In der Rubrik «Musik jenseits der Berge» besprechen wir in unregelmässigen Abständen Bands, die keinen oder nur einen minimalen Bezug zu Graubünden haben. In der sechsten Ausgabe haben wir uns mit dem neuen Werk «MCMLXXX» der Zuger Hard-Rock-Combo Gracchus auseinander gesetzt.

Es ist ein stressiger Dezember, und doch finde ich nochmals Zeit ein «Musik jenseits der Berge», wenn auch das letzte für dieses Jahr, zu schreiben. Ich nehme mir die Zeit, denn die Geschichte zu dieser EP handelt von einer unkonventionellen und unerwarteten Freundschaft.

Es begann vor eineinhalb Jahren, als ich mit meiner damaligen Band Insomnia Rain in unserem Zuger Lieblingsclub Podium 41 einen Auftritt bekam. Wir wollten dieses Mal alles richtig machen und viele Leute anziehen. Also rief ich den Fratelli-B-Rapper Chandro Bisig an und fragte ihn, ob er eine Band kenne. Er selbst ist ja aus Zug und daher fand ich es passend, gleich an der Quelle nachzufragen. Er stellte den Kontakt zu einer Zuger Band her, deren Namen mir jetzt spontan nicht mehr einfällt. Diese wiederum hatten keine Zeit und leiteten mich zu «Stuck in Traffic» weiter. Fernando Schnellmann von den im Stau-Stehenden sagte mir, sie hätten an diesem Datum ebenfalls keine Zeit, er empfahl mir aber die neu gegründete Band Gracchus seines Bruders Bernhard.

So kam der Abend und ich wurde Fan der Band. Es waren nicht nur exzellente Musiker, sondern auch grossartige Menschen. Vor allem der grossgewachsene Bernhard zeigte Interesse an unserer und meiner Musik, und ich unterhielt mich unglaublich gerne mit ihm. Denn auch er hatte viel Herzblut für die Musik und eine ungebrochene Freude am Sound.

Da mir der Sound der Band sehr gefiel und ich mich an eine bessere Version von Metallica erinnert fühlte, buchte ich sie immer wieder. Es war jedes Mal wie Ferien mit ihnen aufzutreten, da sie einerseits wahnsinnig professionell waren und anderseits einfach solche Menschen, die man gerne in seiner Umgebung hat. Obwohl ich wusste, dass unsere Stile unterschiedlicher kaum sein könnten, spielte ich auch als Soloartist mit ihnen zusammen.

Dann im Mai letzten Jahres war mein Gitarrist Andi Biedermann in einer Ausbildung in den Vereinigten Staaten von Amerika und ich hatte einen Gig in Wil. Bernhard ersetzte ihn für einen Abend, als wäre es das Einfachste auf der Welt. Er schaute die Tracks nur kurz an vor dem Konzert und es hat ausserordentlich gut gerockt.

Dieser Freundschaftsdeal war für mich nicht selbstverständlich, denn oftmals im Haifischbecken namens Musikbusiness haben Freundschaften einen schweren Stand. Es wird immer viel abverlangt von der Gegenseite, jedoch kommt selten etwas zurück. Mit den Gracchus Jungs ist seit dem ersten Konzert alles total anders. Sie sind inzwischen richtig gute Freunde geworden und ich buche sie im Jahr so um die fünf Mal, einfach weil ich nicht jedes Mal nach Zug fahren möchte, um sie wieder zu sehen 😀

Ihre Dankbarkeit ist gross, nicht aus finanzieller Hinsicht, sondern aus aufrichtiger Ehrlichkeit. Dies ist wieder so ein Faktor, der rar geworden ist in der heutigen Zeit. In der Musikwelt kann so vieles Positives entstehen, wenn man zusammen arbeitet. Sie haben dies verstanden.

Bernhard und ich tauschen uns regelmässig aus und es entstand innert kürzester Zeit eine tolle Freundschaft, da wir beide gerne unseren Horizont erweitern und nicht egoistisch nur auf uns schauen. Beim ihm weiss man woran man ist. Ein offenes Ohr für andere zu haben und sich gegenseitig zu unterstützen ist für mich zu einem Leitfaden geworden. Denn Missgunst und Futterneid gibt es auf dieser Welt schon genug.

Freundschaften kennen keine Entfernung und Musik verbindet Menschen. Musikalische Freundschaften heilen dann Wunden und pushen zu noch besserer Musik und lassen einen als Mensch wachsen.
Das war für mich in diesem Jahr eine wichtige Erkenntnis, die ich dank Bernhard und seinen Gracchus, sowie auch durch andere musikalische Freunde kennenlernen durfte.

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Nun hat die Band endlich eine EP releast, die ich euch wärmstens ans Herz legen möchte.

«Not your enemy» beginnt düster und knallt dann ziemlich geil rein. Das Anfangsriff lädt zum Headbangen ein und ist purer Heavy Metal. Hier stimmt schon vieles. Exzellentes Zusammenspiel, eine Hook mit hoher Mitsinggarantie und ein Gitarrensolo, das meine Kinnlade nach unten knallen lässt. Grosser Opener.

«Follow me» schlägt in die gleiche Kerbe. Mir fällt auf, wie viele unglaublich lauwarme Musik ich im letzten Jahr gehört habe, wenn das Brett reinknallt. Yeah, da folge ich gerne, weil der ganz stark groovt und der Basslauf in der zweiten Strophe ganz schön in die Beine fährt.

«My ashes» ist der dritte neue Songs der Jungs und beginnt fast ein wenig punkrockig, um sich dann in einen Heavy Metal Epos zu verwandeln. Die Spannung, die sich in der Strophe auflädt, switcht im Zwischenteil gekonnt in ein Gitarrenmassaker über. Hell yeah! Nur um dann nochmals von vorne zu beginnen und komplett runter zu fahren. Sehr dynamisch und lebendig. Die Schlusssequenz ist geführt von den ausserordentlichen Spielfreuden des Drummers Allan, eine wahre Freude für’s Schlagzeugerherz. Ein komplexer Song, der facettenreich und enthusiastisch durch meine Boxen dröhnt. Geiler Scheiss!

Der Abschlusssong «New Born» ist ein schon etwas bekannter Track der kompromislosen Formation mit viel Druck nach vorne. Er fügt sich perfekt in die etwas zu kurze EP und lädt ein letztes Mal zum grossen Mitsingen ein.

Zu dem gibt’s auch ein Video:

Schlussfazit:
Die EP «MCMLXXX» der Zuger Band Gracchus ist nichts für Hausfrauen, die ein bisschen Rock  mit vielen halbgaren Balladen suchen. Denn Gracchus gehen kompromisslos und mit viel Druck ans Werk. Da hört man ein bisschen Metallica-Referenzen, dort ein wenig Trash und Punk. Doch stehen die Jungs mit ihrem eigenständigen Sound ein für die Kraft vom echten, klassischen Heavy Metal und schwenken dessen Fahne ohne Rücksicht auf Verluste. Wer mal wieder nach richtig gutem Hard Rock und Heavy Metal made in Switzerland sucht, wird hier fündig. Hier werden keine falschen Hoffnungen geweckt, sondern leidenschaftlich, virtuos und mit voller Fahrt voraus drauf gehauen. Sehr gelungen, wenn auch ein wenig kurz geraten.

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Mehr Infos zur Band und auch der Ort, an dem die EP für läppische fünf Franken heruntergeladen werden kann, ist ihre Homepage: http://www.gracchus.net/

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