Er war jahrelang die Stimme der Mundart-Kultband Plüsch. Nun ist er seit geraumer Zeit alleine unterwegs. Zum Release des neuen Albums ist es also allerhöchste Zeit mit dem langlebigen Künstler zu sprechen, denn wer sich seit mehr als 15 Jahren in der Schweizer Musikszene halten kann, hat sicher einige interessante Geschichten aus dem Haifischbecken zu erzählen.

Wie nervös bist du auf die Reaktionen zum neuen Album?

Sehr. Ich habe viel Herzblut und Zeit investiert. Natürlich hoffe ich, dass die Leute die Musik mögen. Aber mir gefällts und dass ist doch schon mal was.

Was erwartet deine Hörer auf dem neuen Werk?

Energie, ehrliche Texte, authentische Geschichten und sehr viel Groove.

Ist nach 15 Jahren und diversen Veröffentlichung noch ein Druck von aussen da bei einem neuen Album?

Den Druck mache ich mir selber. Ich bin Familienvater und erwirtschafte mein Einkommen aus der Musik. Natürlich hat man da vor allem den finanziellen Druck. Beweisen muss ich hingegen niemandem was. Das macht’s schon einfacher im Studio und beim kreativ Sein. So muss ich nur auf mein Gefühl hören, das war in den letzten 15 Jahren immer mein bester Freund.

Hast du jemals mit dem Gedanken gespielt, wieder Schreiner zu werden? Oder gab es immer nur den Plan Musik?

Es gibt nichts, was ich so gut kann, wie auf der Bühne zu stehen. Deshalb ist es nichts, dass ich jemals wieder freiwillig her gebe. Dennoch gibt es Momente in denen es toll wäre, einfach einen 9 to 5-Job zu haben und jeden Monat seinen Lohn zu bekommen. Schreinern kann ich aber auch in meiner Werkstatt und Radio hab ich ja schon gemacht…

Wie kam es eigentlich zur Trennung von Plüsch? Ihr wart doch recht erfolgreich…

In meiner neuen Single «Tränemeer» geht es um ein Paar, das sich trennt, weil nicht beide den gleichen Plan vom Leben haben. Dies kann wie im Song sehr unschön passieren oder man beendet eine Beziehung noch bevor alles eskaliert. So wie wir es mit Plüsch gemacht haben.

Vermisst du die Zeit mit ihnen hin und wieder?

Klar. Es war eine unglaubliche Zeit und ab und zu denk ich schon mit Wehmut daran zurück. Uns verbindet aber eine tolle Freundschaft und wir sehen uns ab und zu.

Wie war das damals, als es so richtig los ging mit Plüsch? Realisiert man das erst mit ein wenig zeitlichem Abstand?

Was da genau passiert war, ist mir erst in den letzten Jahren klar geworden. Es ist eine aussergewöhnliche Geschichte, die so nie hätte geplant werden können. Schon krass, was da abging.

Wie ist es als Vater von zwei kleinen Kinder Musik zu machen? Du bist ja sicherlich oft unterwegs.

Ich sehe meine Kinder jeden Tag. Die Deutschsprachige Schweiz ist klein. Man kann immer nach Hause fahren.

Wie finden die Kids die Musik von Papa Ritschi?

Eines der schönsten Ereignisse in der letzten Zeit war, als mein Kleiner (vier Jahre alt) angefangen hat, meine neuen Songs beim Spielen zu singen. Das ist schon ein tolles Gefühl.

Auf deinen Alben behandelst du oft Beziehungsprobleme und Trennungsgeschichten. Selbst bist du aber schon Jahre glücklich verheiratet. Sind das Geschichten von Kollegen? Oder woher kommt die Inspiration?

Das kommt schon auch vor. Ich beobachte viel und versetze mich in Situationen rein, in denen ich mich vielleicht nicht befinde. Aber jeder Song hat im Kern ein Gefühl, welches ich von mir kenne. Man kann ja nicht nur Frauen verlieren. Auch Freundschaften oder Weggefährten können enden und schmerzen bereiten.

Wie sieht deine Frau deine Musik?

Das neue Album gefällt ihr sehr. Sie ist vor allem der Musik-Typ und hört weniger auf die Texte. Das neue Album bedient auch musikalisch die Sinne. Soll heissen, es kann auch Leute mitreissen, die nicht viel mit Mundart am Hut haben.

Du hast früher ziemlich gut gebeatboxt unter anderem auch auf einem Album von Bligg. Gibst du heute noch hin und wieder eine Session durch?

Klar, wann immer sich Gelegenheit bietet.

Was ist so die beste Geschichte, die du in deiner bisherigen Karriere erlebt hast?

Da gibt es so viele, eine raus zu picken ist zu schwierig. Die peinlichste ist hingegen einfach. Ich habe mal die Sängerin von Silbermond gefragt, wann eigentlich ihr Hit Die perfekte Welle heraus gekommen sei. Leider ist der Song von JULI und nicht von SILBERMOND und ich hab mich bei ihr gerade disqualifiziert.

Du bist oft in Sendungen vom SRF zu Gast. Wie kam es dazu?

Ich glaube, die mögen mich da einfach 🙂
Nein, ich denke, dass ich als einer der seit 15 Jahren im Musikzirkus unterwegs bin, halt viel zu erzählen habe und quasi alle kenne… Das hilft sicher.

Deine Musicalkarriere hat in den letzten Jahren ebenfalls recht Fahrt aufgenommen. Was fasziniert dich an Musicals?

Da bin ich halt so reingerutscht. Beim Musical kommt dann halt viel zusammen, was ich mag. Musik, Schauspiel und Tanz.

Kannst du dir auch vorstellen als Schauspieler Fuss zu fassen?

Vorstellen kann ich mir einiges. Reizen würde es mich auch. Aber die Chancen stehen nicht gerade hoch, dass das mal passieren wird.

Du hast einige Songs gecovert. Was ist dein Lieblingstrack aus fremder Feder?

Stand by me sang ich schon zu Schulzeiten. Den mag ich immer noch. Auch wenn es leider in der Vergangenheit sehr viele schlechte Coverversionen des Titels gab. Das Original ist der Hammer.

Ausserdem hast du schon mit diversen anderen Künstlern zusammen gearbeitet. Was waren da deine Highlights?

Mein absolutes Highlight war die Zusammenarbeit mit Jaël für mein neues Album. Wir haben ein Duett zusammen gemacht, in dem Jaël zum ersten Mal Mundart singt… Magic!

Die Mundartszene Bern ist bekannt für grosse Namen. Hast du da regelmässigen Kontakt mit Gölä, Kuno, Büne, Polo und Co.?

Regelmässig nicht. Man kennt, schätzt und respektiert sich. Die Einen mag man mehr, die Andern weniger.

Wer hat dich von deinen Vorgängern am Meisten inspiriert?

Ich bin einer der Wenigen, die so wohl Züri West als auch Patent Ochsner toll fanden und immer noch finden. Ich mag den Style, in denen Kuno und Büne schreiben. Beide haben einen komplett anderen Style. Das hat mich inspiriert ebenfalls meinen Style zu finden. Ich glaube, das ist mir auch gelungen.

Welche Musik hörst du privat?

Ich höre sehr gerne Schweizer Musik, da ich oft die Geschichte dahinter kenne. Aber auch die Popbands aus Deutschland find ich gerade sehr gross…

Was hältst du von der Bündner Szene? Kennst du da auch Leute persönlich?

Natürlich kenn ich da auch Leute. Ich will mich jetzt aber nicht in die Nesseln setzen, in dem ich irgendeinen Künstler nenne, der sich eher zu einer anderen Szene zählt.

Gibt es ein Ritual, dass du jedes Mal pflegst, wenn du nach Graubünden kommst?

Viva la Grischa rufen und einen Salto machen… 🙂

Ritschi_Presse_03 (c)Janosch Abel

Was ist dein Erfolgsrezept, dass du dich schon so lange als Musiker halten kannst?

Ich habe immer die Musik gemacht, die mir gefällt und mich nicht zu sehr von Aussagen verunsichern lassen. Ich denke Authentizität gepaart mit Qualität und Spass ist schon ein gutes Mittel.

Welche Tipps würdest du jungen Künstlern auf den Weg geben?

– Immer Freude haben und diese Freude auch zeigen.

– Zuerst gute Songs schreiben, viel Live-Erfahrung sammeln und erst dann, wenn überhaupt, in Castingshows gehen, um berühmt zu werden.

Schon mal drüber nachgedacht, selbst Mentor zu werden?

Wenn junge Musiker fragen haben, dürfen sie mich gerne kontaktieren. Ich habe schon öfters nachgedacht, Sängerinnen und Sänger in Sachen Performance zu unterstützen. Gesang kann ich nur bedingt lehren, aber wie man auf der Bühne die Herzen der Leute erobert, das weiss ich nach 15 jahren Bühne sehr gut.

Wo siehst du dich in 15 Jahren?

Ich hoffe, da wo ich jetzt bin. Mit einem guten Album auf tour, mit der besten Band der Welt und viel, viel Freude und Energie…

Ritschi_Presse_01 (c)Janosch Abel

Am 24. Februar erscheint sein inzwischen drittes Soloalbum Ebbe und Fluet und im August spielt der Mundart-Star am Open Air Malans. Mehr Infos zu Ritschi unter www.ritschi.ch