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Im Tourismusforum von GRHeute äussert sich Wasserbotschafter Ernst Bromeis heute in einem Video-Beitrag zur Misere im Bündner Wintertourismus (siehe oben). Der Kommentar dazu kommt von Reto Branschi, CEO der Destination Davos-Klosters.

 

Kommentar

Im Kern hast Du recht, lieber Ernst: Wir müssen unsere Geschäftsmodelle im Tourismus hinterfragen und uns Gedanken über neue Ansätze machen. Wetter und Klima bilden dabei zweifellos ein Fragezeichen am Horizont, aber die Fragestellungen gehen noch weiter. 

Aktuell schmerzt uns die tief greifende Veränderung des Konsum- und Freizeitverhaltens unserer Gäste, die in den letzten zehn Jahren begonnen hat und noch lange nicht abgeschlossen ist. Weltweite Konjunkturfragen und damit verbunden die Wechselkursproblematik bilden ein drittes Fragezeichen und sicherheitspolitisch stehen die Zeichen zum Ende dieses Jahres auf Instabilität. Das alles sind Zeichen dafür, dass sich einiges verändert. Zuguterletzt kommt die Frage wie wir es schaffen sollen, in der weltweiten Kommunikations- und Werbeflut überhaupt noch gesehen und erkannt zu werden.

Begegnen können wir dieser Unsicherheit nur mit der Bereitschaft und der Fähigkeit zur Innovation. Die Frage, ob wir unsere Hotels, Restaurants, Ferienwohnungen oder Bergbahnen dereinst für Biker, Skifahrer, Wanderer, Feinschmecker oder Kulturfreunde betreiben, wird in den kommenden Jahren wohl immer weniger klar zu beantworten sein. Neben langfristigen Faktoren wie Investitionssicherheit oder Klimawandel wird uns die Frage beschäftigen, wie wir uns, unsere Infrastruktur und unsere Angebote alle paar Jahre auf ganz neue Gästegruppen einstellen können. Nur so werden wir in diesem Kanton auch in 30 oder 50 Jahren noch die Arbeitsplätze bieten können, die es braucht, um die Berggebiete bevölkert und am Leben zu erhalten. 

Um so innovativ zu werden, wie der Markt es von uns verlangt, müssen wir laufend neue Ideen aufnehmen, genau prüfen und dann weiterverfolgen oder verwerfen. Als Geschenk unter dem Weihnachtsbaum erhoffte ich mir für Graubünden in diesem Jahr deshalb ein grosses Paket an neuer Gesprächskultur, Offenheit für andere Ideen und der Souveränität die es braucht, auch Dinge zu diskutieren und zu prüfen, die man – aus welchem Grund auch immer – auf den ersten Blick für wenig sinnvoll hält.

Mein Wunsch ging in diesem Jahr noch nicht in Erfüllung, wie die gehässige und noch immer viel zu ideologische Olympiadiskussion zeigt. Für Ostern wünsche ich mir deshalb, dass die Bündner Olympiagegner nach einem deutlichen JA am 12. Februar ihre Schützengräben verlassen, die professionelle Erarbeitung einer Kandidatur nicht behindern, sondern unterstützen und danach das mündige Volk darüber entscheiden lassen, ob es die Spiele 2026 will, oder nicht

Olympische Spiele sind wie Schneekanonen, Biketrails oder Konzertwochen: ein Allerheilmittel sind sie nicht, aber eine der vielen Optionen, die wir vertieft prüfen sollten.

Reto Branschi
CEO Destination Davos-Klosters

 

Die Tourismus-total-Expertenrunde von GRHeute berichtet und kommentiert einmal wöchentlich über aktuelle Tourismusthemen für Graubünden. Unverblümt und direkt von der Front.