Der neue Export-Schlager aus Amerika lautet: Vorwahlen! Lukas Horrer, Wahlkampfleiter und Parteisekretär der SP Graubünden, hat die Idee für den Kanton adaptiert.

Man muss noch viele Male schlafen bis zu den Regierungsratswahlen. Um die ganze Sache spannender zu machen, hat die SP Graubünden ein wunderbares PR-Instrument gefunden: Die Vorwahl. An sich ein wunderbares Spektakel, wie man zuletzt in Amerika beobachten durfte, aber auch schon in Italien oder in Frankreich vor unseren Augen statt fand.

Und jetzt in Graubünden. Die SP Graubünden ist sich sicher: «Diese SP Graubünden gehört in die Regierung», sagte Parteipräsident Philipp Wilhelm am Montag vor den Medien. Als Begründung führt er an, dass die Partei bei der Abstimmung vor gut einer Woche den Nerv der Bevölkerung getroffen habe – Ja zur erleichterten Einbürgerung für die dritte Generation, Ja zum Referendum gegen die Unternehmenssteuerreform III und last, but not least, das Nein zu Olympia.

«Für die SP ist klar: Solche Siege sind auch verpflichtend. Sie heissen, dass wir für das politische Geschick in unserem kanton auch in Zukunft Verantwortung übernehmen müssen. Das sagen uns ja die Olympia-Befürworter bei jeder Gelegenheit. Und genau das wollen wir auch. Aber das können wir nur dann tun, wenn wir auch künftig mit am Tisch sitzen», sagte Philipp Wilhelm.

Wer mit am Regierungstisch als Nachfolger von Martin Jäger sitzen könnte, das will die SP erst am 24. Februar um 11 Uhr bekannt geben. Wer das sein könnte, darüber liessen sie gar nichts durchblicken. Sicher ist nur: Mehr als eine Person. Das sind die Personen, die ein Wahlgremium ausgesucht hat und für fähig genug für einen Regierungsratssitz hält.

Das sind diejenigen, die sich vom 25. März bis zum 25. Juni in einen Vorwahlkampf stürzen dürfen/müssen/sollen. In diesem Vorwahlkampf entscheidet die Basis, wem sie am 25. Juni ihre Stimme gibt. Neben diesen vom Wahlkampfgremium ausgewählten Personen dürfen sich auch andere zur Wahl stellen. Wer wählen will, muss sich auf einer Plattform, die ebenfalls am 24. Februar vorgestellt wird, registrieren.

Für die SP ist dieses Prozedere ein Wagnis zu «mehr Demokratie», wie Lukas Horrer sagte. «Wir glauben, dass eine Partei sich öffnen muss, um für die Wählerinnen und Wähler interessant zu sein. Nur eine Partei, die spannend, transparent und offen politisiert, hat Zukunft.» Dem allem muss der Parteitag am 25. März diesen Plänen aber erst noch zustimmen.

Der Slogan für den Vorwahlkampf steht noch nicht fest, anders das Budget: Mehr als 5000 Franken darf keiner der potentiellen Kandidatinnen und Kandidaten ausgeben. Auch deshalb nicht, damit nicht plötzlich Shooting Stars herangezüchtet und gewählt werden, nur weil ihr Budget grösser ist als das der anderen. «Wir wollen Fairness», sagten die beiden SP-Vertreter.

Und was passiert, wenn der Parteitag am 25. März Nein zum Vorwahlkampf sagt? Dann macht es die SP einfach wie immer: Am Nominationsparteitag werden der oder die Kandidaten bestimmt. Und egal wie es ausgeht – für die zukünftigen Kandidatinnen und Kandidaten hätten wir aus der Reihe der vielen amerikanischen Vorwahlkämpfen folgende Perlen als Vorschläge:

«Don’t trade Horses in Midstream» – «Wechsle das Pferd nicht in der Mitte des Stroms», wusste schon Abraham Lincoln. Franklin D. Roosevelt fand den Spruch so toll, dass er ihn 80 Jahre später ebenfalls benutzte. Allerdings eignet sich der eher für die zweite Amtszeit. «Make America great again» wurde übrigens auch nicht von Donald Trump, sondern von Ronald Reagan erfunden. Aber vielleicht sollte es die SP einfach mit Jimmy Carters Motto aus dem Jahre 1976 versuchen: «Not just Peanuts.»

(Bild: GRHeute)

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