Nachdem das Hockey Pauer Ranking die letzten Monate und Wochen die Markenstrategie vieler NLA-Clubs an den Pranger stellte, kommt nun die Reaktion.

Der HC Davos hat seine neuen Leibchen veröffentlicht, und das Ergebnis lässt sich sehen. Nein, mehr noch: Das Ergebnis ist das beste HCD-Leibchen seit 20 Jahren. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Zwei Jahrzehnte lang fanden sich die Fans damit ab, wie ein Haufen Litfasssäulen nebeneinander zu stehen – ein Wunder, dass die Sprech-Chöre und Choreos nicht „GKB! GKB!“ lauteten. Man war es sich gewohnt, dass die Spieler wie Formel-1-Fahrer aussahen. Man schaute neidisch auf die NHL- und KHL-Leibchen, und vertröstete sich damit, dass die Ösis noch schlimmer aussehen.

„Die Sponsoren wollen halt auffallen“, war der Tenor, der jedes Mal die Diskussionen zu diesem Thema abbrechen liess. Dass es auch so etwas wie Brand Awareness oder Subtilität gibt, spielte dabei keine Rolle. Die Clubs hatten nur ein Ziel: So viele erlaubte Flächen wie möglich zu verkaufen. Und zwar so teuer wie möglich. Was der Kunde in seine gekaufte Sponsoren-Fläche reinknallte, schien den Clubs egal. Von monströsen grünen Werbeflächen (Apfelsaft) bis hin zu roten Blutflecken (RhB), stets mit wuchtigen weissen Flächen hinterlegt – alles war erlaubt. Der kurzfristige Profit stand über allem.

Doch seit der HC Lausanne es vorgemacht hat, wachen die Marketing-Abteilungen der Clubs langsam auf. Und seit heute auch der HCD. Das Statement, das der Traditionsverein heute rausgelassen hat, spricht Bände:

Die Farben blau und gelb sind untrennbar mit dem Hockey Club Davos verbunden … umso überraschender ist es, dass der HCD seit über 20 Jahren in gelbweissen oder noch schlimmer in blauweissen Trikots spielt … Grund dafür sind die weissen Sponsorenflächen, welche die zweite Klubfarbe in den Hintergrund gedrückt haben. In enger Zusammenarbeit mit den Sponsoren wurden die neuen Meisterschaftstrikots zum ersten Mal in diesem Jahrtausend wieder komplett in blau und gelb gestaltet… Marc Gianola, Marketingleiter des HCD, ergänzt: «Der grösste Dank gilt dabei unseren Sponsoren. Sie haben eindrücklich bewiesen, dass Blaugelb für sie über allem steht.»

Ok, genug geredet, hier ist das neue Meisterwerk!

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Was als erstes auffällt sind die dezenten Sponsorenflächen – genial! Das Logo bzw. die Rückennummer sind der neue Blickfang, die Werbung wird nicht mehr gross wahrgenommen. Ein Quantensprung. Selbst die RhB, die kleine Rote – die kleine ROTE – hat es verstanden, sich in den Look zu integrieren. Das gesamte Shirt besteht aus Gelb und Blau. Alleine dieser Umstand macht dieses Jersey zum Besten, was der HCD seit den 90er Jahren aufs Eis brachte. Das SIHF-Verbandslogo ist in den offiziellen Schweizer Farben. Was irgendwie verständlich ist. Einzig die Südostschweiz konnte auf ihren Farb-Klecks auf der Schulter offenbar nicht verzichten. Absolut unverständlich, aber irgendwie auch verständlich…

Aber es sind nicht nur die Farben, die das Leibchen zum Klassiker machen. Zum ersten Mal gibt sich der HCD Mühe und sorgt mit kleinen Highlights dafür, dass das Trikot richtig wertig daherkommt:

Liebevolle Details betonen zusätzlich die Herkunft. So wird der feine Kragen wie früher geschnürt und in der Kragenspitze ist elegant das Davoser-Wappen eingenäht. Das HCD-Logo selbst ist auf den beiden Ärmeln angebracht … Im Gegensatz zum blauen Heimshirt verfügt das gelbe Auswärtsshirt über einen modernen Kragen und ein grosses HCD-Logo auf der Vorderseite.

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Krass. Da haut’s einen vom Stuhl. Diese Details werten das Trikot nochmals eine Stufe auf, so dass selbst die Höhlenmalerei-Steinböcke einigermassen akzeptabel wirken.

Es wäre aber nicht spannend, wenn es nicht doch was zum Nörgeln gäbe. Oder nennen wir es Kritik auf hohem Niveau, denn wir wollen schliesslich nicht undankbar sein:

Das fehlende Logo ist für ein Heimtrikot doch etwas gewagt. Als Alternative-Jersey für ein Jubiläum mag das cool aussehen, aber auf dem Haupt-Leibchen sollte das Logo im Mittelpunkt stehen – keine Nostalgie. Der alte Schriftzug würde dafür besser auf den Ärmel passen. (Und die Nummer vorne könnte etwas kleiner sein).

Und wieso sind die Farben Gelb und Blau in beiden Trikots unterschiedlich? Das hellere Blau des Heimtrikots mit dem dunkleren Gelb des Auswärts-Trikots wäre die richtige Kombination. Der Mix ist unsinnig. Und wieso, liebe Südostschweiz, wieso?…

Wie gesagt, das ist Kritik auf hohem Niveau. Das Teil kriegt die Bestnote, und man kann davon ausgehen, dass der HCD im nächsten Ranking weit nach oben schiessen wird. Gratulation an die Marketing-Abteilung des HC Davos.

Marc Gianola ergänzt: «Ich bin sicher, dass die Fans die neuen Trikots genauso schnell ins Herz schliessen werden wie wir».

Ja, Marc, das tun wir bereits. (Und wenn es noch eine Fan-Variante in gestickter Ausführung und ohne Sponsoren gibt, dann könnt ihr mein ganzes Geld haben.)

 

(Bilder: HCD)

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