Er ist der Bündner Rohdiamant schlechthin. Der 19-jährige Newcomer Rapper D.A.R.I.O. steht für Oldschool Werte und Skills. Trotz seines jungen Alters besitzt er bereits massig Erfahrung. Diese Festivalsaison spielt er am Open Air Malans, Val Lumnezia und am Polenta Jam.
Wir haben ihn zum Interview getroffen.

Im Dezember 2016 erschien seine vierte CD RAPSYNDROM. Ob in persönlichen Texten oder Representern, er überzeugt mit gehörigem Wortwitz, ausdrucksstarker Stimme und einem guten Beatgeschmack. High Quality zum Mitnicken und Mitfühlen! D.A.R.I.O. kann mittlerweile auf die Erfahrung von knapp 100 Live-Auftritten zurückblicken, als Vorband von Kool Savas, R.A. The Rugged Man, De la Soul, Freeman(IAM), Blumentopf, Chefket, Megaloh, Dame, Blumio, Greis und Knackeboul, auf Festivals in Deutschland (Living Hip Hop, Highmatland), Österreich (SZENE Open Air, Poolbar) und der Schweiz (Quellrock, Polenta Jam). Er ist mit viel Herzblut und Spaß bei der Sache und weiß auch live mit seiner starken Bühnenpräsenz zu überzeugen.

Du bist dieses Jahr auf ziemlich vielen Festivals zu Gast. Wie kam es dazu?
Jahre lange Arbeit. Ich rappe ja mittlerweile schon seit bald 6 Jahren und um sich als Newcomer Gehör zu verschaffen muss man sich immer wieder bei Veranstaltern melden, neues Material rausbringen und versuchen sich so Stück für Stück eine Plattform zu erarbeiten. Mittlerweile kann ich langsam sehen, wie all die Arbeit anfängt erste Früchte zu tragen.

Was machst du anders als andere Rapacts?
Was mich technisch am meisten auszeichnet, ist wohl mein abwechslungsreicher Flow. Ansonsten versuche ich nicht jedem Trend nach zu rennen, oder die neuesten Ami-Acts nachzuahmen, sondern bleibe meinem Style treu und erzähle Geschichten aus meinem Leben als Jugendlicher in einer Kleinstadt.

Du kommst ursprünglich doch aus Malans, warum rappst du auf Hochdeutsch?
Ich komme ursprünglich aus Chur, bin aber in Malans in den Kindergarten gegangen. Dass ich auf Deutsch rappe kommt daher, dass ich zweisprachig aufgewachsen bin, weil mein Vater aus Deutschland und meine Mutter aus der Schweiz kommt.

War Mundart nie ein Thema für dich?
Doch war es. Ich habe früher ungefähr zur Hälfte auf Schweizerdeutsch gerappt. Da ich aber viel auch in Deutschland und Österreich auftrete macht Hochdeutsch zu rappen mehr Sinn, weil man das überall gut versteht. Ganz weggelassen habe ich es natürlich nicht. Auch auf meinem neuen Mixtape RAPSYNDROM gibt es auch einen Mundart-Track.

Ist eine Liveband für dich ein Thema?
Ich habe schon ab und zu mit einem Gitarristen oder einem Drummer zusammen gespielt, finde es momentan aber noch besser nur mit DJ zu spielen, da das weniger Aufwand bedeutet. Ausserdem hat mich diese DJ – MC – Kombination schon immer fasziniert, weil so der Rapper mehr Raum auf der Bühne ausfüllen kann und man sich auf das Wesentliche konzentrieren kann: Für mich sind das nach wie vor im Hip Hop die Lyrics.

Wann hast du begonnen richtig Songs zu veröffentlichen? Du hast ja schon vier Alben draussen…
Ich hatte von Anfang an das Glück immer Leute um mich zu haben, die mich unterstützt haben. Meine ersten zwei CDs habe ich bei E.S.I.K. aufgenommen, von dem ich auch das Rappen gelernt habe. Damals, als ich noch so mega jung war, hatte ich natürlich noch von gar nix eine Ahnung. E.S.I.K. hat damals ein Talent bei mir gesehen und mich deshalb sehr unterstützt. Als ich dann etwas älter war, habe ich das dritte Tape – ein Collabo mit Mooses, einem Rapper aus Vorarlberg- gemacht, da wir musikalisch super zusammen arbeiten konnten und ähnliche Vorstellungen hatten. Jetzt vor kurzem kam mein neues Solo-Mixtape raus, das man gratis auf meiner Homepage runterladen und pumpen kann:

www.dario-official.com

Wie kommt es zu einen solch hohen Output?
Das Texten ist für mich ein guter Ausgleich zum stumpfen Alltag. Wenn ich nach der Schule Zeit habe, setze ich mich gerne hin, höre Beats und lasse etwas aufgestaute Kreativität raus. So entstehen andauernd neue Parts und Songs. Wenn dann irgendwann genug beisammen sind, mit denen ich zufrieden bin, release ich eine neue CD.

Wie beobachtest du den Rest der Bündner Rapgemeinde?
Am meisten und schon seit meiner Kindheit höre ich Breitbild und feier den Sound abnormal. Im Moment höre ich privat hauptsächlich Französischen und Deutschen Rap, da mir viele von dem Aktuellen Schweizer Tracks zu glatt und technisch klingen. Ali finde ich aber ganz nice.

Suchst du deine Vorbilder lokal oder in Deutschland?
Direkt Vorbilder habe ich eigentlich gar keine, egal ob lokal oder in Deutschland. Bei der produktion meiner letzten Tapes habe ich, wenn ich so drüber nachdenke aus der Scheiz hauptsächlich Greis und Breitbild gehört und aus Deutschland Kool Savas, Megaloh und Chefket.

Was machst du neben der Musik?
Ich gehe noch zur Schule, stehe aber grad kurz vor der Matura und bin ziemlich im Lernstress. Mal schauen, was danach auf mich zukommt. Das ist im Moment noch offen.

Wo siehst du dich in 10 Jahren?
Ich hoffe, dass ich dann einigermaßen von meiner Musik leben kann, mal auf dem Frauenfeld und dem Splash! gespielt habe und immer noch dieselben und auch neue loyale Leute um mich habe. Da ich im Moment noch nicht im festen Arbeitsleben stehe, ist da ja auch noch alles offen und es kann sich noch viel verändern und entwickeln.

Wie ist das Feedback aus Deutschland auf deine Musik?
Gut. Ich spiele auch dort viele Gigs und meine Tapes werden dort runtergeladen. Jedoch ist es noch etwas schwieriger an mediale Aufmerksamkeit zu kommen, weil es natürlich nochmal um einiges mehr an Musikern und auch verschieden Organisatoren und Veranstalter gibt. Die Schweiz ist da dann noch etwas überschaubarer.