Am Montagabend fand auf der ausverkauften Schützenwiese, dem altehrwürdigen Stadion, das Zürcher Challenge-League-Derby zwischen dem in einer bösen Baisse steckenden FC Winterthur und dem souveränen Tabellenführer FC Zürich statt. Das Spiel beinhaltete alles, was Fussball anziehend, gleichzeitig aber auch abschreckend macht. GRHeute nahm einen Augenschein vor Ort.

9400 Zuschauer trotzten der Kälte, dem Nebel und schliesslich auch noch den undurchdringlichen Rauchschwaden, doch davon später. Der Eintritt ins Stadion, in dem knapp eine Viertelstunde vor Spielbeginn schon eine aufgeheizte, aber friedliche Stimmung herrschte, war kein Problem, denn einzig die Handtaschen der weiblichen Fans wurden von den grimmigen, streng dreinschauenden Sicherheitsleuten eingehender kontrolliert.

Attraktive Partie trotz schwierigen äusseren Bedingungen

Das Spiel musste auf schwer bespielbarem Terrain und bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt ausgetragen werden. Trotzdem verlief es über weite Strecken sehr abwechslungsreich, wobei die Zuschauer in den Genuss vieler Torszenen kamen, wenn diese durch den dichten Nebel überhaupt erkennbar waren.

Mit dem Anpfiff des insgesamt unauffälligen Fifa-Schiedsrichters Nikolaj Hänni bekam man bereits einen Vorgeschmack darauf, was in der zweiten Spielhälfte nach dem Führungstor des FC Zürich beinahe zum Spielabbruch geführt hätte. Einige verantwortungslose FCZ-Fans, unverbesserliche Chaoten, zündeten Pyros, liessen Knall- und Rauchpetarden laufen und schossen Raketen in den Nachthimmel, was die Mehrheit des Publikums mit einem schrillen Pfeifkonzert quittierte.

Eigentlich hätte das Resultat nach den ersten 45 Minuten nicht 0:0, sondern beim Verwerten aller hochkarätigen Torchancen eigentlich 3:3 lauten sollen. Nach der Pause sollte sich das, aber leider nicht nur das, ändern.

Der Sport tritt in der Hintergrund

Die zweite Halbzeit mussten die Einheimischen in Unterzahl bestreiten, nachdem Guillaume Katz in der 40. Minute nach zwei berechtigen Verwarnungen innert 60 Sekunden des Feldes verwiesen worden war.

Die Stadtzürcher nahmen nun das Spieldiktat eindeutig in die Hand und es war nur eine Frage der Zeit, bis der Führungstreffer fiel. In der 65. Minute war es dann soweit, denn Adrian Winter erzielte mit einem Schuss aus etwa 22 Metern das verdiente 1:0 für die Gäste. Dies hatte zur Folge, dass einige Zürcher Fans völlig ausflippten und erneut Pyros zündeten sowie Knall- und Rauchpetarden laufen liessen. Auch einige Winterthurer liessen sich jetzt zu solchem Blödsinn hinreissen. Nach kurzer Zeit überzog dann eine dichte Rauchwolke das Spielfeld und vermischte sich mit dem etwas lichter gewordenen Nebel. Da nun nicht nur die Zuschauer, sondern auch der Schiedsrichter überhaupt nichts mehr sahen, unterbrach dieser die Partie für einige Minuten, liess etwas später aber weiterspielen.

Nachdem die Platzherren, die auch zu zehnt nie aufgaben, eine riesige Chance zum 1:1-Ausgleich verpasst hatten, sorgte Roberto Rodriguez in der Nachspielzeit, das heisst in der 98. Minute mit dem 2:0 für die endgültige Entscheidung zugunsten des FC Zürich, der weiterhin ungeschlagen ist.

So endete ein Fussballfest mit einem schlechten Beigeschmack, weil einige wenige Chaoten nicht nur jeglichen Anstand hatten vermissen lassen, sondern unzählige friedliche und feiernde Fans mit ihrem fehlenden Verantwortungsbewusstsein und ihrer Dummheit in Gefahr gebracht hatten. Aber wo waren wohl die so grimmig dreinschauenden Sicherheitsleute?

 

(Bilder: GRHeute)