Das Verhalten der Olympia-Promotoren und -Befürworter vor und nach den zwei 2013 und 2017 gescheiterten Bündner Abstimmungen lässt unweigerlich die Frage aufkommen, ob diese Leute schlechte Pokerspieler oder ganz einfach schlechte Verlierer sind.

Wenn man das Rad der Zeit vier Jahre zurückdreht, kommt einem sofort die völlig eindimensionale Kampagne der damaligen Olympia-Promotoren in den Sinn, die den Karren mit Arroganz und einer grossen Portion Naivität an die Wand gefahren haben. Wahrscheinlich hätte die Abstimmung über eine Bewerbung Graubündens für die Olympischen Winterspiele 2022 ein positives Resultat, das heisst ein Ja des Stimmvolkes ergeben, wenn der Horizont der Verantwortlichen über die eigene Nasenspitze bzw. über St. Moritz und Davos hinaus gereicht hätte. Ein Zückerchen für Chur und die Surselva hätte zweifellos Wunder bewirkt. Zudem hätten die Verlierer die Neinsager nach der demokratischen Ausmarchung nicht des Neids und anderer Untugenden bezichtigen können. Zum Glück ist das Schnee von gestern, dachte man zumindest bis vor kurzem.

Kaum ist nach der kürzlich durchgeführten Abstimmung über eine Kandidatur Graubündens für die Olympischen Winterspiele 2026, die mit einer eindeutigen Meinungsäusserung des Stimmvolkes geendet hat, der laute Knall verhallt und hat sich der dichte Rauch verzogen, sind bereits wieder einige Träumer wie Phönix aus der Asche aufgetaucht, die trotz der kantonalen Absage auch ein Stück vom Kuchen geniessen bzw. am scheinbar so lukrativen Fest teilhaben wollen.

Wenn man die übrig gebliebene Schweizer Olympia-Kandidatur Sion 2026 etwas genauer unter die Lupe nimmt, kann man feststellen, dass sich die verschiedenen Westschweizer Anwärter auf Olympische Winterspiele lange Zeit gegenseitig das Wasser abgraben wollten. Inzwischen ziehen aber alle vier beteiligten Kantone mit insgesamt vierzehn Austragungsorten am gleichen Strick und stehen geeint hinter der Kandidatur „Sion 2026“.

Christian Constantin, der ursprünglich die Idee einer Walliser Kandidatur lanciert hat, weilte selbst zweimal für Gespräche in Graubünden, weil der in den Alpen gelegene Kanton mit seiner Vielfalt und seinem Know-how im dezentralen Konzept der Westschweiz durchaus willkommen gewesen wäre. Die Bündner setzten aber auf die eigene Kandidatur und zeigten ihm die kalte Schulter. Erst nach der negativ verlaufenen Olympia-Abstimmung bekundeten aber nebst St. Moritz, das sowieso vorgesehen war, plötzlich auch Laax und die Lenzerheide wieder Interesse an einer Teilnahme und boten sich als Austragungsort für Snowboard und Biathlon an. Dass diese Avance – oder trefflicher ausgedrückt – dieser Kniefall in der Romandie auf wenig Gegenliebe stiess, ist verständlich. Denn die Westschweizer Olympia-Promotoren hatten sich nach dem Desinteresse Graubündens auf die Suche nach anderen Austragungsorten machen müssen und sind auch fündig geworden. Doch wie soll man nun Leysin und das Goms wieder ausladen, nur um die Bündner Interessenten doch noch berücksichtigen zu können?

Alle diese erstaunlichen Verhaltensweisen und Aktivitäten der Bündner Olympia-Sympathisanten sind kaum nachvollziehbar und wirken befremdend. Anscheinend gab es für sie in ihrer Arroganz und Ignoranz nur einen Plan A. Als dieser fehlschlug, verloren sie völlig die Fassung. Und wo blieb in der Folge der gesunde Menschenverstand? Ist dieser vor lauter Geldgier abhanden gekommen?