Chur soll endlich neue Sportanlagen erhalten. Wie stehen die beiden verbliebenen Stadtratskandidaten Patrik Degiacomi (SP) und Marco Tscholl (BDP) zum neuen Projekt des Churer Stadtrats? GRHeute hat vor dem 2. Wahlgang am Sonntag nachgefragt.

 

Das Gesak wurde vor drei Jahren ja abgelehnt. Wie beurteilen Sie die neue Strategie des Stadtrats, einzelne Teilprojekte nacheinander umzusetzen?

TschollkleinMarco Tscholl: Bei der Gesak-Abstimmung wurden einzelne Projekte nur knapp abgelehnt. Das zeigt, wie wichtig die Sportanlagen für die Churer Bevölkerung sind. Als Hauptursache für die Ablehnung sehe ich den Umstand, dass jedem Projekt ein «Preisschild» umgebunden wurde.

Die neuen Umsetzungspläne des Stadtrates erachte ich nicht als «Salami-Taktik», weil neue Voraussetzungen für die Finanzierung geschaffen werden können (Beispiel Schulhaus Ringstrasse und Verlegung des Sportplatzes). Hinzu kommt, dass z.B. der Kunstrasen-Platz bereits ausserhalb der Gesak-Abstimmung als separates Projekt geführt wurde.

 

DegiacPatrik Degiacomi: Man muss dazu sagen, dass das GESAK unter dem Eindruck einer bankrotten Stadt abgelehnt wurde. Das neue transparentere Rechnungslegungsmodell zeigt nun aber, dass die Stadt finanziell gesund ist. Die Ausgangslage ist damit schon mal grundsätzlich anders, weil nicht bei jeder Investition Steuererhöhungen befürchtet werden müssen.

Diese Strategie erachte ich grundsätzlich als richtig. Allerdings muss man aufpassen, dass es nicht so kommuniziert wird, dass jeweils nur diejenigen zustimmen, die einen direkten Nutzen davon haben. Ich glaube wir müssen unsere Stadt attraktiver machen und dazu gehört es auch, in die Sportstätten zu investieren.

 

Der Sport hat in der Stadt und im Kanton keine allzu grosse Lobby, die Sportanlagen in Chur sind teilweise sehr marode. Inwiefern würden Sie sich als Stadtrat für die Anliegen des Sports einsetzen?

DegiacPatrik Degiacomi: Ich war und bin ein Sportler. Ganz früher machte ich OL und war im BTV Geräteturnen, dann spielte ich während dem Studium Unihockey und entdeckte dann den Laufsport, das Mountainbike und Langlauf. Heute treibe ich Sport vor allem als Ausgleich, meist kommen die Kinder im Anhänger mit. Investitionen in die Churer Sportstätten erachte ich als dringlich, wohl mehr als manch andere/r in der SP. Das habe ich stets gesagt und das steht auch auf meinem Werbematerial prominent. Dazu stehe ich.

Im Grossen Rat setze ich mich dafür ein, dass das Nationale Schneesportzentrum auf der Lenzerheide auch dann realisiert wird, wenn der Bund sich nicht wie erhofft beteiligt. Denn das Geld ist da. Der Kanton hat für solche Projekte extra Töpfe geschaffen. Mir ist einfach wichtig, dass die Projekte nachhaltig sind und auch dem Breitensport sowie der Jugend dienen.

 

TschollkleinMarco Tscholl: Sport ist für den Ausgleich zum Berufsalltag ein wertvoller Faktor und für die Entwicklung unserer Kinder von grosser Wichtigkeit. Ich setze mich für ein attraktives Sportangebot ein und würde diese Haltung auch im Stadtrat vertreten.

 

 

An der Oberen Au soll die Infrastruktur durch neue Fussballanlagen ausgebaut werden. Gehört dazu Ihrer Meinung nach ein Stadion oder nur Sportanlagen?

TschollkleinMarco Tscholl: Eine Tribüne gehört genauso zu den Plätzen wie Umkleidekabinen oder sanitäre Einrichtungen. Die Besucher sollen sich mit den Mannschaften identifizieren und die Spiele in angemessenem Rahmen verfolgen können. Unter Umständen würde eine Tribüne sogar Potenzial für anderweitige Nutzungen, wie z.B. Freilichtspiele bieten.

 

DegiacPatrik Degiacomi: Ja, auch ein Stadion gehört dazu. Sonst werden der FC Chur 97 oder die Broncos über kurz oder lang keine Perspektiven in Chur sehen. Die sind doch genauso wie Piranha oder Chur Unihockey eine Bereicherung für die Stadt! Ich meine auch, dass wir hier als Hauptstadt eines Tourismus- und Freizeitkantons durchaus Akzente setzen dürfen. Das bringt Anlässe und Menschen nach Chur, die sehen, wie schön unsere Stadt ist.

Es muss auch gesagt werden, dass der Zeitpunkt für solche Investitionen sehr günstig ist. Die Zinsen sind sehr tief und das Bauhaupt- und Baunebengewerbe befinden sich in einem sich verschärfenden Konkurrenzkampf. Dies vor allem wegen des starken Frankens und weil die Bautätigkeiten in einigen Talschaften aufgrund des Zweitwohnungsartikels merklich zurückgegangen sind. Dortige Firmen weichen jetzt ins Churer Rheintal aus. Das drückt auf die Preise. Die Zeit für Investitionen ist also aus vielerlei Gründen so günstig und nützlich wie nicht sehr oft.

(Bild: zVg.)