Portrait_Martin CandinasZu beneiden sind die Olympiapromotoren nicht. Sie versuchen der Bevölkerung aufzuzeigen, dass am 12. Februar nicht über ein Milliarden-Olympiabudget abgestimmt wird. Das Bündner Volk wird tatsächlich nur gefragt, ob der Kanton 9 Millionen Franken an die Kandidaturkosten von insgesamt 25 Millionen Franken beisteuern soll oder nicht. Ginge es nicht um Olympia, sondern um eine Schulanlage, eine Melioration oder sonst etwas «Alltägliches», würde eine mit fast zwei Dritteln subventionierte Vorlage einfach durchgewinkt. Aber Olympia wird nicht nach rationalen Kriterien beurteilt. Hier werden Ängste geschürt, aber keine Alternativen aufgezeigt, die den Kanton vorwärts bringen würden. Einmal mehr soll einfach «Nein» gesagt werden. Dabei braucht unser Tourismuskanton dringend innovative Ideen und Projekte. Die Gegner kämpfen mit den gleichen Argumenten wie vor vier Jahren, obwohl die beiden Konzepte bezüglich Nachhaltigkeit und Regionalität nicht mehr zu vergleichen sind. Vielfach wird vergessen, dass die olympischen Spiele so oder so irgendwo stattfinden werden. 

Sollte die Westschweiz den Zuschlag erhalten, werden Innovationen und Investitionen bei unseren touristischen Mitbewerbern getätigt. Der Nutzen für Graubünden wäre marginal. Uns würden die Mittel vollkommen fehlen, mit der touristischen Entwicklung der Westschweiz Schritt zu halten. Statt uns aktiv am Spiel zu beteiligen, würden wir uns freiwillig mit einem Platz auf der Zuschauertribüne zufrieden geben. Unser Tourismuskanton Graubünden muss unbedingt in allen Bereichen des Tourismus präsent, innovativ, spürbar und aktiv sein.

Die Gesamtregierung und der Grosse Rat haben zurecht entschieden, für die olympischen Spiele zu kandidieren und dem Bündner Tourismus neue Perspektiven zu geben und damit in unsere Zukunft zu investieren. Für Graubünden wäre es an der Zeit, endlich wieder mit Pioniergeist, Mut und Innovationskraft ein Generationenprojekt zu lancieren und zu verfolgen. Wenn wir am 12. Februar Nein sagen, geben wir Swiss Olympic nicht einmal die Gelegenheit, sich mit unserer Kandidatur auseinander zu setzen und sie zu beurteilen. Wir würden eine mögliche Chance verbauen, bevor wir die Details kennen. Meines Erachtens müssen wir mit Optimismus in die Zukunft schauen und eine Kandidatur ausarbeiten und im Herbst 2018 dann über das definitive Projekt entscheiden.

 

Kommentare

«Zu pessimistisch»

Die olympischen Spiele im eigenen Kanton miterleben zu dürfen und mit Enthusiasmus mitzufiebern, wenn Carlo die Piste runterbrettert, Dario einmal mehr Durchhaltewillen bis zum Ende zeigt und Elisa ihre Nervenstärke beweist: Es wäre sicherlich eine riesige Freude! Ein Jahrhundert altes Projekt jedoch als die einzige nützliche Innovation zu verkaufen, scheint mir jedoch etwas zu sehr von Pessimismus geprägt. Der Kanton Graubünden hätte auch ohne olympische Spiele vieles zu bieten! Was ist der Plan B, falls bereits die Kandidatur in der Schweiz scheitert? Investiert man dann auch 9 Millionen für die Suche nach wirklich neuen Ideen?

Salome Mathys, Grünliberale Graubünden

 

«Hoffentlich bald wieder zu einem anderen Thema»

Philipp Wilhelm, Präsident SP Graubünden

 

Politforum auf GRHeute
Das Politforum auf GRHeute besteht aus 12 PolitikerInnen aus Graubünden. Jeden Donnerstag nimmt eine/r zu einem aktuellen Thema Stellung, die anderen Mitglieder des Politforums können diesen Beitrag ihrerseits kommentieren.

 

(Bild: GRHeute)