Was haben die Verantwortlichen für Community Based Tourism in Kirgistan, die Leiterinnen und Leiter von Eco-Lodges in Afrikas grösstem Schutzgebiet KAZA in Angola, Botswana, Namibia, Sambia und Simbabwe gemeinsam mit der CSR- Beauftragten eines Schweizer Reiseveranstalters, dem Koordinator des alpinen Netzwerks der Bergsteigerdörfer oder auch einer Tourismusexpertin der Entwicklungszusammenarbeit, die touristische Projekte in Marokko umsetzt?

Ein Beitrag im Rahmen der HTW-Blog-Reihe. Text: Prof. Dr. Christian Baumgartner

Die Gemeinsamkeit liegt im Denken und im Engagement für eine nachhaltige Welt! Alle diese Menschen und Projekte verfolgen die Zielsetzungen eines nachhaltigen Tourismus, sie wollen lokale Kulturen stärken, die Umwelt schützen und die Gewinne aus dem Tourismus im lokalen Wirtschaftskreislauf belassen und der Bevölkerung in der Region zugutekommen lassen.

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Nkasa Nupala Eco-Lodge im KAZA Schutzgebiet. © futouris

 

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E-Exkursion im KAZA Schutzgebiet. © futouris

Und es gibt eine weitere Gemeinsamkeit: Alle diese Berufspositionen könnten auch von zukünftigen Absolventinnen und Absolventen des neuen Majors «Sustainable Tourism and International Development» im Rahmen des Tourismusstudiums der HTW Chur eingenommen werden. Marktabklärungen haben gezeigt, dass viele Tourismusstudierende der HTW Chur nicht nur themenaffin sind, sondern dass sich die im Studium erworbene allgemeine Tourismus-, Sprach- und Wirtschaftskompetenz hervorragend als Basis für eine Spezialisierung und spätere Berufstätigkeit in diesem Bereich eignet.

Licht und Schatten der Tourismusentwicklung

Der Tourismus, eine willkommene weltweite Wachstumslokomotive, bringt auch Probleme mit sich. Wissenschaftliche Prognosen sagen, dass sich bis etwa 2035 die Mengen an CO2- Emissionen, der Landverbrauch, der Energieeinsatz, der Lebensmittel- und Landverbrauch im Vergleich zu 2010 jeweils verdoppeln werden. Gerade die neuen Quellmärkte wie China, Russland und Indien tragen zu einem Wachstum bei, das schwer mit ökologischen Zielen in Einklang zu bringen ist.

Das Wachstum ist es auch, das zu neuen Ungerechtigkeiten und Menschenrechtsverletzungen führen kann, etwa durch Landgrabbing von Indigenen zur Errichtung neuer Hotelanlagen oder durch unzumutbare Arbeitsbedingungen im Tourismus.

Demgegenüber steht das Modell des Nachhaltigen Tourismus, das in allen Ländern und auf allen Kontinenten an Bedeutung gewinnt. Gute Beispiele, wie Tourismus positiv zur Entwicklung der Destination beitragen kann, finden sich weltweit. Die Bergsteigerdörfer etwa promoten in den Alpen umweltschonende Urlaubsaktivitäten und tragen zur Bewahrung traditioneller Architektur bei. Ähnliches machen zahlreiche Community Based Tourismus Projekte, etwa in Kirgistan, wo die Kooperation mit Handwerksinitiativen neues Einkommen schafft und Interesse bei Jugendlichen generiert, in ihrer Region zu bleiben. Die Entwicklung von Zertifizierungen für Eco-Lodges in der Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area schafft Qualität, die im internationalen Tourismus nachgefragt wird.

Dieser neue Markt wird zunehmend auch von Tour-Operators entdeckt, zum Beispiel Kuoni. Der Veranstalter hat zur Gründung eines Roundtables Menschenrechte im Tourismus beigetragen, in dem sich Reiseveranstalter und NGOs austauschen, und wurde mit der CSR- Zertifizierung TourCert ausgezeichnet.

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IY2017 Logo

2017, International Year of Sustainable Tourism for Development

Die zunehmende Bedeutung der Nachhaltigkeit im Tourismus wurde auch von den Vereinten Nationen erkannt und daher das Jahr 2017 zum International Year of Sustainable Tourism for Development (IY2017) ausgerufen, das durch die Welttourismusorganisation UNWTO umgesetzt wird. Die HTW Chur ist die bislang einzige Bildungseinrichtung weltweit, die den offiziellen Status des «Partners of IY2017» erlangt hat und aktive Beiträge zum Thema leistet. Gleichzeitig startet die HTW Chur die neue Tourismus-Spezialisierung «Sustainable Tourism and International Development».

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E-Mobilität in den Alpine Pearls. © Werfenweng Tourismus

Neuer Major «Sustainable Tourism and International Development»

Der auf Englisch geführte Major wird im Herbstsemester 2017/18 starten und den Studierenden eine fundierte Basis im Bereich Nachhaltigkeit und Entwicklung bieten. Der Major ist in vier logisch aufeinander abgestimmte Module unterteilt und behandelt Themenbereiche wie beispielsweise Globalisierung und nachhaltige Entwicklung im Tourismus, Corporate Social Responsibility (CSR), Grundlagen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit, Ziele der nachhaltigen Entwicklung in Verbindung mit den Sustainable Development Goals oder auch Marketing nachhaltiger Tourismusangebote. Durch das im Major erlangte Fachwissen können Absolventinnen und Absolventen eine spannende, zukunftsorientierte Fach- oder Führungsposition im Nachhaltigkeitsbereich bei einem Schweizer Tourismusunternehmen oder im internationalen Tourismus einnehmen, sich als Social Entrepreneur mit eigenen Ideen kreativ selbst eine Zukunft im Bereich Nachhaltiger Tourismus und Internationale Entwicklung schaffen oder einen konsekutiven Master im Bereich Entwicklungszusammenarbeit oder Nachhaltigkeitsmanagement in Wirtschaft und Tourismus anstreben.

Weitere Informationen zum Bachelorstudium Tourismus.

AUTOR

Prof. Dr. Christian Baumgartner lehrt «Academic Writing: Sustainable Tourism» an der HTW Chur und hat Lehraufträge an weiteren Hochschulen im In- und Ausland. Er wird die Leitung des neuen Majors übernehmen. Christian Baumgartner ist Eigentümer von response & ability gmbh und hat selbst viel praktische Erfahrung im Bereich Management von NGOs, des Nachhaltigen Tourismus und der Internationalen Entwicklung.

Dies ist ein Blog-Beitrag der HTW Chur .

 

(Bild/Quelle: HTW Chur / sponsored content)