Somit ist die Überaschung perfekt! Nicht, wie ich vermutet habe die Calanda Broncos, sondern die Bern Grizzlies haben den Schweizermeister-Titel gewonnen. Als neutraler Zuschauer im Swissbowl muss ich sagen, dass dieser Sieg der Berner voll in Ordnung geht und auch verdient ist. Die Zuschauer kamen auf ihre Kosten, es war ein sehr spannendes und auf hohem Level ausgetragenes Finalspiel. Ausschlaggebend war der überragende Quarterback der Berner, Jack Caron. Der Kalifornier warf genaue Pässe auf seine Receiver, aber vor allem war er mit seinen Läufen kaum zu stoppen. Die Broncos mussten auf etliche Defense-Spieler verletzungsbedingt verzichten, was von Caron und seinen Mitspielern gnadenlos ausgenützt wurde. Da die Broncos Offense auch viele Punkte erzielte, blieb das Spiel bis zum Schluss spannend. Meines Erachtens war es das beste Endspiel seit sehr langem. Ich gratuliere den Bernern zum verdienten Meistertitel und vor allem zum exzellenten Rekrutieren ihrer beiden US-Imports.

Ein kleiner, fader Beigeschmack

Leider bleibt da doch noch ein kleiner, fader Beigeschmack. Das verschobene Spiel in Week 3 der Meisterschaft, das die Berner schon am Mittwoch vor dem Spielsonntag gegen Calanda absagten. Einige Woche später durften sie dann aber auf einmal drei Spiele nacheinander bei stärkerem Regen im selben Stadion spielen! Ob nun wirklich in Week 3 der Quarterback angeschlagen war und der neue Defense Liner von Arizona noch nicht da war (er kam erst 2 Wochen später an) und ob dies der Grund für diese komische Absage war, wissen schlussendlich nur die Berner Verantworlichen selber. Ich glaube dem Berner Präsidenten und gehe davon aus, dass der Platz wirklich gesperrt war, der fade Beigeschmack zu dieser Affäre bleibt jedoch bestehen.

Wenn wir schon bei Verschiebungen und Forfait sind: Wieder mal waren in der vergangenen Saison einige Teams nicht im Stande, ihre Spiele durchzuführen. Das Allerschlimmste sind dabei Forfait-Niederlagen oder Spiele, die während dem Match abgebrochen werden. Seit Jahren reden wir darüber, dass dies einfach nicht geht, vor allem in der NLA, egal ob es die Junioren oder die Erwachsenen betrifft. Wer NLA spielt, sollte «verdammt nochmal» fähig sein, zehn Spiele auszutragen – oder sich sonst lieber nicht zur Saison anmelden.

Der SAFV muss sich was einfallen lassen

Zürich hat seit einem Monat sieben Minuten gespielt, ein Spiel erst gar nicht angetreten und trozdem durften sie zum Relegationsspiel nach Genf. Sprich: Einen Monat kein Spiel und dann gegen Genf, das grad drei Spiele nacheinander hatte. Da muss sich der SAFV schnellstens was einfallen lassen, denn mit solchen Entscheiden macht sich der Verband nur lächerlich. Dass Genf gewonnen hat, erfreut mich, denn irgendwo muss noch Gerechtickeit herrschen.

Eine Aufstockung der NLA auf 8 Teams mit je 4 Teams Ost und West ist ein schlechter Scherz. Für Calanda und Winterthur kein Bern, Basel oder Genf? Fragen wir mal in Winterthur oder Chur nach, was sich besser als Heimspiel verkaufen lässt, amtierende Meister aus Bern oder der eigentliche Absteiger aus Zürich. Wer für eine Aufstockung auf 8 Mannschaften stimmt, hat wohl das ganze Szenario nicht durchgedacht. Dieses Jahr hatten wir in der NLA zu viele Probleme, und mit 8 Teams werden diese nur grösser.

Wir müssen das Ganze mal realistisch sehen. Wetter kann niemand beeinflussen, jedoch können die Teams für schlechtes Wetter vorbeugen. Hier muss ich mal einige Teams loben. Angefangen bei den Gladiators, die vorsichtshalber auf drei Felder zurückgreifen können (jedoch nur eins mit Tribüne). Die Broncos haben auch seit Jahren kein Spiel mehr abgesagt, in diese Liste gehören auch Lausanne und zum Teil auch Winterthur. Der SAFV müsste verlangen, dass jeder Verein mindestens zwei Felder hat, egal ob mit Tribüne oder nicht. Es geht darum, dass die Spiele ausgetragen werden und nicht darum, je nach Wetter zu hoffen und zu bangen, ob das spiel ausgetragen wird oder nicht.

Wie weiter mit der Nachwuchsmeisterschaft?

Kommen wir zum leidigen Thema der Junioren-Meisterschaft A und B. Ohne lang drauf einzugehen: Das letzte Mal, dass ein NLB-Junioren-Team ein NLA-Team schlug, ist Jahre her. Ich meine, in einem offiziellen Spiel mit Schiedsrichtern und nicht in einem Scrimmage. Hier gibt es nur eine Lösung, um diese leidige Thema endlich vom Tisch zu haben. Der Erste der NLB-Junioren nach der Regular Season soll als viertplatziertes Team in den NLA-Playoffs teilnehmen. Somit qualifizieren sich die ersten drei der NLA und der Erste der NLB für die Schweizermeisterschaft-Playoffs. In der ersten Runde der Playoffs kommt es direkt zum Spiel Erster NLA – Erster NLB. Somit hat auch der Erste der NLB eine Chance, der richtige Schweizer Meister zu werden und das Thema wäre endgültig geklärt.

Wir werden an der Delegiertenversammlung einen offiziellen Antrag für diesen Modus stellen, mal sehen, was die NLB-Klubs, die meinen, sie seien gleich gut, abstimmen werden. Irgendwie weiss ich jetzt schon, dass sie das nicht wollen. Ohh, 2012 hatten wir den Modus, dass sich der Erste und Zweite der NLA und NLB qualifizierten und – ohh – beide NLA-Vereine gewannen ziemlich deutlich. Wie zu erwarten, waren es die beiden NLA-Vereine, die im Junior Bowl standen und nicht die NLB-Vereine. Ein Jahr später wollte die Mehrheit der NLB-Teams ihre eigenen Play-Offs und einen eigenen Juniors Bowl.

Es gab im Nachwuchs auch mal eine Einheitsliga und ich muss ja nicht erklären, welche Teams die ersten 5 Ränge belegten, oder? Ja, genau die aus der NLA.

Die U16-Meisterschaft wird unterschätzt

Im Herbst werden wir in der Schweiz nicht zu kurz kommen mit Football. Die Nationalmannschaft kämpft in der Qualifikation um den Einzug für die Europameisterschaft und ab Ende August fängt auch die U16-Saison an.

Die U16-Meisterschaft ist wohl die meistunterschätzte Sache im Schweizer Football. Nirgendwo anders wird soviel Basics und Fundamentals gecoacht wie bei der U16. Je jünger sie anfangen, desto besser sind sie später. Im Swissbowl waren bei beiden Teams kombiniert insgesamt 13 Spieler, die irgendwann mal bei der U16 anfingen, dabei. Die nächsten Jahren werden es mehr und mehr sein. Bei den Broncos waren beide Safeties, zwei Linebackers, ein Runningback und ein Receiver ehemalige U16-Spieler, die im Swissbowl der Erwachsenen mitspielten.

Leider hat der SAFV und der U16-Verantwortliche dies nicht erkannt. An der letzten U16-Verbandssitzung, die fast fünf Stunden ging und bei der alle 10 Coaches der Vereine mit U16-Teams dabei waren, wurde einiges beschlossen. Eingehalten wurde fast nichts. Heads-up-Clinics wurde schon zum zweiten Mal versprochen, natürlich gab es diesen Kurs nicht. Die Änderungen mit der Blitz-Regel, dem einheitlichen Ball usw. ist nirgendwo in den Reglementen zu finden. Zum Glück schätzt der neue SAFV-Präsident Glenn Chase die Jugendarbeit der Vereine und wird in Zukunft einiges ändern.

Der neue SAFV-Vorstand lässt hoffen

Wenn wir schon vom SAFV-Vorstand sprechen: Der neue Präsident scheint seine Sache sehr gut zu machen, er ist jedes Wochende an den Spielen, schaut zu und versucht, Sachen zu verbessern. Es war wirklich an der Zeit für einen Wechsel. Gebt dem neuen Vorstand noch 1-2 Jahre und wir werden um einiges besser organisiert sein!

Ich war am Anfang skeptisch, jedoch muss ich sagen, dass Glenn einen ziemlichen Scherbenhaufen übernommen hat und diesen nun reparieren muss. Wenn ich nur an die letzte DV denke und wie wir mit dem Budget umgingen! Jedenfalls war es an der Zeit für neue Leute.

Schweizer Footballer zeigten gute Leistungen

Zum Abschluss meiner Kolumne bleibt zu sagen, dass Football in der Schweiz auf besserem Wege ist als einige meinen, aber auch nicht so gut, wie wiederum andere denken. Die NLA war spannend und es gab einige sehr, sehr gute Spiele. Die Teams haben allesamt gute Headcoaches, das wirkt sich auf die Qualität der Spieler aus. Die Liga hatte einige sehr gute Import-Spieler, vor allem Jake Caron und Josh Dean waren überragende Quarterbacks, die das Eintrittsgeld alleine schon Wert waren. Ich denke aber auch an die Runningbacks, die zwei unermüdlichen Tino Muggwyler und Fabian Schaller oder der junge Raphael Roussis. An die Schweizer Oliner von Lausanne, Winterthur und Bern oder Receiver wie René Fink, Adrian Sünderhauf, Lukas Lütscher, Dalvin Sollberger usw. Auch in der Defense ist es genauso. Die Zukunft sieht gut aus, jetzt müssen die Verantwortlichen noch die Infrastrukturen verbessern und wir werden einiges besser haben in der Football-Schweiz.

Bis zum nächsten Mal,

Coach Haas

 

(Bild: GRHeute)