Nach dem schwachen Rückrundenstart von Chur 97 mit drei Zu-Null-Niederlagen in Serie rumort es auch hinter den Kulisssen: Sportchef Rolf Montalta hat seinen Rücktritt auf den Sommer hin angekündigt – allerdings nicht wegen des Fehlstarts.

«Ich habe dem Präsidenten bei den letzten Wahlen schon bekannt gegeben, dass ich bei den nächsten nicht mehr zur Verfügung stehe… Somit kann ich ab dem 1. Juli 2017 in den wohlverdienten Tribünenmodus zurückkehren und die Geschehnisse aus der Ferne beobachten», schreibt Chur97-Sportchef Rolf Montalta in einem GRHeute vorliegenden Schreiben an die Klub-Trainer und -Verantwortlichen. Die Gründe für den Rücktritt lägen in der grossen Belastung, die das Amt mit sich bringe: «Der riesige Aufwand lässt sich mit meiner Arbeit nicht mehr vereinbaren, der wirtschaftliche Druck wird immer grösser und die Zeit lässt es nicht mehr zu, dies mit 100% auszuführen.»

Auf Anfrage bestätigte Chur-97-Präsident Sepp Müller den Rücktritt auf Ende Juni. «Überrascht hat uns dies eigentlich nicht, schliesslich hat er schon lange angekündigt, dass er bei den nächsten Wahlen nicht mehr zur Verfügung stünde», so der Präsident. Mit dem Fehlstart in die Rückrunde habe dies nichts zu tun.

«Ich habe das Fanionteam im Abstiegsjahr 2015/16 übernommen mit dem Gedanken, Nachhaltigkeit im Verein zu schaffen und junge Spieler aus der Region zu integrieren», so Montalta. Daraus sei ein U20-Team hervorgegangen, das heute in der 3. Liga im vorderen Bereich mitspiele und Potenzial für Höheres habe. Ausserdem sei ab der Saison 2016/17 in Zusammenarbeit mit dem Bündner Fussballverband eine U18 (Breitenfussball) geschaffen worden, um den U16-Spielern eine Lösung im Kanton zu bieten.

Chur 97 steht trotz einem 0:2 in Uster, einem 0:3 gegen Kosova und einem 0:3 gegen Kreuzlingen in diesem Frühling dank der starken Herbstrunde einigermassen solide da: In der 2. Liga-Interregional-Meisterschaft belegt die beste Bündner Fussballmannschaft Platz 8, zehn Punkte über dem Strich (Platz 12, Sirnach). Gegessen ist die Sache aber noch nicht. «Wir versuchen schon, uns in der oberen Tabellenhälfte zu klassieren. Aber unser Hauptziel bleibt der Ligaerhalt», so Präsident Sepp Müller, der aber nicht verhehlt, mittelfristig als «Endziel einen Platz in der 1. Liga anzustreben». Vorerst aber müssen sich die Churer nach hinten orientieren. «Wir haben zum einen gegen starke Gegner gespielt, zum andern fehlt uns derzeit das Quäntchen Glück», so Müller und spricht auf die Abgänge und Verletzten an. Routinier Cyrill Joos wird nach seiner Meniskusoperation diesen Frühling kaum mehr zurückkommen, dazu fehlt Chur 97 die Klasse mehrerer Angreifer: Matej Schwendt hat in seiner Heimat in Tschechien einen Profivertrag erhalten, Goalgetter Nicola Pola wechselte in die 1. Liga zum USV Eschen/Mauren, Dukagjin Kameri verliess den Verein in Richtung Kanton Zürich.

Dazu kommt, dass das System des neues Coaches Jouke Faber noch nicht greift. «Wir sind begeistert von seiner Taktik und wie er die Spieler ausbildet», erklärt Müller, «er muss sich selbst aber auch noch an einige Dinge anpassen. Er ist es gewohnt, mit Profi-Fussballern zu arbeiten. Da ist es manchmal eine Herausforderung zu verstehen, dass die Spieler bei Chur 97 nicht immer und jederzeit abrufbar sind.»

Und so will Chur 97 in der verbleibenden Frühlingsrunde nun in erster Linie den Ligaerhalt sichern. «Wir sind auf dem richtigen Weg, vor allem auch wenn man sich die U20 und die U18 ansieht», erklärt Müller, «wir wollen die nächste Saison sachte aufbauen.» Einen Nachfolger für Montalta hat der Präsident noch nicht: «Die Planung der nächsten Saison läuft natürlich schon. Die Koordination erfolgt durch mich. Personell ist aber noch alles offen.»

 

(Bild: Chur-Präsident Sepp Müller (r.) präsentiert den neuen Trainer Jouke Faber/GRHeute)