Fast wäre es zu einem zweiten grossen Bündner Sport-Weekend geworden. Eine Woche nach Nino Schurters Olympiasieg in Rio verpasste es der Maienfelder Armon Orlik in Estavayer-le-Lac, als Schwingerkönig nach Graubünden zurückzukehren. Schlussgang-Gegner war mit Matthias Glarner ein Berner – natürlich, ist man fast versucht zu sagen. Nicht dass ein Berner König angesichts der Stärke des Berner Teilverbandes eine Überraschung wäre – auffallend ist aber, wie die Berner den Bündnern zuletzt in verschiedenen Sportarten eingeheizt haben. Der HC Davos verliert im Halbfinal gegen den späteren Meister SCB, die Footballer der Calanda Broncos unterliegen im Endspiel den Bern Grizzlies, Alligator Malans scheitert im Halbfinal an Floorball Köniz. Duelle, die noch in den Jahren zuvor meist zu Gunsten der Bündner Teams ausfielen.

Dabei sah es in Estavayer-le-Lac noch bis Sonntagmittag gut aus. Orlik hatte beim Anschwingen die Berner Grössen Kilian Wenger und Bernhard Kämpf «vernichtet». Selbst nachdem er sich dem Schwingerkönig von 2013, Matthias Sempach, nach einem packenden Kampf geschlagen geben musste, sah die Welt noch vielversprechend aus. Als dann am Sonntag sowohl Sempach wie auch sein Kantonskollege Christian Stucki (nach Gestelltem gegen den Bündner Beat Clopath) aus dem Schlussgang-Rennen fielen, schien die Berner Phalanx gebrochen. Dass letztlich mit Matthias Glarner doch noch (und zum dritten Mal in Serie) ein Berner den Königstitel gewann, spricht für die Tiefe ihres Teilverbands. Auch wenn die Niederlage weh tut, muss man Armon Orlik rundweg gratulieren: Was für ein Auftritt des 21-jährigen Maienfelders! Bullig, immer vorwärts, böse – ein Mike Tyson des Schwingens. Und ein Kranz an einem Eidgenössischen ist ja auch nicht nichts.

Dank den jungen Wilden wie Armon Orlik und Samuel Giger sieht die Zukunft für den Nordostschweizer Schwingverband an der Spitze rosig aus. Dahinter gibt es Fragezeichen. Gerade in Graubünden ist noch viel Potenzial «unausgeschöpft». Beat Clopath ist auch schon 31 Jahre alt, zehn Jahre älter als Shooting Star Armon Orlik. Hinter den beiden Teamleadern tut sich eine beachtliche Lücke auf. Der Bündner Schwingverband wäre gut beraten, alles zu tun, um diese zu füllen. Denn eine ganze Armee von Bernern wird Orlik auch in Zukunft nicht alleine besiegen können.

 

(Bild: EQ Images)

Open Popup