Die Aktualität in Form der Ski-WM in St. Moritz und eines Kommentars zur bevorstehenden Abstimmung über eine Kandidatur Graubündens für die Olympischen Winterspiele 2026 hat mich dazu bewogen, den Begriff „Respekt“ etwas genauer unter die Lupe zu nehmen und mir einige Gedanken darüber zu machen.

Respekt ist kein Fremdwort, obwohl es vom lateinischen „respectus“ stammt. Es bezeichnet eine Form der Rücksicht, Wertschätzung und Ehrerbietung gegenüber einem anderen Lebewesen oder einer Institution. Diese Werte stehen im Gegensatz zu Respektlosigkeit und Verachtung.

In den ersten beiden Rennen an der Ski-WM in St. Moritz hätten die Schweizer Skirennfahrerinnen und -rennfahrer enttäuscht, heisst es in den Medienberichten, obwohl die Skination Schweiz schon eine Bronzemedaille gewonnen hat. Nur, wer hat denn im Vorfeld dieses Anlasses die Erwartungen  so hoch geschraubt und Gut, Feuz, Janka und Co zu Favoriten gestempelt, obwohl die bisherige Saisonbilanz vor allem bei den Männern eher durchzogen war? Der Skiverband und die Medien! Dies zeugt von Selbstüberschätzung und mangelndem Respekt gegenüber den Sportlerinnen und Sportlern anderer Nationen, die schliesslich auch Skifahren und Topleistungen erbringen können. Man hatte in den zwei Super-Gs zudem das Gefühl, dass die Schweizer Athletinnen und Athleten durch den immensen Druck, den die unrealistischen Erwartungen und die Wunschträume erzeugt haben, an der Entfaltung ihres Könnens gehindert worden sind und völlig ihre Lockerheit verloren haben. Und wenn man dann auch noch mitansehen muss, wie viele einheimische Trainer, die ihre Kompetenz und ihr Fachwissen früher einmal in den Dienst von Swiss-Ski gestellt haben, heute im Ausland tätig sind und dort grosse Erfolge feiern können, kommen einem nicht nur fast die Tränen, sondern man fragt sich dann eben auch, ob man beim Skiverband nicht vielleicht die falschen, das heisst die konsequenten und erfolgsorientierten, dadurch aber unangenehmen Leute in die Wüste geschickt hat!

Ebenfalls mangelnder Respekt gegenüber Andersdenkenden ist in der Aussage erkennbar, dass die Olympiaträume Graubündens unter anderem ein Projekt gegen Verhinderer und Nörgler seien. Diese Äusserung ist diskriminierend und beleidigend und zeigt deutlich, dass in unserer gestörten Verhaltenskultur nur schon Kritik oder berechtigte Zweifel suspekt und deshalb unerwünscht sind. Auch hat sie mit Demokratie und freier Meinungsäusserung rein gar nichts zu tun, im Gegenteil!