Was waren das doch für zwei Wochen! 

Die Stänkerer, die noch vor zwei Wochen die einfache Eröffnungsfeier mit Spott überschütteten und gleich die Professionalität der WM-Macher in Frage stellten, sind von der Lawine der Sport-Emotionen in der Oberengadiner Sonne weggefegt worden. Die Schweizer, die Oberengadiner Organisatoren haben einmal mehr gezeigt, dass sie’s drauf haben und zu den besten Destinationen im alpinen Ski-Zirkus gehören. 

Sportliche Highlights gab’s in St. Moritz wie am Fliessband: Aus internationaler Sicht das WM-Slalom-Triple von Mikaela Shiffrin und die beiden Goldmedaillen von Dominator Marcel Hirscher. Aus Schweizer Perspektive – es war das eigentliche Highlight der WM – der unvergessliche Abfahrts-Goldlauf von Beat Feuz vor 40’000 begeisterten Zuschauern. Einen Tag, nachdem dieselben Fans frustriert vom Malojanebel nach unten geschickt worden waren. Auch die WM-Überraschungen von Wendy Holdener und Luca Aerni bleiben unvergessen, und aus Bündner Sicht bleibt mit Mauro Caviezels Kombinations-Bronze wenigstens eine Medaille im Kanton. Über Carlo Janka, der nach mehrmaligem Startnummernpech und wenig optimistischer Grundhaltung eine WM zum Vergessen hatte, hüllen wir den Mantel des Schweigens.

Die Negativ-Schlagzeilen gehören sowieso anderen: Lara Guts Knieverletzung im Slalom-Training nach ein paar WM-Tagen war ein Schock (die SchweizerInnen reagierten aber bekanntlich grandios auf den Ausfall ihrer Medaillen-Lieferantin). Dass uns die Österreicher am Schlusstag im Medaillenspiegel noch überholten, schmeckte auch ziemlich bitter. Viel schlimmer wiegt aber natürlich die Beinahe-Katastrophe bei der Flugshow in der zweiten WM-Woche. Das war auf jeden Fall ‚Glück im Unglück‘ für die WM-Organisatoren, wäre doch bei einem Personenschaden der ganze Anlass auf ewig in einem desaströsen Schatten gestanden.

Die Ski-WM 2017 wurde somit ein echter Erfolg mit über 150’000 Zuschauern. Die missglückte Flugshow wiegt trotzdem schwer und darf nicht als Episode abgetan werden. Warum finden solche Shows so nahe an und über den Menschen statt? Die Reaktionen von Athleten und Zuschauern zeigen ganz klar, dass solche «supercoolen Extra-Stunts» eigentlich gar nicht gewünscht wird, ganz gleich, wer nun die Schuld am Fast-Unglück trägt. Die Leute sind des Extremen überdrüssig, sie brauchen es nicht, sie kommen in allererster Linie wegen des Sports an eine WM. Man will nicht immer mehr, immer grösser, immer näher und immer spektakulärer. Genau dies hat auch die Bündner Bevölkerung schon während der WM zur Olympia-Frage gesagt.

Das ist die symbolhafte Botschaft der letzten beiden Wochen: Graubünden will nicht höher hinaus, nicht bei der Grösse der Sportveranstaltungen – und schon gar nicht beim potenziellen Risiko eines Rahmenprogramms. Hoffentlich ist diese Lektion bei den Verantwortlichen angekommen.

Was wir auch gelernt haben: St. Moritz – und das gilt für ganz Graubünden – ist und bleibt ein Wintersport-Mekka mit grossartiger Infrastruktur und riesigem Event-Know-how. Top of the world. Eine Ressource, die es trotz der Tourismuskrise in den letzten Jahren (fast) um jeden Preis zu verteidigen gilt. Es ist immer noch die Lebensader des Kantons. Auch wenn bei «unseren» Eröffnungsfeiern Kultur und Bescheidenheit statt pompöse Knall- und Lichteffekte zelebriert werden. Da können sich die Zyniker in den sozialen Medien noch so sehr darüber lustig machen. Es ist gut so, wie es ist. Das ist der Weg, den Graubünden beschreiten will.

Herzliche Gratulation an die Ski-WM-Macher in St. Moritz für die fantastische Arbeit und die grossartigen Erinnerungen!

 

 (Bild: EQ Images/Andreas Pranter)