbeit schrieb ich über den Bau des San-Bernardino-Tunnels. Ich glaube, dass es bei meiner Masterarbeit in eine ähnliche Richtung gehen wird.

Die Junge CVP ist in Graubünden die erfolgreichste Nachwuchspartei. Woran liegt das?

Ein Faktor ist sicher, dass die Mutterpartei früh erkannt hat, wie wichtig es ist, die Jungen an den Entscheidungsprozessen teilhaben zu lassen. So darf die Junge CVP an den Versammlungen die Parolen präsentieren und die Nationalratsliste der Jungen wird innerhalb der Partei fast gleichwertig behandelt. Dann hat die letzten Jahre sicher auch Martin Candinas sehr gut zu uns geschaut. Viel ist sein Verdienst. Und letztlich darf man auch nicht vergessen, dass Regierungsrat Mario Cavigelli einst Gründungsmitglied der Jungen CVP Graubünden war.

Wie haben Sie die bisherige Arbeit im Grossen Rat erlebt? Sie sind ja vor zwei Jahren als 23-Jähriger ziemlich überraschend gewählt worden?

In erster Linie steckt viel Arbeit dahinter. Man muss alles in Ruhe anschauen, abwägen und planen. Ich muss aber auch sagen, dass ich viel Unterstützung bekomme. Aber es braucht Durchhaltewillen. Es ist Knochenarbeit, und im Wahlkampf muss man, vereinfacht gesagt, halt einmal mehr auf die Strasse gehen als alle anderen. Wenn das gut ankommt, dann hat man als Junger sicher auch noch einen zusätzlichen Bonus.

Sie sind nach Ihrem Smart-Spider-Profil am wirtschaftsfreundlichen Flügel der Partei angesiedelt, genau wie Ihr neuer Präsident Gerhard Pfister. War dies ein Kriterium für die Wahl in die Parteileitung?

Nein, die Positionierung stand nicht zur Debatte. Es stimmt, dass Geri Pfister und ich in relativ vielen Dingen ähnliche Sichtweisen haben. Aber ich glaube, dass alle Perspektiven innerhalb der CVP im Präsidium vertreten sind. Es ist ein ausgewogenes Gremium. Ich hoffe, dass ich beitragen kann, dem Profil der Partei etwas mehr Schärfe zu geben.

Im Privaten spielen Sie auch Fussball, sind Co-Goalie beim Drittligisten FC Ems. Ist das machbar?

Ja, wir haben zwei Goalies und wechseln uns ab. Ich bin auf jeden Fall «fulltime» dabei, auch wenn der Fussball manchmal etwas zurückstecken muss. Solange ich aber mindestens einmal die Woche im Training sein kann, möchte ich dabei bleiben.

Und wenn der FC Ems, zurzeit ja klarer Spitzenreiter, in die 2. Liga aufsteigt?

Dann sieht es wohl ziemlich düster aus für mich. Falls wir aufsteigen, wird das mit den Trainingsanforderungen wohl schon sehr schwierig. Ich müsste mir in diesem Fall wohl überlegen, den Verein zu wechseln. Denn Fussball bedeutet mir viel und ist eine tolle Abwechslung zum politischen und universitären Alltag!

 

(Bild: Flickr/CVP Schweiz)