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Frauen von heute rauchen Zigarren, boxen oder hauen sonstwie auf die Pauke. Zumindest ist (fast) nichts Anrüchiges mehr dabei. Auch Football spielen «darf» das «schwache Geschlecht» im neuen Jahrtausend, seit 2016 auch in Graubünden: Rund 30 Footballerinnen trainieren seit letztem Frühling bei den Calanda Broncos im einzigen Frauenteam der Schweiz. GRHeute hat nachgefragt, warum sie sich das antun.

«Footballspieler auszubilden hat mir schon immer grossen Spass bereitet», sagt Oliver Kraeft, langjähriger Stammspieler bei den Calanda Broncos und seit 2016 Coach des einzigen Schweizer Frauen-Teams, zur Frage, wie er zum Frauen-Football kam, «die Möglichkeit zu haben, so vielen neue Spielerinnen das Football-ABC bei zu bringen, machte mir die Entscheidung leicht. So wurden auch mit Martin „Choo-Choo“ Meuli und Ramon Schwarz zwei „Ehemalige“ gefunden, die den Coaching-Staff erweitern. Ausserdem haben wir Unterstützung von Frank Müller, in Bern lebend fährt er alle zwei Wochen zu uns um die Defense auf ‚Vorderfrau‘ zu bringen.»

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Coach Oliver Kraeft überwacht das Vollkontakt-Training seiner Footballerinnen.

Die Manpower in der Coaching Staff hat das neue Football-Team – die dritte Erwachsenen-Football-Mannschaft in Chur neben den Herren-Teams der Calanda Broncos und der Chur Lumberjacks – auch nötig. Keine Spielerin hat bisher den rauhen Sport ausgeübt – wo auch? «Natürlich haben wir von Anfang an gewusst, dass es nicht leicht werden wird. Meine anfängliche Witzelei ‚das grösste Problem an einem Frauenteam sind die Frauen‘ hat sich zum Glück nicht bewahrheitet», lacht Kraeft, «’meine‘ Ladies sind extrem pflichtbewusst und haben ein ausgeprägtes ‚Familiendenken‘, wir sind jetzt schon, ohne jemals einen ‚Ernstkampf‘ gehabt zu haben, eine eingeschweisste Truppe, die zusammen durch Dick und Dünn geht. Die Lernbereitschaft und der Lernwille aller Ladys ist ungebremst und es macht richtig viel Spass, als Coach zu amten.» Auch sein langjähriger Teamkollege auf dem Spielfeld, Martin ‚Cho Cho‘ Meuli bestätigt: «Für mich ist es einfach Football, ob bei den Männern oder den Frauen.» Das ganze Interview mit dem Ur-Bronco sehen Sie hier.

 

Auf Grund der oft knappen Kader spielen die meisten Frauen-Ligen in Europa 9-Man-Football, analog zur Schweizer U16-Meisterschaft. Die Regeln sind, anders als z.B. im Eishockey, für Frauen nicht angepasst, es wird meist nach offiziellem Regelwerk des College-Football-Verbandes NCAA gespielt. «Zur Zeit sind wir bestrebt, dass der SAFV uns Lizenzen kostenlos ausstellt, damit wir offizielle Freundschaftsspiele veranstalten und daran teilnehmen können. Ziel ist es, dass wir bis diesen Sommer ein Heimspiel in Chur abhalten können», so Kraeft. Den ersten Ernstkampf bestreiten die Broncos Ladys am 4. Juni in Schwarz (Aut) an einem Turnier mit vier Frauen-Teams.

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Auch bei den Frauen geht’s voll zur Sache.

Bis dahin steht noch viel Arbeit bevor mit den gegen 30 jungen Bündnerinnen. «Natürlich sind auch wir um jede helfende Hand auf der Coaching-Seite froh, ebenfalls sind neue Spielerinnen immer herzlich willkommen», sagt Oliver ‚Olla‘ Kraeft. InteressentInnen können sich bei Coach Kraft direkt melden. Und wenn man sieht und hört, mit welcher Freude die Footballerinnen bei der Sache sind (Video oben), dann muss man sich doch wirklich fragen: Warum eigentlich nicht?

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Die Footballerinnen der Broncos haben Spass am Kickoff Day vom letzten Sonntag.

 

(Bilder: GRHeute/zVg.)

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