Lina Moser ist Bloggerin aus Grüsch und porträtiert in unregelmässigen Abständen «Lüt vu Graubünda». Dabei berichtet sie über einen Aspekt aus dem Leben von «normalen» BündnerInnen. Der Blog ist lose angelehnt an die populäre Webseite «Humans of New York».

 

Tino Böni, 21, Chur

«Ich bin genau richtig, wo ich bin»

Die Wahl meiner Ausbildung habe ich bis heute nicht bereut. Ich bin gerne Stromer. Es ist eine Tätigkeit, die wie ich selber nicht stehen bleibt. Der stetige Wandel erfordert Weiterbildung. Das macht es für mich attraktiv. Trotzdem, ganz zufrieden war ich nicht. Eigentlich wollte ich auch gerne mit Menschen arbeiten, mit ihnen in Kontakt sein. Dann, vor einem Jahr ungefähr – ich war in Gedanken bereits bei einer eventuellen Umschulung zum Behindertenbetreuer – wurde ich vom Fussballverein, in welchem eine Freundin aktiv spielt gefragt, ob ich einen Trainerposten bei den Juniorinnen übernehmen wolle. Ganz unsportlich bin ich nicht, ich klettere, spiele wie letztes Wochenende mal in Grümpelturnieren mit und Tischtennis war ganz früher mein Ding, aber als aktiver Spieler war ich noch nie in einem Fussballverein. Bezug zum Verein war aber schon da. Ich habe mir schon viele Spiele live angeschaut, also kam das nicht ganz unerwartet. Und es war perfekt! So kann ich weiterhin meinen Beruf ausüben und trotzdem mit Menschen beziehungsweise mit Kindern arbeiten. Also habe ich die J+S Basisausbildung abgeschlossen und trainiere nun die E-Juniorinnen von Chur 97. Das heisst, meine Spielerinnen sind zwischen acht und elf Jahre alt. Warum ich als Nichtfussballer die Juniorinnen einer Männersportart trainiere? Es macht Spass! Fussball mag ich sehr und ganz ehrlich, egal was alle behaupten, in diesem Alter sind die Mädchen noch besser zu kontrollieren als die Jungs. Nach einem hektischen Arbeitstag schätze ich das sehr, vor allem wenn ich so über die Banden den Kollegen mit den Jungs zuschaue.

Leider müssen ein paar der Spielerinnen diesen Sommer altershalber das Team verlassen. Das ist schwer, man ist gerade so gut eingespielt und gewinnt mittlerweile auch mal gegen den Erzrivalen! Aber so ist es nunmal. Mit der Mannschaft weiterzuziehen ist für mich keine Option, denn dann wäre ich ja irgendwann im U-irgendwasbereich und fernab von den Kindern, die ich ursprünglich inspirieren wollte. Klar kommen jedes Jahr ein bis zwei neue Spielerinnen dazu, aber lieber wäre es mir, wenn es mehr wären! Leider hat sich das noch nicht so rumgesprochen, dass Chur 97 auch reine Mädchenteams ausbildet. Von klein auf! Ich wünschte mir mehr Mundpropaganda so dass alle im Umkreis wissen, dass auch Mädchen gute Fussballer sind oder werden können! Meldet euch!

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http://www.chur97.ch

 

(Bilder: Ladina Böni/Lina Moser)

 

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