Im regionalen und interregionalen Fussball herrscht zwar seit einigen Wochen Winterpause. Bei Chur 97 aber rumort es derzeit mächtig hinter den Kulissen, seit Thomas Waser, Trainer der ersten Mannschaft, seinen sofortigen Rücktritt bekannt gegeben hat.

GRHeute hat die Vorkommnisse angekündigt und darüber berichtet, wofür es den Vorwurf mangelnder Objektivität einstecken musste. Grund genug, einen Blick in die von Inkonstanz geprägte Vergangenheit, in die stürmische Gegenwart und ihn die nächste Zukunft zu werfen.

Chur 97 ist sportlich schon seit Jahren nicht mehr richtig zur Ruhe gekommen, denn in den letzten fünf Jahren wechselte der Stadtclub regelmässig die Liga. Nach erfreulichen Aufstiegen erfolgten zumeist enttäuschende Abstiege und umgekehrt.

Diesen unheilvollen Trend, das heisst das stetige Auf und Ab, wollen die Churer in dieser Saison unbedingt stoppen. Nach der Vorrunde belegen sie in der 2. Liga Interregional mit 23 Punkten aus 13 Partien den sechsten Tabellenplatz und weisen immerhin schon 15 Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz auf. Dies sollte eigentlich genügen, um zumindest nicht abzusteigen. Und aufsteigen will man ja noch nicht.

2013 begann die Berg- und Talfahrt

Nachdem man 2011/12 in der 2. Liga Interregional mit 41 Punkten aus 26 Partien den vierten Platz belegt hatte, stiegen die Hauptstädter am Ende der Saison 2012/13 unter Trainer Marius Zarn mit 52 Punkten aus 26 Spielen und 6 Punkten Vorsprung auf den ersten Verfolger, den FC Linth 04, in die 1. Liga Classic auf. 

Die Mannschaft wurde auf die Saison 2013/14 hin gezielt verstärkt und wies in der Folge eine gute Mischung aus routinierten Führungsspielern und talentierten Nachwuchskräften auf, sodass man nach der Vorrunde auf bestem Weg war, den Ligaerhalt sicher zu stellen. Auffallend war aber, dass Marius Zarn vor allem auf die Routiniers setzte und die Breite des Kader kaum ausnützte. 

In der Rückrunde verstärkten sich dann aber schon im Herbst deutlich spürbare Dissonanzen, was zur Folge hatte, dass es sportlich steil bergab ging und schliesslich im unnötigen Abstieg aus der 1. Liga Classic endete. Der Sportchef hatte dem Treiben tatenlos zugeschaut, blieb aber bis Ende Jahr im Amt. Der Trainer wurde wie üblich in solchen Situationen als Schuldiger auserkoren und musste seinen Kasten an der Ringstrasse räumen. Von der einst so kompetitiven Mannschaft blieb nur noch ein zerstrittener Trümmerhaufen übrig.

Der Absturz in die 2. Liga regional

Der damalige Sportchef hatte nun aber keinen Plan B auf Lager, denn er hatte die Transferperiode und die Saisonvorbereitung verschlafen. So standen drei Wochen vor Beginn der Saison 2014/15 nur etwa zehn Spieler auf dem Trainingsplatz und Chur 97 musste die Meisterschaft in der 2. Liga Interregional mit einer in jeder Hinsicht überforderten Mannschaft bestreiten. Zudem verpflichteten die Vereinsverantwortlichen mit Michael Kopf einen Trainer, der mit seinen eigenwilligen taktischen Vorstellungen der undankbaren Aufgabe nicht gewachsen war und schon nach wenigen Wochen in gegenseitigem Einvernehmen in die Wüste geschickt wurde.

Thomas Waser, der dann plötzlich als Wunschtrainer aus der zweiten Mannschaft ins Fanionteam befördert worden war, musste die heterogene Truppe in einem in jeder Hinsicht desolaten Zustand übernehmen. Der Abstieg in die 2. Liga regional war deshalb die logische Konsequenz.

Mit Thomas Waser kam der Aufschwung

Die Vorgabe der Vereinsführung für den Trainer und die neu gebildete, stark verjüngte Mannschaft war klar. Der direkte Wiederaufstieg in die 2. Liga Interregional musste her und alles andere wäre ein Versagen. Wahrlich keine leichte Aufgabe!

Thomas Waser und seine Jungs wurden den Vorgaben aber durchaus gerecht, starteten optimal in die Saison 2015/16 und realisierten den Aufstieg in mehr oder weniger souveräner Manier, obwohl sich der erklärte Favoit in der Rückrunde spürbar schwerer tat mit der oft destruktiven Spielweise der Gegnerschaft und zwischendurch Nerven zeigte.

Auch für die laufende Saison in der 2. Liga Interregional setzten die Vereinsverantwortlichen von Chur 97 dem noch nicht überaus erfahrenen Trainer Thomas Waser und seiner kaum verstärkten Truppe wieder ein recht hochgestecktes Ziel. Ein Platz unter den ersten Vier sollte es sein. 

Nach anfänglichen Schwierigkeiten vor allem im Defensivverhalten, die sich in vielen Gegentoren manifestierten, fassten die Churer immer besser Fuss, überzeugten durch ihren Einsatzwillen und ihre mannschaftliche Geschlossenheit und etablierten sich nach vier aufeinanderfolgenden Siegen verdientermassen in der vorderen Tabellenhälfte. Der absolute Höhepunkt war nach einem wahren Kraftakt der Heimsieg im Schweizer Cup gegen den FC Freienbach, der sich in einem turbulenten Spiel nach einer 2:0-Führung doch noch knapp geschlagen geben musste.

Wie geht es weiter?

Obwohl man den Vereinsverantwortlichen von Chur 97 keinesfalls Untätigkeit vorwerfen kann, hat man das Gefühl, es laufe nicht alles rund. Was die sportliche Entwicklung zweifellos gehemmt hat, war der schwelende Zwist zwischen Trainer Thomas Waser und Sportchef Rolf Montalta, der ja an der denkwürdigen GV vor rund zwei Jahren vom Vorstand gegen den Willen einer klaren Mehrheit der anwesenden Vereinsmitglieder eingesetzt bzw. durchgedrückt worden ist.

An die Öffentlichkeit durchgesickert ist kürzlich der Name von Michael Nushöhr, dem ehemaligen Trainer von Chur 97, der den Konflikt zwischen den beiden Kontrahenten hätte schlichten sollen. Die Wahl kommt etwas überraschend, hat sich doch besagter Fussballfachmann vor einiger Zeit nicht gerade positiv über die Churer Fussballszene geäussert.

Nach der Demission von Thomas Waser hat sich die für Michael Nushöhr vorgesehene Aufgabe wohl erledigt. Die Vereinsführung wird aber nicht darum herumkommen, sich auch über andere Chargen Gedanken zu machen, wenn wirklich der sportliche Erfolg von Chur 97 im Vordergrund stehen soll, zumal beim Stadtklub einer der im Bündner Fussball begehrtesten Trainerposten frei geworden ist. Lassen wird uns überraschen, welche Neuigkeiten uns das Christkind beschert. 

 

(Bild: GRHeute)