Die 22-jährige Thusnerin Sonja Gambon studiert in Luzern Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften. In sechsten Teil der Blog-Serie «Bündner im Exil» schreibt sie, warum Weihnachtszeit auch noch stressig sein kann.

 

Unzählige Kolumnen handeln vom Pendeln. Ganze Bücher wurden schon mit Geschichten über Begegnungen im Zug, Tram und Bus geschrieben. Warum das so ist, kann ich mir je länger je besser vorstellen. Und heute mache ich es auch. Es tut mir ja leid, aber ich muss!

Stellen Sie sich vor, Sie sind eingepfercht in einen Raum mit 50 anderen Personen, die Sie noch nie gesehen haben, mit denen Sie nichts gemeinsam haben. Sie stehen oder sitzen auf engstem Raum, sind den Gewohnheiten der Anderen ausgesetzt. Was sich nach der Ausgangslage eines schwierigen Gesellschaftsspiels anhört, ist einfach Realität im ÖV. Alles, was man mit diesen Menschen gemeinsam hat, ist Start und Ziel. Ansonsten: Nichts! Hört sich dramatisch an? Ist es auch. Sieben Monate habe ich täglich zwei Stunden im Zug verbracht, und nochmals 20 Minuten im Tram. Ich habe quasi im ÖV gelebt. Fast täglich habe ich mich aufs Neue über gewisse Gewohnheiten gewisser Mitfahrenden aufgeregt, immer war ich kurz davor etwas darüber schreiben zu wollen, hab’s dann aber gelassen. War alles ein bisschen emotional. Nun pendle ich nicht mehr, und doch sehe ich im Zug jedes Mal Dinge, die einfach nicht sein sollten. So habe ich letzte Woche eine Freundin besucht. Mit dem Zug. Ja, es waren 30 Grad draussen, es war heiss, viele Menschen waren unterwegs. Ist das aber ein Grund, nicht mehr auf seine Hygiene zu achten und den Zug so sehr mit Schweissgerüchen zu verpesten, dass man als Eintretender kaum mehr atmen kann? Ist das ein Grund, die Füsse inklusive Wanderschuhe auf dem gegenüberliegenden Sitz auszubreiten? Erlaubt einem dieses Wetter, Döner und Chicken Nuggets im Zug zu essen? Gibt es eine bessere Kombi von Hitzewelle, Schweiss, stinkenden Füssen, Fleisch und Fett?

Versteht mich nicht falsch. Ich liebe es, im Zug unterwegs zu sein. Es ist entspannend, man sieht schöne Landschaften, alles wunderbar. Es wäre aber sehr schön, wenn die Mitfahrenden sich bewusst wären, dass sie nicht alleine im Zug sind. Bitte nehmt ein bisschen Rücksicht.

 

(Symbolbild: Pixabay)