Herrscht in Graubünden Not an der Frau? Gibt es zu wenig Frauen, die Verantwortung übernehmen wollen? Graubünden Ferien wählt im Mai das Präsidium neu. Wir haben verschiedene Frauen gefragt, ob sie sich das Amt zutrauen würden.

Graubünden Ferien war bisher fest in Männerhand: Das Präsidium wird von Marcel Friberg angeführt, der letztes Jahr seinen Rücktritt bekannt gegeben hat. CEO ist Martin Vincenz. Er war der Nachfolger von Myriam Keller, die den Job ein Jahr ad interim inne hatte – und dann nicht gewählt wurde.

Myriam Keller ist nicht die einzige Frau, die sich im Tourismus einen Namen gemacht hat – denken wir an Ariane Ehrat, die zurück getretene Tourismusdirektorin von Engadin St. Moritz, und Claudia Züllig, die umtriebige Gastgeberin des Hotels Schweizerhof auf der Lenzerheide, um nur zwei der «berühmtesten» Ladys zu nennen.

Ariane Ehrat gab auf Anfrage von GRHeute keine Auskunft über ihre Pläne, wird aber von anderen Befragten heiss als Anwärterin gehandelt. Claudia Züllig schliesst sich selbst aus. Eine Wahl wäre auch eher unwahrscheinlich: Ihr Mann Andreas ist Vizepräsident von Graubünden Ferien.

Neben den Frauen an der Front gibt es auch diejenigen, die nicht so präsent sind: Felicia Montalta und Yvonne Brigger. Felicia Montalta hat mit ihrer Projekt-Box schon viele Projekte angerissen, eines der bekanntesten und sichtbarsten ist wohl der erste Solar-Skilift in Tenna. Yvonne Brigger ist Geschäftsführerin der Interessengemeinschaft Tourismus; ihr aktuelles Projekt ist «Faszination Tourismus für Einheimische».

«ITG braucht Kontinuität»

Auch diese beiden Frauen stehen nicht für das Präsidium zur Verfügung. «Die Interessengemeinschaft Tourismus hat letztes Jahr einen Strategiewechsel vollzogen und braucht jetzt Kontinuität», sagt Yvonne Brigger. Felicia Montalta sähe bei einer Wahl keine Lösung für ihre laufenden Projekte, die sich mit der Arbeit als Präsidentin beissen würden. Wer wäre denn ihre Wunschkandidatin? «Ich würde gern Myriam Keller als CEO und Martin Vincenz als Präsident sehen. Zugegeben etwas utopisch, aber diese Konstellation fände ich sehr stimmig.»

Sowohl Yvonne Brigger als auch Felicia Montalta sähen es gerne, wenn eine Frau an die Spitze von Graubünden Ferien gewählt würde. «Machtkämpfe oder Macho-Gebaren liegen uns fern. Wir diskutieren und handeln sachbezogen», sagt Yvonne Brigger. «Aktuell ist eine Frau im Vorstand von insgesamt acht Personen. Das ist eindeutig zu wenig und muss sich dringend ändern», sagt Felicia Montalta.

Dem Vernehmen nach wird für das Amt auch ausserhalb der Tourismusbranche gesucht. Von einigen angefragten Politikerinnen war nur die FDP-Grossrätin Vera Stiffler bereit, sich den Fragen zu stellen. Auch sie wäre sehr dafür, wenn eine Frau das Gremium ergänzen würde: «Es wäre sehr begrüssenswert, denn Geschäftsleitung und Verwaltungsrat einer Firma sollten möglichst durchmischt zusammengestellt sein.» Sie selbst sähe sich im übrigen durchaus als fähige Kandidatin; wurde nach eigenen Angaben aber nicht angefragt und hat sich wegen der Interessenkonflikten mit ihrem Grossratsmandat auch nicht selbst beworben.

«Sorgenkind» SP

Und wenn wir schon beim Thema sind: Die SP Graubünden gab kürzlich ihre Kandidaten für den aus Amerika (und Frankreich und Italien) imporierten Vorwahlkampf bekannt: Peter Peyer und Andreas Thöny. Man kann sich hier fragen: Warum stellt ausgerechnet die SP keine Frau? Die Antwort ist einfach: Die Wunschkandidatinnen des Wahlausschusses, Doris Caviezel-Hidber, Sandra Locher Berenguel und Beatrice Baselgia, wollten nicht. «Bei der SP hätten die genannten Frauen reale Wahlchancen gehabt. Nun einfach eine unbekannte Person aufzustellen nützt den Anliegen der Frauen nichts, da die betroffene Frau einfach verheizt werden würde. Das wäre nicht Sinn der Sache», sagt Lukas Horrer, «Vater» des Vorwahlkampfs.

Was bleibt? Man darf gespannt sein, wer an die Spitze von Graubünden Ferien gewählt wird – ob es dieses Mal eine Frau schafft und wenn nein, aus welchen Gründen nicht. Dass es Bewerbungen von Frauen gab, ist der Redaktion bekannt. Was die SP betrifft – vielleicht schafft es ja doch noch eine Frau nach vorne. Wir bleiben dran!

 

(Bild: EQ Images/Urs Bucher)