Jetzt steht es fest: Der HCD trifft im Halbfinale auf den EV Zug, der Sieger spielt gegen den SC Bern oder den HC Lugano im Finale um den Schweizer Meistertitel.

Die Ausgangslage für den HCD ist nicht schlecht. Mit dem EV Zug wartet im Halbfinale ein Team, das zwar in Hochform ist, aber den Davosern liegt. Die sechs Partien während der Regular Season teilten sich die beiden Teams gerecht auf – je dreimal konnte der HCD gewinnen, je dreimal der EV Zug. In den Playoffs sieht das ganze aber etwas anders aus: Die letzten drei Serien – 2015, 2011 und 2008 – gewann der HCD allesamt. Einmal klar mit einem Sweep, einmal nach sechs Spielen, und einmal legendär im siebten Spiel nach einem 0:3 Rückstand.

Der mentale Vorteil liegt beim HCD. Der EVZ hat seit 1998 nie mehr den Einzug in das Finale geschafft. Damals gewannen die Innerschweizer den Titel – ironischerweise gegen den HC Davos. Eine spannende Affiche zwischen den beiden Playoff-Rivalen ist zu erwarten. Wer zieht ins Finale ein? Eine Prognose:

 

Im Sturm

Zug ist in einem guten Lauf und hat mit Dominic Lammer und David McIntyre zwei Top-Skorer im Sturm. Dazu kommen die Nationalspieler Lino Martschini und Reto Suri sowie der Finne Jarkko Immonen und der altbekannte, aber immer noch valable Josh Holden – die Offensive von Zug hat viel Firepower und ist in diesen Playoffs die treffsicherste Mannschaft mit 4.5 Toren pro Spiel. Zug hat zwar nicht sehr viel Puckbesitz und generiert relativ wenige Chancen, hat dafür eine hohe Trefferquote.

 

Davos wiederum zählt auf Bündner Stürmer, die momentan in Form sind und das Spiel kontrollieren wie kein anderes Team: Die Wieser Brüder, Enzo Corvi, Mauro Jörg und Andres Ambühl sind im richtigen Moment im Schwung, und werden von den Ausländern gut ergänzt. Der HCD hat keine Schillerfalter, ist dafür breiter abgestützt als die Innerschweizer. Wenn Lindgren, Spylo und Kousal noch einen Zacken zulegen, und das Tempo-Spiel des HCD sich entfalten kann, sollten die Vorteile ganz leicht beim HCD liegen.

 

Prognose: Unentschieden. Zug hat zwar mehr Spektakel und bucht am Laufband, Davos ist dafür breiter aufgestellt, etwas kräftiger und hat mehr Tempo. 0:0

 

In der Verteidigung

Raphael Diaz ist zwar nicht mehr gut genug für die NHL, in der National League A ist er aber immer noch ein Spitzenverteidiger. Daneben stehen der Routinier Timo Helbling, der Nati-Verteidiger Robin Grossmann sowie der Jähzorn in Person, Johan Morant. Die Defensive von Zug ist nicht schlecht bestückt, aber sicher keine uneinnehmbar Festung und lässt entsprechend viele Chancen zu.

 

Der HCD wiederum hat mit Felicien Du Bois, Noah Schneeberger und Beat Forster drei Routiniers, die zur Zeit souverän stehen und die jungen Wilden (die mittlerweile etablierte Verteidiger sind) bilderbuchmässig anführen. Die Verteidigung des HCD unterdrückt wie kein anderes Team die Offensive der Gegner. Fabian Heldner, Claude-Curdin Paschoud und Simon Kindschi ergänzen die Verteidigung, einzig der Schwede Daniel Rahimi sieht momentan nicht all zu gut aus.

 

Prognose: Alles in allem leichte Vorteile für den HCD. Die Verteidigung der Davoser liess schon die ganze Saison hinweg am wenigsten Chancen aller Teams zu – das beste Mittel gegen die Offensiv-Schönspieler aus Zug. Vorteil Davos 1:0

 

Im Tor

Im Tor scheinen die Innerschweizer den Vorteil auf ihrer Seite zu haben: Tobias Stephan ist ein sicherer Wert und nach Leonardo Genoni vom SCB der konstanteste Goalie der Schweiz. An ihm werden sich die Davoser Stürmer die Zähne ausbeissen.

 

Gilles Senn beim HCD hat sich den Stammplatz während der Saison erkämpft und machte im Viertelfinale eine gute Figur. Der Walliser im Dienste der Landwassertaler spielte solide und liess nur wenige haltbare Treffer zu. Senn wurde aber ehrlich gesagt auch wenig geprüft und zeigte keine wirklichen Big Saves. Ein solider Goalie, aber was noch fehlt, sind die Paraden, die ein Spiel entscheiden können. Gut möglich, dass es im Halbfinale nun solche brauchen wird.

 

Prognose: Auch wenn Senn sich etabliert hat, so ist die Goaliesituation beim EVZ zu bevorzugen. Tobias Stephan kann eine Partie im Alleingang entscheiden. Vorteil Zug. 1:1

 

Im Powerplay

Das Powerplay des EVZ ist brandgefährlich. Gleich achtmal haben die Innerschweizer gegen Genf getroffen, gut für eine Spitzen-Quote von 24.2% (!). Die Spektakel-Offense zeigt sich vor allem bei numerischer Überzahl. Spielt der EVZ im Powerplay, dann wird es für Davos brenzlig.

 

Auf der anderen Seite das Gegenteil: Der HCD kommt wie so oft in Überzahl nicht auf Touren. Zu lange dauert die Auslösung, zu selten können sich die Bündner festsetzen. Symptomatisch: Im vierten Spiel gegen Lausanne erzielte das Powerplay der Davoser zwar zwei Treffer – erhielt aber auch zwei Shorthander. Eine magere Quote von 11.5% bei numerischer Überzahl ist ein schlechtes Zeugnis.

 

Prognose: Klare Vorteile für den EVZ. Davos muss sich in diesem Bereich in Acht nehmen. Vorteil Zug 1:2

 

Im Boxplay

Zug hat ein solides Unterzahlspiel. Die Zuger spekulieren wenig und vertrauen darauf, dass Stephan den Kasten reinhält. Während der Saison wie auch in den Playoffs haben die Innerschweizer kein schlechtes Boxplay-Spiel gezeigt.

 

Der HCD wiederum ist ein Topteam in Unterzahl und schiesst gleich viele Shorthander, wie sie Unterzahl-Tore erhalten. Die Davoser rund um den Leithammel Ambühl stehen bei 4-gegen-5 souverän, lassen wenige Chancen zu, spielen aggressiv, spekulieren und sorgen für enorm viel Chaos beim gegnerischen Powerplay. Die beste Einheit beim HCD.

 

Prognose: Klare Vorteile für den HCD. Auch wenn Zug ein solides Unterzahlspiel hat und gegen das unterdurchschnittliche Powerplay des HCD gut aussehen wird, so ist es keine Frage, wer das bessere Unterzahlspiel hat. Das Boxplay von Davos ist erste Klasse. Vorteil HCD. 2:2

 

Beim Bully

Der EVZ verfügt über solide Center. Jarkko Immonen ist ligaweit einer der besten Center, und auch Dave McIntyre und Nolan Diem haben positive Werte. Die Innerschweizer werden (im Drittel des HCD) versuchen, Bullies direkt zu gewinnen, um so Senn mit Schüssen von der blauen Linie einzudecken.

 

Der HCD wiederum sieht beim Face-Off nicht sonderlich gut aus. Einzig Enzo Corvi hatte während der Saison eine Erfolgsquote von über 50%. Der HCD hat ein enorm starkes Kader, was die Flügelposition betrifft. In der Mitte sind die Davoser aber nur Durchschnitt, was sich beim Bully merkbar macht.

 

Prognose: Auch wenn die Davoser nach dem Face-Off gut stehen und defensiv gewissenhaft arbeiten: Ambühl, Walser und Lindgren haben nicht die Bully-Qualität von Immonen, McIntyre und Diem. Vorteil Zug. 2:3

 

 

Die Disziplin

Zug ist doof. 768 Strafminuten haben die Innerschweizer während der Saison gesammelt und die Gegner mehr als viermal pro Spiel im Powerplay spielen lassen. Damit ist der EVZ Strafenkönig der National League A. Vor allem Spieler wie Morant und Holden sind undiszipliniert und neigen dazu, die Nerven zu verlieren.

 

Der HCD hat auch seine jähzornigen Spieler. Aber der HCD hat aus seinem Nervenzusammenbruch im letzten Jahr gegen den SCB (hallo Axelsson) gelernt und wird sich (hoffentlich) nicht mehr auf Provokationen einlassen.

 

Prognose: Davos ist cool und cleverer als die Innerschweizer. Allen voran Beat Forster, der physische Leader beim HCD, kann in seiner letzten Saison mit einem disziplinierten Auftritt der Serie den Stempel aufdrücken. Vorteil HCD 3:3

 

Der Trainer

Harold Kreis versus Arno del Curto.

 

Noch Fragen? HCD 4:3

 

Es wird eine schwere Serie, kein Vergleich zum Viertelfinale. Aber der HCD hat keine schlechten Karten und kann den Einzug ins Finale schaffen. Es braucht mentale Stärke, Coolness und am Ende mindestens einen Auswärts-Sieg. Dann kann der HCD ins Endspiel einziehen. Entweder gegen Lugano oder gegen den SCB.

(Bilder: HCD, EQ Images, Getty Images, Stats: sihf)