Vor Wochenfrist hat Rätia Volley die nationale 1. Liga-Meisterschaft der Frauen mit einem 3:1-Heimsieg gegen den Absteiger VBC Wetzikon abgeschlossen, konnte in extremis noch den VBC Aadorf 2 und den VBC Kanti Limmattal überholen und in der Schlussrangliste auf den dritten Platz vorrücken. GRHeute blickt noch einmal auf die letzten vier Monate zurück.

Das auf die Saison 2012/13 hin gegründete Rätia Volley, das sich aus den drei Mitgliedsvereinen Arosa, Chur und Thusis zusammensetzt, konnte sich gegenüber dem Vorjahr zwar rangmässig um eine Position verbessern, musste sich diesmal aber mit 32 Punkten, das heisst vier weniger als in der letzten Saison, begnügen. Dies deshalb, weil das Team von Trainerin und Coach Evelyn Hösli in sechs Spielen über die volle Distanz von fünf Sätzen gehen musste, davon aber immerhin fünf für sich entscheiden konnte, und weil es bei fünf Niederlagen ohne Punktezuwachs blieb. 12 Siege in 18 Begegnungen stellen aber eine höchste beachtliche Ausbeute dar.

Die Statistik spricht für sich
21 Punkte erkämpften sich die Rätierinnen vor eigenem Publikum und 11 auswärts, was ein klares Indiz für ihre Heimstärke ist. Auch konnten sie sich im Verlauf der Saison steigern, denn während sie sich in der Vorrunde nicht zuletzt wegen der unnötigen Niederlage in Wetzikon mit 14 Punkten begnügen mussten, sammelten sie in der Rückrunde vier Punkte mehr. Gegen die vier Teams aus der vorderen Tabellenhälfte holten sie sich 9 Punkte und gegen die fünf aus dem hinteren Teil der Rangliste deren 23. In dieser Hinsicht müssen sie sich also wenig bis nichts vorwerfen.

Sportlicher Saisonhöhepunkt war für Rätia Volley aber zweifellos das hervorragende Abschneiden im Schweizer Cup, in dem das Team Erfolge über den TSV Jona Volleyball, Pallavolo Kreuzlingen, den VBC Oftringen und geradezu sensationell auch über den ambitionierten 1. Liga-Tabellenführer VBC Gerlafingen feiern konnte und dann erst in den Sechzehntelfinals gegen den NLB-Ligisten VB Therwil ausschied. Diese überaus positive Bilanz verdeutlicht aber gleichzeitig auch eine der wohl nach wie vor grössten Schwächen der Rätierinnen, nämlich die fehlende Konstanz. Oft schien der Unterschied zwischen Triumph und Scheitern einzig und allein im Kopf zu liegen, das heisst wenn die Einstellung stimmte, waren sie zu absoluten Höchstleistungen fähig und konnten so das Spiel gegen fast jeden Gegner dominieren und ihn auch schlagen. Stimmte sie nicht oder passte man sich spielerisch und einsatzmässig wieder einmal einem schwächeren Team an, waren ärgerliche Satzverluste und unnötige Niederlagen die Folge. Damit hatte Rätia Volley übrigens auch schon früher zu kämpfen.

Einige Probleme lösten sich von selbst
Die wohl wichtigste Frage vor Beginn der Saison war, wie Rätia Volley ohne seine amerikanische Verstärkungsspielerin Sage Martinson auskommen würde, die als Passeuse eine feste Bank war. Nun, die erst 18-jährige Jelena Gruber enttäuschte die Erwartungen nicht, packte die Aufgabe mit viel Selbstvertrauen an und war zusammen mit Michelle Degiacomi und der leider im letzten Spiel verletzt ausgeschiedenen Melanie Gruber eine der Spielerinnen, die in dieser Saison die grössten Fortschritte gemacht haben. Es würde allerdings der insgesamt überzeugenden Teamleistung nicht gerecht werden, wenn man die überwiegend positiv verlaufene Meisterschaft und die erfreulichen Cuperfolge auf diese drei Nachwuchskräfte reduzieren würde. Vielmehr machten alle Spielerinnen und das Team als solches in verschiedenen Bereichen mehr oder weniger grosse Fortschritte.

Unübersehbar war aber, dass nicht alle Kräfte gleich gefordert wurden und sich einige Spielerinnen mehr erlauben konnten als andere, die auch kaum einmal eine echte Chance erhielten. Zudem war schwer verständlich, dass die als routinierte Verstärkung zurückgekehrte Ladina Fuchs nie richtig integriert werden und sie ihr Potenzial auch deshalb nicht ausschöpfen konnte.

Wenn es dem Team lief, das heisst wenn die Annahmen funktionierten und die Passeuse die Bälle nach eigenem Gutdünken verteilen konnte, waren die Rätierinnen mit ihren variantenreichen und druckvollen Angriffen kaum zu stoppen. Waren die Annahmen aber ungenau, was leider wiederholt vorkam, verlor das Angriffsspiel sofort an Durchschlagskraft, denn die Gegnerinnen konnten dann schon frühzeitig ihren Block stellen und ihre Verteidigungspositionen beziehen. Zu den Stärken der Spielerinnen von Rätia Volley zählten aber auch die harten und präzisen Anschläge, mit denen sie die anderen Teams unter Druck setzen konnten und zu zahlreichen billigen Punkten kamen.

Trotzdem ist noch Luft nach oben
Fazit all dieser Ausführungen ist, dass das Aushängeschild des Bündner Volleyballs zwar eine gute Saison hingelegt hat, dass aber mit letzter Konsequenz wohl noch einiges mehr dringelegen hätte. Wenn man das ausgezeichnete Abschneiden der Teams von Rätia Volley in der 2. Liga und in den Nachwuchs-Meisterschaften der MU19 und MU17 in Betracht zieht, muss man sich um die Zukunft des Vereins keine Sorgen machen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Zusammenarbeit mit der Basis, das heisst den Mitgliedsvereinen, weiterhin gepflegt oder sogar noch optimiert wird.

Steigerungspotenzial ist bei Rätia Volley auch in der Öffentlichkeitsarbeit vorhanden, zumal beim letzten 1. Liga-Meisterschaftsspiel nicht einmal mehr ein Matchprogramm verfügbar war. Auch die Information der Medien über die Auswärtsspiele und vom Verein organisierte Anlässe wie den SMTag vom nächsten Sonntag in der Sporthalle Sand liess trotz frühzeitiger Anfrage von GRHeute zu wünschen übrig bzw. fand gar nicht statt. Vielleicht legt man bei den Rätierinnen aber auch keinen Wert darauf, in den Medien vertreten zu sein.

Verbleibendes Saisonziel ist die Verteidigung des Titels im Bündner Volleyball-Cup. Es könnte die letzte Teilnahme von Rätia Volley sein, wobei das letzte Wort allerdings noch nicht gesprochen ist. GRHeute wird dranbleiben und dieser brisanten Frage nachgehen.

 

(Bild: Jürg Kurath)