Heute Küblis, morgen Ilanz, übermorgen Cazis – wenn man den Terminkalender von Mario Cavigelli studiert, scheint er letztes Jahr mehr Zeit auf Baustellen als im Büro verbracht zu haben.

Wäre das Hoch- und Tiefbauamt des Kantons Graubünden ein Facebook-Status, würde der Beziehungsstatus vom Kanton zu seinen Baustellen «Es ist kompliziert» heissen. Warum? «Weil bei allem jahrelange Arbeit dahinter steckt. Wenn ich einen Spatenstich machen darf, dann erkennt man nicht, dass wir in der Regel sechs bis zehn Jahre dafür hin gearbeitet haben», sagt Regierungsrat Mario Cavigelli, der Vorsteher des Bau-, Verkehrs- und Forstdepartements, zu dem auch das Hoch- und das Tiefbauamt des Kantons Graubünden gehören.

Kompliziert meint aber nicht Rechtsstreite über Schattenwürfe, wie wir es im Zusammenhang mit dem Stadionbau in Zürich immer wieder lesen dürfen. Kompliziert heisst, dass bei einem grossen Bauprojekt naturgemäss ganz viele Interessen tangiert werden und somit immer auch zahlreiche Interessengruppen aufeinander treffen. «Nehmen wir eine Umfahrung. Vielleicht führt der ideale Weg durch eine Trockenwiese mit seltenen Blumen, die wiederum seltene Tiere anlocken. Oder ein Goldfischteich in einem schönen Garten eines Einfamilienhauses, wo die Streckenführung im idealen Fall hindurchführen müsste. Oder beim Neubau der Strafanstalt Cazis, wo wir diesen Sommer den Spatenstich hatten und wo ganz besonders viele Sicherheitsvorschriften exakt eingehalten werden müssen.»

Für all das gibt es Regeln und wenn man dem Vorsteher fünf Minuten zuhört, wird einem fast schwindlig davon. Natürlich ist er kein wandelndes Lexikon, dafür hat er seine Fachleute im Departement, die wiederum mit Experten aus anderen Dienststellen des Kantons und zum Teil auch mit Externen zusammenarbeiten. Sind es nicht zu viel Regeln? «Es sind nicht zu viele Sachbereiche geregelt», sagt Mario Cavigelli, «es braucht für alle wichtigen Bereiche gewisse Leitlinien, aber sie sind heute viel zu komplex und viel zu detailreich geregelt. Ich bin für eine Deregulierung im Sinne einer Vereinfachung der Vorschriften. Es braucht wieder mehr Ermessensfreiheit: weniger ist mehr! Mit einer Deregulierung, die nur darauf aus ist, gewisse Sachbereiche ganz radikal aus der Interessenabwägung auszuklammern, wird es nicht besser.»

Vieles hat sich das Baudepartement nämlich selbst auf die Fahne geschrieben. «Wir wollen ja auch, dass ein Bau am Schluss in sich stimmig ist und sich gut in die Umgebung einfügt und dem Bedürfnis einer breiten Bevölkerung entspricht.» Wie zum Beispiel das neue Kunstmuseum in Chur oder die neue Umfahrung Ilanz, die wirklich sehr filigran gelungen sei und sich optimal in die Landschaft einfüge. Möglich soll diesfalls auch sein, besondere Werte einer Landschaft mit zu beachten, indem man wie zum Beispiel bei der Erneuerung der Julierpassstrasse nicht einen neuen Rasen gesäht habe, sondern das bestehende Gras in Ziegeln rausgenommen und nach Fertigstellung der Strasse einfach wieder eingepflanzt habe.

Brücken, Tunnels, Strassen – was haben Sie am liebsten, Mario Cavigelli? «Rein von der äusseren Wahrnehmung her finde ich das Pompöse eines Anschiessens sehr eindrücklich. Aber auch ein Spatenstich oder das abschliessende Durchschneiden eines Bandes zur Übergabe des Werks an die Bevölkerung ist immer sehr bewegend.» In bester Erinnerung ist dem Regierungsrat eine Sprengung im Tunnel nach Trans, die er fernab von den Medien mit seiner Familie erleben durfte. «Mit Schutzkleidung, Helm und Brille, wie es sich gehört.»

Cavigelli ist seit sechs Jahren unser Mann auf den Baustellen des Kantons oder, wie er es ausdrückt: «Wenn ich da sein darf, wissen die Arbeiter, Unternehmer und Ingenieure: Jetzt geht es endlich los. Oder wenn es um die Eröffnung geht, wissen alle, dass jetzt die jahrelange Arbeit zu Ende und die Feier verdient ist.» Und so das Volk will, wird Mario Cavigelli noch weitere sechs Jahre Brücken, Tunnels, Strassen und andere Bauarbeiten einweihen.

 

(Bild: GRHeute. Mario Cavigelli bei der Eröffnung der Umfahrung Küblis.)

 

 

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