Graubünden leidet unter Problemen wie Abwanderung oder mangelhafter wirtschaftlicher Entwicklung. Das Wirtschaftsforum Graubünden erläutert einen Ansatz, wie diese Probleme im den Bereichen Industrie und ICT angegangen werden können.

Mehr als ein Fünftel der Güter und Dienstleistungen, die aus dem Kanton Graubünden ins Ausland oder in andere Kantone exportiert werden, stammt aus den Industrie- und ICT-Betrieben (Information and Communication Technologies) sowie den Forschungsinstitutionen in Graubünden. Rund 6‘000 Beschäftigte erbringen diese Leistungen. Etwa 5‘500 dieser Beschäftigten arbeiten in den circa 60 Betrieben mit mehr als 20 Mitarbeitenden, der Rest in Kleinbetrieben.

Das Spektrum der hergestellten Produkte ist breit. Es reicht von der Synthese von Kunststoffen mit ganz speziellen Eigenschaften über die Produktion des dreilagigen „Papiers“ für die neuen Schweizer Banknoten bis zur Herstellung von menschenähnlichen künstlichen Knochen als realitätsnaher Übungsgegenstand für Chirurgen. Und von der Produktion von Beatmungsgeräten für Einsätze in Extremsituationen über die Entwicklung und Produktion von ausgeklügelten Sensorsystemen für Türsteuerungen oder Wasserhähne bis zum Bau von Maschinen, welche mittels Laserstrahlen auch aus dicken Metallplatten hochpräzise Formen schneiden. Die Aktivitätspalette der Forschungsinstitutionen in Davos reicht vom Bau von Messinstrumenten zur Analyse der Sonnenstrahlung im Weltraum über die Erklärung verschiedenster Nahrungsmittelallergien der Menschen bis zur Computer-Simulation von Lawinen.

Ingenieure für die Bündner Wirtschaft

Was ist notwendig für eine erfolgreiche Zukunft von Industrie, ICT und Forschung made in Graubünden? Wichtig sind selbstverständlich möglichst günstige Rahmenbedingungen auf nationaler und kantonaler Ebene (z.B. Niveau der Besteuerung, Verfügbarkeit von Betriebsflächen). Letztlich entscheidend ist aber die Existenz von innovativen Unternehmen und Forschungsgruppen. Solche Unternehmen brauchen Ingenieure, die in raschem Rhythmus neue Produkte und Dienstleistungen auf den Markt bringen können.

Die Rekrutierung einer ausreichenden Zahl von Ingenieuren und ICT-Spezialisten mit Fachhochschulabschluss ist der zentrale Engpass der Industrie- und ICT-Betriebe in Graubünden.

  • Die Rekrutierung von Ingenieuren aus dem Unterland ist schwierig. Dies gilt selbst für Personen, die in Graubünden aufgewachsen sind. Wandern sie für ihr Studium aus der Region weg, so bauen sie am Studienort meist neue private Beziehungen auf und finden ihre erste (Praktikums)Stelle. Diese Ingenieure kehren selten nach Graubünden zurück.
  • An der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur (HTW) werden bisher kaum technisch orientierte Studiengänge angeboten, welche Studierende auf Berufe in Industrie- und ICT-Betrieben vorbereiten.

Da zu wenige Ingenieure und ICT-Spezialisten aus der übrigen Schweiz für einen Arbeitsplatz in Graubünden gewonnen werden können, müssen in Zukunft an der HTW in Graubünden jedes Jahr 150 bis 200 Ingenieure und ICT-Spezialisten ausgebildet werden, um den Bedarf der Bündner Industrie- und ICT-Betriebe zu decken. Hierfür ist es notwendig,

  • die HTW aus der Fachhochschule Ostschweiz herauszulösen und zu verselbständigen, damit sie die gewünschten Studiengänge in den Bereichen Technik und ICT anbieten kann.
  • das geplante neue Hochschulzentrum Graubünden rasch und an einem geeigneten Standort mit den für Ingenieurstudien erforderlichen Angeboten sowie Infrastrukturen zu realisieren.
  • den Studienort Graubünden so attraktiv zu positionieren, dass eine grössere Zahl von Studierenden aus anderen Kantonen für ein Studium in Graubünden gewonnen werden kann. Hierfür genügt es nicht, attraktive Studienangebote zu schaffen. Als zusätzlicher Anreiz sollen attraktive, preisgünstige Wohnangebote auf einem Hochschul-Campus erstellt werden, der auch ein vielfältiges studentisches Sozialleben verspricht. Ausserdem gilt es, die attraktiven Outdoor-Sport-Angebote in Graubünden durch günstige Konditionen für Studierende zu einem weiteren Anziehungsfaktor zu machen.

Bessere Nutzung der Instrumente zur Innovationsförderung

In Graubünden stehen den Industrie- und ICT-Betrieben verschiedene Instrumente zur Stärkung ihrer Innovationsfähigkeit zur Verfügung. Das Spektrum reicht von Kooperationsmöglichkeiten mit Hochschulen bei technisch orientierten Entwicklungsprojekten bis zu finanziellen Unterstützungsleistungen für innovative Projekte. Diese Angebote sind vor allem kleineren Betrieben oft kaum bekannt. Um diese Angebote visibler zu machen, sollen das Amt für Wirtschaft und Tourismus des Kantons und das KMU-Zentrum der HTW in Zukunft noch aktiver als Informations- und Kontaktdrehscheibe wirken, die jedem interessierten Betrieb praxisnahe Tipps zur Nutzung der Instrumente im Bereich der Innovationsförderung geben kann.

Potenziale der Forschungsinstitutionen in Davos ausschöpfen

In Davos sind mehrere international renommierte Forschungsinstitutionen im naturwissenschaftlichen und medizinischen Bereich tätig. Es sind exakt auf die Bedürfnisse und Chancen dieser Forschungsinstitutionen ausgerichtete Impulse erforderlich, damit diese ihre Entwicklungspotenziale in Zukunft optimal ausschöpfen können. Die Gemeinde Davos soll für günstige lokale Standortvoraussetzungen besorgt sein. Der Kanton Graubünden soll Projekte für die Umsetzung der Forschungsergebnisse in marktfähige Produkte und Dienstleistungen unterstützen.

 

(Bild: GRHeute)