Marco und Gian-Luzi sitzen bei Frieda in der Beiz. Wildmannli ist auch da und hört zu. Irgendwie so.
Marco: Hast du gehört? In Chur wollen sie das Ausländerstimmrecht einführen.

Gian-Luzi: Aber nur, wenn sie zehn Jahre in der Schweiz und fünf Jahre in Chur wohnen. Ist doch nichts als recht, wenn die dann mitreden dürfen, oder?

Marco: Irgendwie schon. Aber warum lassen sie sich nicht einbürgern, wenn sie mitreden wollen? Dafür gibt es das doch.

Gian-Luzi: Wenn aber einer nicht Schweizer werden will?

Marco: Tja, dann… selbst schuld.

Gian-Luzi: Unabhängig davon wäre es gerecht, wenn sie mitbestimmen dürften. Die leben schliesslich auch in der Stadt.

Marco: Was heisst ‚Unabhängig davon‘? Das kannst du ja nicht einfach ausklammern. Es gibt Rechte und es gibt Pflichten.

Gian-Luzi: Was ‚Rechte und Pflichten’?

Marco: Naja, bei uns bekommst du mit 18 das Recht zu wählen und die Pflicht, ins Militär und in die Feuerwehr zu gehen. Du willst diesen Leuten Rechte ohne Pflichten verschenken?

Gian-Luzi: Halt, halt, halt, Marco. Du vermischst da wieder mal Äpfel mit Birnen. Und was meinst du mit ‚diesen Leuten‘? Das nervt… Dein ständiger rassistischer Unterton geht mir auf den Sack. Können wir das Thema wechseln?

Marco: Rassistischer Unterton? Was ist rassistisch? Wenn ich sage ‚diese Leute‘? Luzi, du bist von der politischen Korrektheit korrumpiert. Völlig gelähmt! Wir reden ja nur…

Gian-Luzi: Es gibt einfach Grenzen.

Marco: Das sag ich ja die ganze Zeit!

Gian-Lui: Und du überschreitest sie grad wieder mal.

Marco: Echt, deine Angst, die Wahrheit zu sagen, nur weil du damit jemandem auf die Füsse treten könntest…

Gian-Luzi: …ja, ja… aber gut, lassen wir die Churer mal machen und schauen dann. Die scheinen wenigstens schlauer zu sein als du. Und vor allem gerechter.

Marco: Genau. Chur. Die Kloake des Kantons.

Gian-Luzi: Da ist eben niemand mehr Scheisse als der andere.

Marco: Wir werden sehen. Aber im Ernst, Luzi: Du traust dich nicht, deine Meinung zu sagen, weil du Angst hast, jemand könnte dir seinen Moralfinger zeigen? Du sagst mal was Kritisches und betonst im gleichen Atemzug, du seist kein Rassist… Oder du sagst was und entschuldigst dich gleich dafür. Oder du sagst deine Meinung und relativierst gleich wieder alles, damit ja nicht jemand was Schlimmes von dir denkt. Das ist doch mal ein schöner Komplex! Korrektheit über Freiheit, nenne ich das. Befrei dich endlich von diesem doofen Pseudo-Getue! Das ist doch immer noch ein freies Land hier!

Gian-Luzi: Befreien? Ok, ich befreie mich und sage dir: Du bist ein Schwachkopf.

Marco: Fähigkeit zur Selbstreflexion gleich Null.

Gian-Luzi: Jetzt reicht’s aber, Marco. Gib endlich Ruhe.

Marco: Sonst was? Ins Sägemehl?

Gian-Luzi: Ich brienz dich mit links.

Marco: In deinen Träumen. Aber guter Themawechsel – das wird so geil!

Gian-Luzi: Und wie. Endlich haben wir Bündner am Eidgenössischen wieder ein richtig heisses Eisen im Feuer.

Marco: Ja schon, aber er wird mir ein bisschen zu hoch gejubelt, der Orlik, der Armon. Das könnte in die Hosen gehen.

Gian-Luzi: Sechs Kranzfestsiege, Marco, sechs Siege! Das sind Ernst-Schläpfer-Zahlen!

Marco: Ja, ja, Luzi. Aber ich sag dir, die geben dem Orlik gleich einen Bären zum Start. Verliert er da, ist selbst der Kranz schon in Gefahr. Auch wenn er dann noch ein paar gewinnt, bekommt er später sicher noch einen Brocken. Da kann er ganz schnell durchgespült werden.

Gian-Luzi: Ja, ja, der Marco. Der Schwing-Experte. Ich sag dir: Orlik holt den Kranz und pass auf den Clopath auf, der läuft überall unter dem Radar. Der holt auch einen.

Wildmannlis ist optimistisch und tippt auf drei Bündner Kränze: Armon Orlik, Beat Clopath, Curdin Orlik. Und er fiebert mit dem jungen Davoser Christian Biäsch mit. 
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