Ladina Bordoli sorgte mit einer Meldung vor wenigen Wochen auf ihrer Autorenseite auf Facebook für mächtig Aufruhr. Sie hatte nämlich die Ehre, einen Vertrag mit dem grossen deutschen Bastei Lübbe Verlag zu ergattern.

Doch wie geht es weiter mit der Jenazer Schriftstellerin, welche nun in Schiers ihre Zelte aufgeschlagen hat? Wir haben der 32-Jährigen auf den Zahn gefühlt und über ihre Literatur gesprochen.

Du bist seit Jahren aktiv als Autorin. Wie würdest du jemandem dein Werk erklären, der noch nie ein Buch von dir gelesen hat?

Da ich zurzeit in sehr vielen verschiedenen Genres veröffentliche, kann man meine Werke oder die Art meiner Bücher nicht pauschal zusammenfassen. Je nach Nachfrage schreibe ich eher etwas Realistisches wie einen Roman für junge Erwachsene oder klassische Frauenliteratur oder aber Fantasy-Bücher verschiedener Gattungen. Gerade diese bunte Mischung mehrerer Stilrichtungen macht das Schreiben spannend. Man muss sich nicht für eine Variante entscheiden, man kann der Kreativität freien Lauf lassen und in verschiedene Rollen schlüpfen. Ob romantisch, düster, fantastisch, historisch angehaucht oder abenteuerlich – ich bin für fast alles zu haben.

Bei meinem aktuellen, kürzlich erschienenen Buch, «Die Lazarus Verschwörung» (Fabylon Verlag), konnte ich beispielsweise sehr viele verschiedene Aspekte in die Geschichte einbringen: Abenteuer, Humor, Mystik, Technik und auch Reales. Sowas liebe ich, weil es eine Herausforderung für meine Kreativität ist. Ich schätze dann zur Abwechslung aber auch wieder Buchprojekte, die eher mein Einfühlungsvermögen und meine Gefühlsvielfalt fordern.

Hast du eine spezielle Zielgruppe, die äusserst positiv auf deine Bücher reagiert?

Ich stehe noch am Anfang meiner Autorenkarriere. «Die Lazarus Verschwörung» ist mein Debüt-Roman, mein erstes, professionell veröffentlichtes Buch. Dieses Projekt wurde für eine spezielle Lesernische, die sich «Steampunk» nennt, konzipiert. Kommende Projekte, die wiederum in völlig anderen Literaturgattungen zu Hause sind, haben natürlich auch eine andere Zielgruppe. Welche Ladina-Bordoli-Version schlussendlich jene sein wird, die am meisten «Fans» generiert, wird sich daher erst in den kommenden Jahren zeigen. Ich wünsche mir aber, dass ich meine Vielfalt beibehalten darf und nicht irgendwann beispielsweise nur noch Liebesromane schreiben darf/muss, bloss weil sich das am Besten verkauft. Das wäre sehr schade und würde mich als kreativen Mensch sehr einschränken.

Interview Autorin

Das Prättigau spielt in deinen Geschichten immer wieder eine tragende Rolle. Wie wichtig ist dir das Prättigau als Einfluss?

Nun, das Prättigau ist meine Heimat. Meine Wurzeln bedeuten mir sehr viel. Das ist auch deshalb so, weil ich nirgends lieber wohnen und leben möchte als hier. Um es mit J.R.R Tolkiens Worten zu erklären: Das Prättigau ist mein Auenland. Die Menschen hier sind den Hobbits manchmal sehr ähnlich. Sie haben einen liebenswerten Humor und lassen sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Sie leben ihre grossen und kleinen Traditionen nach wie vor mit Hingabe, das ist sehr schön. Ich denke, das Prättigau hat es verdient, in der weiten Welt erwähnt zu werden, denn so viele Auenländer gibt es da draußen nicht mehr.

Ist es ein Traum von der Literatur zu leben oder in der Schweiz schlicht utopisch?

Da ich durch die Zusammenarbeit mit der deutschen Literatur-Agentur Ashera vorwiegend in Deutschland veröffentliche, kenne ich die Situation in der Schweiz zu wenig. Ich persönlich habe diesen Traum aber nicht unbedingt. Mir bedeutet es sehr viel, dass ich begeisterte Leser finde, die an meinen Geschichten Freude haben. Ich möchte meine Kreativität ja gerne mit anderen Menschen teilen – wie jeder Künstler. Ansonsten liebe ich auch hier die Vielfalt. Ich arbeite hauptberuflich in unserer familieneigenen Bauunternehmung und besitze seit kurzem noch zusätzlich eine kleine Werbetechnik-Firma. Ganz ehrlich, ich liebe meine tägliche Arbeit! Ich empfinde für diese Tätigkeiten ebenso viel Leidenschaft wie für das Schreiben. Dem Leben und seinen Menschen im Alltag zu begegnen, ist meiner Meinung nach etwas sehr Bereicherndes und Wertvolles. Man kann unmöglich kreativ sein, wenn man nicht in die Schönheit der Welt und ihrer Bewohner eintaucht. Ich lebe mit Hingabe und diese besteht nun mal aus vielen Facetten, nicht nur aus einer.

Tauschst du dich mit anderen Literaten aus Graubünden aus? Oder ist das Schreiben eher eine einsame Geschichte?

Bis jetzt hatte ich noch keine Gelegenheit, mich mit anderen Autoren aus Graubünden oder der Schweiz auszutauschen. Ich habe aber immer wieder Kontakt zu meinen deutschen oder österreichischen Agentur-Autorenkollegen. Schreiben muss jeder für sich selbst, denke ich. Jeder Autor hat eine andere Vorgehensweise und einen anderen Schreibstil. Wo man sich aber sicher austauschen und gegenseitig helfen kann, ist auf Erfahrungsebene. Wir «Ashera»-Autoren unterstützen uns ausserdem gegenseitig auf den Social-Media-Plattformen, einige betreiben Literatur-Blogs und die in Deutschland wohnenden Schriftsteller gehen auch regelmäßig zusammen an Messen und Conventions. Ich würde da natürlich gerne auch einmal teilnehmen, um meine Kollegen persönlich zu treffen. Insofern: Schreiben an sich mag eine einsame Sache sein, wenn sich jedoch «Schreibende» treffen, kann das durchaus gesellig werden.

Du hast schon einige Bücher veröffentlicht, welches war dein kommerziell am Erfolgreichstes? Und welches ist dir persönlich am Wichtigsten?

Das mit den vielen Büchern, die teilweise auf meiner Website oder in Form von Cover-Previews auf Facebook herumgeistern, muss man folgendermassen verstehen: Veröffentlicht ist erst mein Debüt-Roman «Die Lazarus Verschwörung» (Fabylon Verlag). Zwei weitere Manuskripte sind abgegeben und zur Überarbeitung beim jeweiligen Verlag. Die restlichen Titel sind quasi «Aufträge». Ich habe also die Verträge mit den Verlagen abgeschlossen, mein Projekt wurde angenommen und ich habe nun den Auftrag, das Buch dazu zu schreiben. Zurzeit bin ich bis im Herbst 2018 ausgebucht. Es werden nun laufend Projekte veröffentlicht. Erst wenn das geschehen ist, kann ich deine Frage korrekt beantworten.

Interview Autorin 2

Du schreibst in letzter Zeit auch viele Kurzgeschichten. Was liegt dir mehr, Kurzgeschichten oder ein Buch?

Es hat beides seinen Reiz. Kurzgeschichten sind für mich Text-Essenzen. Man kann eher mit sprachlichen Finessen spielen und aus dem Text eine «Melodie» erschaffen. Die Szenen sind kürzer und prägnanter. In einer Kurzgeschichte kann man einen kreativen Impuls verarbeiten, während man für Bücher dann schon Ideen mit Tiefe und Weite braucht. Ein Buch schreibt man auch weniger «dicht»; man verdünnt die Essenz also wie bei einem Parfüm und mischt ihr dafür beispielsweise noch eine Farbe bei. Bücher bieten im Gegensatz zu Kurzgeschichten mehrere Dimensionen an. Man kann sie aus verschiedenen Erzählperspektiven, aus der Sicht diverser Personen und sogar abwechselnd in anderen Zeitepochen schreiben. Manche Ideen passen besser in eine Kurzgeschichte, andere wiederum brauchen den Freiraum eines ganzen Buches. Beides ist gleichermassen spannend. Es ist einfach anders.

Wie lange geht es von der Grundidee bis zum fertigen Buch?

Das geschieht ja selten linear. Meistens hat man eine Idee oder man wird angefragt, zu einem bestimmten Thema ein Projekt auszuarbeiten. Dann wird eine komplette Geschichte geplottet, mit Zusammenfassung und Leseprobe. Sowas dauert bei mir je nachdem, was sonst noch ansteht, rund einen Monat (wobei mir nur die Wochenenden zur Verfügung stehen). Danach geht dieses «Bewerbungsschreiben» an die Verlage. Wenn ein Verlag zusagt, fängt die Schreibarbeit an, die aber auch erst ein oder zwei Jahre später stattfinden kann – je nachdem wie viele Projekte man noch in der Pipeline hat. Um ein Buch zu schreiben, brauche ich heute circa ein Jahr, da ich das alles in meiner Freizeit mache. Ist das Romanuskript abgegeben, kann es erneut einige Zeit, beispielsweise ein Jahr, dauern, bis das Projekt beim Lektorat durch ist. Dann muss es vom Autor überarbeitet werden. Hier kommt es stark drauf an, wieviel angepasst werden muss. Das kann ebenfalls mehrere Wochen(enden) dauern. Danach geht das Buch beim Verlag in die Schlussüberarbeitung. Irgendwann muss ein Cover kreiert werden, jemand gestaltet das Innenleben des Buches etc..
Bei meinem Buch «Die Lazarus Verschwörung» hat der gesamte Prozess vom Anschlagen der ersten Taste bis zum Erscheinen des Titels auf dem Markt ziemlich genau zwei Jahre gedauert. Das ist aber nicht bei jedem Projekt gleich.

Ich habe gesehen, du hast einer Ems-Schülerin aus Igis bei ihrem Buch unter die Arme gegriffen. Wie sind deine Erfahrungen als Coach? Was würdest du einem jungen Schriftsteller als Tipp auf den Weg mitgeben?

Die Zusammenarbeit mit Carmen Graf aus Igis war für mich eine wunderschöne und bereichernde Erfahrung! Als Beisitzerin musste ich Carmens Maturaarbeit im Sinne einer aussenstehenden, «branchenkundigen» Person mitbewerten. Während des Erstellungsprozesses durfte ich ihr auch immer wieder mit Tipps und Tricks zur Seite stehen. Ich war jedoch auch ausserhalb meiner Rolle als Beisitzerin (schon lange bevor ich überhaupt als solche aktiv teilhaben musste) mit Carmen in Kontakt. Es hat mich sehr gefreut, einer jungen, talentierten Frau auf ihrem Weg zur Autorin helfen zu können.

Für junge oder werdende Schriftsteller ist es wichtig, nie aufzugeben. Der Weg zum Autor ist kein leichter. Viel lesen, viel schreiben, dabei lernt man am meisten. Als junger Autor habe ich mir damals zuerst einen Literatur-Agenten gesucht, der mich nun an verschiedene Verlage vermittelt. Das ist rückblickend gesehen eine Vorgehensweise, die ich sehr empfehlen kann. Wer das lieber nicht möchte, sollte sich vorerst eher an kleine Verlage halten. Aber auch da sollte man sich genau informieren, welche Genres sie überhaupt verlegen und welche Programme sie aktuell haben.

Und ja … immer wieder aufstehen und weitermachen …

Was können wir als nächste Projekte von dir erwarten?

Aktuell schreibe ich an einem Frauenroman mit einem Familiengeheimnis und einer Liebesgeschichte – das ist der Roman, der bei Bastei Entertainment (Bastei Lübbe) als E-Book erscheint. Auf Verlagswunsch spielt dieser Roman im Prättigau. Ein Vampir-Romance und ein Young-Adult Projekt befinden sich irgendwo zwischen Abgabe und Veröffentlichung. Es folgen noch Romane in den Genres Urban-Fantasy, Classic-Vampir und ein Kurzkrimi. Ebenfalls warten noch mehrere Anthologien darauf, das Licht der Öffentlichkeit zu erblicken.

Wer keine Zeit findet zum Lesen, findet auch keine Zeit zum Schreiben. Würdest du diese Aussage unterstreichen? Respektive welche Bücher und/oder Autoren haben dich am Meisten geprägt?

Nun, es ist schwierig, von mir auf andere zu schliessen. Ich finde für beides stets genug Zeit. In den schreibintensiven Phasen lese ich allerdings etwas weniger, aber das hole ich dann wieder nach.

Am meisten geprägt haben mich vermutlich die Bücher meiner Jugend. Ihnen habe ich es wohl zu verdanken, dass ich selbst Autor werden wollte, bzw. geworden bin. Damals las ich mit grossem Eifer die «schwarzen Bücher» (wie ich sie nannte) von Wolfgang und Heike Hohlbein.

Als abschliessende Frage: Du darfst auf eine einsame Insel nur ein Buch mitnehmen. Welches wäre es? Oder würdest du es selber schreiben?

Damit ich dir diese letzte Frage auch wirklich gut beantworten kann, bin ich absichtlich durch meine Bibliothek geschlendert und habe mir die Buchrücken angesehen. Ich muss zugeben, sich für ein Buch entscheiden zu müssen, ist für einen Bücherwurm wie mich ein schwieriges Unterfangen …
Es waren zwei Bücher in der engeren Auswahl: «Krabat» von Ottfried Preußler und «Momo» von Michael Ende. Ich lese selten ein Buch zweimal, diese Bücher jedoch haben mich sehr berührt, zum Nachdenken gebracht, mir schlaflose Nächte beschert und ich lese sie trotzdem immer wieder.

Zurück zu deiner Frage: Da «Krabat» zu meinem allergrößten Entsetzen nicht mehr in meiner Bibliothek steht (und ich nicht weiss, wo das Buch jetzt ist!), nehme ich «Momo» mit. Das erleichtert mir zwar den Entscheid, aber nun werde ich kommende Nacht nicht mehr schlafen können, weil eines der wichtigsten Bücher meiner Jugend in meiner Sammlung fehlt …

Autorin 3

Mehr zu Ladina Bordoli finden Sie unter www.ladinabordoli.ch.

 

(Bilder: zVg.)

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