Der Montagskommentar auf GRHeute.

 

Die Behördenwahlen 2016 in Chur sind noch nicht vorbei. Wie erwartet kommt es zu einem zweiten Wahlgang um den dritten Stadtratssitz. Die Hoffnung der SP, ihren Kandidaten Patrik Degiacomi bereits im ersten Wahlgang «durchzubringen», scheiterte zwar. Mit 3483 Stimen verpasste Degiacomi das absolute Mehr um rund 300 Stimmen, verwies seine bürgerlichen Konkurrenten Marco Tscholl (BDP, 2139 Stimmen), Hanspeter Hunger (SVP, 2079 Stimmen) und Peter Portmann (CVP, 1849 Stimmen) aber deutlich auf die Plätze. Definitiv keine Rolle mehr im zweiten Wahlgang spielen Beath Nay (unabhängig, 920 Stimmen) und Salomé Mathys (GLP, 887 Stimmen).

Was sich bereits im Vorfeld abzeichnete, ist für die bürgerlichen Parteien nun Realität geworden: Die Zersplitterung der Stimmen durch die Alleingänge aller Parteien ebnet den Weg für die SP. Dass Degiacomi nicht gewählt wurde, bedeutet eine allerletzte Chance für die BDP, SVP und CVP, sich auf einen Kandidaten zu einigen und mit Verstärkung der FDP ihren politischen Gegner doch noch zu überholen. Wie das geht, zeigten sie bereits bei den Wahlen 2012, als sie Urs Marti im zweiten Wahlgang um das Stadtpräsidium zu einem «Comeback-Sieg» über (die im 1. Wahlgang klar vorne liegende Doris Caviezel-Hidber) verhalfen.

Nur ist die Ausgangslage in diesem Fall natürlich ganz anders: Versuche, sich schon für den ersten Wahlgang auf einen bürgerlichen Kandidaten zu einigen, erwiesen sich als «Mission Impossible». Seit gestern ist klar: Wollen die bürgerlichen Parteien im Stadtrat wieder das Sagen haben, dann müssten wohl zwei der drei Kandidaten zurücktreten und die entsprechenden Parteien den «Auserwählten» unterstützen.

Geht es nach den Wahlergebnissen, müsste CVP-Mann Peter Portmann über die Klinge springen, seine Aussichten, Degiacomi noch einzuholen, sind gering. Als Kandidaten kommen nur Marco Tscholl (BDP) oder Hanspeter Hunger (SVP) in Frage. Tscholl hat das Argument, die meisten Stimmen der Drei geholt zu haben, auf seiner Seite. Hunger kann darauf verweisen, dass er nur 60 Stimmen hinter Tscholl lag und die SVP als klar wählerstärkste bürgerliche Partei in Chur zum Handkuss kommen müsste.

Wieder einmal SVP gegen BDP, dazu die Frage, welche Rollen die CVP und die FDP einnehmen. Die «Mission Impossible», sich auf einen Kandidaten zu einigen, ist nicht einfacher geworden. Gelingt dies aber nicht, darf sich die SP Chur ins Fäustchen lachen: Patrik Degiacomi wird gewählt, Churs Stadtregierung bleibt links und die Bürgerlichen müssen damit leben, sich ihr Waterloo zum Grossteil selbst eingebrockt zu haben. Nur noch 20 Tage bleiben…

Wer ist gescheiter, wer bleibt stehen und wer ist am Schluss der Esel?

 

(Bild: zVg.)

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