Die SP Graubünden hat diese Woche mit einer Vorwahl-Kampagne à la USA die Regierungsratswahlen 2018 lanciert. Ein cleverer Schachzug, um das mediale Revier zu markieren und den Schwung aus dem Olympia-Sieg mitzunehmen. Faktisch hat die SP zurzeit allerdings nur zwei erfolgsversprechende Optionen. Und den anderen Parteien gehts auch nicht viel besser.

Wo sind die KandidatInnen für die Bündner Regierung? GRHeute berichtete schon im Herbst 2016 über die potenziellen KandidatInnen für die Regierungsratswahlen 2018.  Unter Druck stehen in erster Linie die SP Graubünden und die BDP Graubünden, die nach dem Ausscheiden Martin Jäger und Barbara Janom Steiner um einen Sitz kämpfen müssen. 

SP Graubünden

Brisant zeigt sich die Ausgangslage bei der SP Graubünden, wo Erziehungsminister Martin Jäger vor geraumer Zeit seinen Rücktritt ankündigte. Die Linke hat ein Personalproblem: Will sie ihren Sitz verteidigen, muss sie einen zugkräftigen Kandidaten präsentieren, nachdem Jäger schon 2014 trotz Bisherigem-Bonus nur mit Ach und Krach wiedergewählt wurde. Für den Regierungsratssitz kommen derzeit nur die Grossräte Jon Pult und Sandra Locher Benguerel in Frage. Das Problem: Pult will (eher) nicht in die Exekutive und hat seinen angestrebten Platz im Nationalrat im Grunde auf sicher, wenn und falls die amtierende Silva Semadeni zurücktritt. Locher Benguerel wäre als Frau und Bildungspolitikerin die Kronfavoritin, allerdings hat sie letztes Jahr vermelden lassen, dass sie keine Lust auf einen Posten in der Regierung hat. Alle anderen Kandidaten – die gehandelten Namen reichen von Gewerkschaftssekretär Peter Peyer über den Landquarter Grossrat Andreas Thöny bis zur Jung-Politikerin Hanna Bay – dürften einen schweren Stand haben.

Mit dem Schachzug eines «Vorwahlgangs» schlägt die SP Graubünden mehrere Fliegen auf einen Streich: Erstens war die Partei die ganze Woche in den regionalen Medien präsent, zweitens kann sie nun unbekanntere SP-Gesichter für zukünftige Aufgaben portieren und drittens holt die SP Graubünden Pult und/oder Locher ins Boot zurück, weil diese im Falle einer Nomination «von der Basis gefordert würden». Ein inszeniertes Vorwahlkampf-Manöver, um Pult/Locher die Kehrtwende zu ermöglichen? Es ist jedenfalls davon auszugehen, dass die Linke ihren Sitz in der Regierung um jeden Preis verteidigen will und deshalb Pult oder Locher Benguerel ins Rennen schickt.

GRHeute-Kandidaten-Tipp: Jon Pult oder Sandra Locher Benguerel

CVP Graubünden

Die CVP will ihren vor 20 Jahren an die SP verlorenen Sitz zurückerobern. Mit Mario Cavigelli hat die CVP eine «Bisherigen»-Lokomotive am Start. Die Gerüchte einer Rückkehr von Martin Candinas in die Kantonspolitik zerschlugen sich erwartungsgemäss schnell, so dass die Suche nach einem neuen Kandidaten keine klaren Favoriten kennt. Ambitionen werden dem Podestà von Poschiavo, Alessandro della Vedova, nachgesagt, das nicht repräsentierte Oberland würde sicher auch gerne Marcus Caduff, Präsident der CVP Surselva, im Regierungsrat sehen.

GRHeute-Kandidaten-Tipp: Mario Cavigelli (bisher), Alessandro della Vedova oder Marcus Caduff

BDP Graubünden

Die BDP hat mit Jon Domenic Parolini zwar einen «Bisherigen» an Bord, der frei werdende von Barbara Janom Steiner wackelt aber ganz gewaltig. Zudem muss die Partei 9 der 27 Grossräte ersetzen und steht an dieser Front auch stark unter Druck. Der Haldensteiner Grossrat und Geschäftsführer des Graubündnerischen Baumeisterverbands, Andreas Felix, gilt als BDP-Kronfavorit für eine Kandidatur. 

GRHeute-Kandidaten-Tipp: Jon Domenic Parolini (bisher), Andreas Felix

FDP Graubünden

Die FDP kann’s mit dem Bisherigen Christian Rathgeb gelassen angehen, seine Wiederwahl ist so gut wie sicher. Es ist nicht anzunehmen, dass die FDP einen zweiten Kandidaten ins Rennen schickt. Gerüchteweise könnte der Churer Rechtsanwalt und Grossrat Ruedi Kunz als Sprengkandidat fungieren. Die FDP hat 2018 eine andere Grossaufgabe: Als stärkste Faktion im Grossen Rat hat sie 35 Sitze zu verteidigen.

GRHeute-Kandidaten-Tipp: Christian Rathgeb (bisher)

SVP Graubünden

Die SVP will zurück in die Bündner Regierung. Als stärkste Bündner Partei ist sie seit dem Wechsel von Barbara Janom Steiner und Jon Domenic Parolini in die BDP (2008) nicht mehr in der Bündner Regierung vertreten. Der Anti-SVP-Reflex hat sich zwar bei vielen Bürgerlichen etwas gemässigt, ein Durchlaufen an den Regierungsratswahlen 2018 wird es für die Rechtsbürgerlichen aber nicht geben. Denn auch die SVP Graubünden ist an der Parteispitze personell nicht sehr breit aufgestellt.

Die besten Chancen werden Politikern eingeräumt, die in den letzten Jahren deutlich an Profil gewonnen haben: Der Davoser Landrätin Valerie Favre Accola sowie dem Trimmiser Gemeindepräsident Roman Hug wird am ehesten zugetraut, den Sprung in die Regierung zu schaffen. Aussenseiter-Chancen haben ausserdem der Landquarter Grossrat Jan Koch und der Bündner Polizeikommandant Walter Schlegel. Keine Option ist dafür eine dritte Kandidatur für einen Regierungsratssitz von Nationalrat Hein Brand.

GRHeute-Kandidaten-Tipp: Valerie Favre-Accola oder Roman Hug

 

 

(Bild: Graues Haus in Chur/Xeros)

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