Portrait_Andreas FelixGerade erst sind sie vorbei. Die alpinen Skiweltmeisterschaften 2017 in St. Moritz. Hervorragend organisiert, mit spannenden Wettkämpfen und stimmungshebenden Erfolgen der Schweizer Athletinnen und Athleten, waren sie beste Werbung für den Wintersport in den Bündner Alpen. Auch von Dopingvergehen blieb die Ski-WM verschont.

Diese letzte Bemerkung wirkt nach den anderen positiven Aufzählungen wie ein Spielverderber. Wenn wir uns aber vergegenwärtigen, dass Doping bei den gleichzeitig stattfindenden Biathlon-Weltmeisterschaften oder bei der laufenden Saison im Langlauf-Weltcup ein Thema war, ist die Bemerkung leider notwendig. Auch müssen wir nicht allzu weit zurück schauen um weiter fündig zu werden. So war das Vorfeld der Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio von einem unwürdigen, belastenden Dopinggeplänkel gekennzeichnet und das grösste Radrennen der Welt, die Tour de France, vermag fast jährlich wiederkehrend eine Dopingaffäre an die sommerliche Medienberichterstattung beizusteuern.

Kaum eine Woche vergeht, ohne dass wir aus den Medien sinngemässe Schlagzeilen zur Kenntnis nehmen müssen:

  • “Beim Zusammenstoss zweier Skifahrer verletzte sich eine Person schwer. Die unfallverursachende Person entfernte sich von der Unfallstelle ohne sich um die verletzte Person zu kümmern“.
  • “Ein Autolenker streifte mit seinem Fahrzeug die Abschrankung einer Baustelle und verletzte dabei einen Bauarbeiter der hinter der Umzäunung mit Grabarbeiten beschäftigt war erheblich. Der Automobillist entfernte sich ohne anzuhalten von der Unfallstelle“.
  • “Ein Velofahrer übersah eine Fussgängerin beim Überqueren des Fussgängerstreifens und rammte sie. Dabei kamen beide zu Fall. Die Frau zog sich durch den Zusammenstoss Verletzungen zu. Der Velofahrer erhob sich und entfernte sich unerkannt vom Unfallort ohne sich um die Frau zu kümmern, die verletz ins Spital eingeliefert werden musste“.

Solche Fälle haben in den letzten Jahren nach meiner persönlichen Wahrnehmung zugenommen. Fast scheint es, dass Fahrerflucht, die nichts anderes ist, als die feige Flucht vor der eigenen Verantwortung, zunehmend in Mode kommt. Es entsteht der Eindruck, dass es in unserer Gesellschaft zunehmend Menschen gebe, denen die Fähigkeit und Grösse abgeht, für persönlich verursachtes Ungemach gerade zu stehen und dafür die Verantwortung zu übernehmen. Genauso wenig wie Dopingsünder bereit sind, sich selbst die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit einzugestehen und im fairen Wettstreit den Erfolg dem oder der echt Besseren zuzugestehen.

Ob bei Doping und Fahrerflucht der Selbst- oder Fremdbetrug schwerer wiegt und mehr weh tut, vermögen nur die Sünder selbst zu beurteilen. Dass es richtig weh tut bleibt zu hoffen.

Politforum auf GRHeute

Das Politforum auf GRHeute besteht aus 12 PolitikerInnen aus Graubünden. Jeden Donnerstag nimmt eine/r zu einem aktuellen Thema Stellung, die anderen Mitglieder des Politforums können diesen Beitrag ihrerseits kommentieren.

 

(Bild: GRHeute)