Das bürgerliche Ticket für den zweiten Wahlgang der Stadtratswahlen Chur lautet auf Marco Tscholl. Das haben die bürgerlichen Parteien heute bekannt gegeben.

Montagmorgen um 11 Uhr stand der Entscheid fest: SVP, CVP und FDP setzen ganz auf den BDP-Kandidaten Marco Tscholl. Er soll den dritten vakanten Sitz im Stadtrat, das Erbe von Doris Caviezel-Hidber, erobern und sich gegen den SP-Kandidaten Patrik Degiacomi durchsetzen.

«Alle vier Kandidaten sind von Anfang an in diesen Prozess involviert gewesen», sagte Simon Schwegler, Präsident der FDP Chur. Alle vier, das heisst: Peter Portmann von der CVP, Hanspeter Hunger von der SVP, Beath Nay als spät eingestiegener Parteiloser und Marco Tscholl von der BDP. «Es war relativ schnell klar, dass wir uns auf Hanspeter Hunger und Marco Tscholl konzentrieren», sagt Schwegler über die drei Stunden dauernde Sitzung vom Montagmorgen. Hanspeter Hunger habe sich im Laufe der Diskussion aus persönlichen Gründen aus dem Rennen genommen – auch weil er laut Schwegler gut mit einem Kandidaten Tscholl leben kann.

Woher die plötzliche Einigkeit?

Die Bürgerlichen – jetzt plötzlich ein einig Volk von Brüdern? «Wir haben von Anfang an, seit letztem Herbst, viel Kontakt miteinander gehabt und uns in diesen Wochen sehr gut kennen gelernt», sagte Schwegler. Dass man sich jetzt auf Tscholl einigen konnte, sei das beste Zeichen dafür. «Die SVP hat damals klar gemacht, dass sie es alleine versuchen will. Das musste man akzeptieren.»

Damit kommt es in drei Wochen zu einem Duell Degiacomi-Tscholl. Im ersten Wahlgang vom 5. Juni hatte keiner der Kandidaten das absolute Mehr erreicht.

Tscholl fordert Degiacomi heraus

Der 48-jährige Churer Kommunikationsunternehmer Marco Tscholl hat somit die Chance, nach dem Einzug in den Gemeinderat auch in der Stadtregierung Einsitz zu nehmen. Die BDP Chur wird in den kommenden drei Wochen gemäss einer Medieninformation «mit der Unterstützung von SVP, FDP und CVP alles daran setzen, nach 20 Jahren die SP als Hüterin des Schul- und Sozialdepartementes abzulösen.»

Die BDP erhofft sich, wie auch die anderen bürgerlichen Parteien, mit Unternehmer Tscholl die «bestehenden Blockaden zwischen Stadt- und Gemeinderat beheben zu können, um das stete Ausgabenwachstum im Churer Sozialdepartement einzudämmen und die Stadtschule nach Jahren der Wechsel wieder in ruhigere Fahrwasser leiten zu können.»

Marco Tscholl ist dabei durchaus optimistisch: «Die starke Unterstützung für die ehemaligen Unternehmer Urs Marti und Tom Leibundgut im ersten Wahlgang zeigt, dass die Führung der Departemente 1 und 3 von der Churer Bevölkerung geschätzt wird. Ich würde das Team Marti/ Leibundgut passend ergänzen, um auch im Departement 2 wieder frischen Wind und eine positive Kommunikationskultur einzubringen.»

Die Wahlen für den letzten verbliebenen Stadtratssitz finden am 26. Juni statt und bringen gemäss einer BDP-Medieninformation die Chance, «die Mehrheitsverhältnisse im Gemeinderat auch im Stadtrat abzubilden».

 

(Bild: Charly Bosshard)