«Die Besetzung» von Charles Lewinsky ist ein Stück Theater über das Theater, in dem Andrea Zogg und Anne Hodler ein grossartiges Katz-und-Maus-Spiel zeigen. Zwei sich gegenseitig ausschliessende Arten, die Welt – und die Bretter, die eben diese Welt bedeuten – zu betrachten, stossen in einem Dialog aufeinander, der immer mehr zum Zweikampf wird. Das Theater Chur zeigt «Die Besetzung» am Sonntag, 21. Mai 2017 um 20 Uhr.

Die Stadt hat grosse finanzielle Probleme. Aus finanzpolitischer Sicht ist es deshalb nur logisch, dass man an die «Weichteile» geht, an das, was es im Grunde nicht braucht. Paula Völlmer (Anne Hodler) vertritt die Beratungsfirma, die der Stadt radikale Einschnitte im Theaterhaushalt vorschlagen will. «Mit Zahlen lässt sich nicht diskutieren», ist ihr Credo, und sie kann nicht verstehen, warum ihr Gegenspieler sich von ihren so sauber durchgerechneten Argumenten nicht überzeugen lassen will. Dieser Gegenspieler ist Joachim Albrecht (Andrea Zogg), ein alter Schauspieler, der bereit ist, auch die ausgefallensten Methoden zu versuchen, um das Theater zu retten, in dessen Ensemble er seit vielen Jahren der Star ist. Und er schlüpft für diesen Kampf in immer neue Rollen. Sie kämpft mit den Mitteln der Logik und der Vernunft, während er die Mittel des Theaters einsetzt. Rationalität stösst auf Fantasie, Sachlichkeit auf Zauber. Und während sich die beiden bekämpfen, kommen sie sich näher. So nahe, dass am Schluss nichts mehr so klar und eindeutig ist, wie es am Anfang erschien.

Der Bündner Schauspieler Andrea Zogg, die Berner Schauspielerin Anne Hodler und der Drehbuchautor und Schriftsteller Charles Lewinsky («Fascht e Familie», «Fertig Luschtig») zeigen mit «Die Besetzung» ein klassisches Bühnenstück. Die Ausgangslage ist realistisch: Es geht um die Frage, was gegen die immer radikaleren Sparmassnahmen unternommen werden kann, von denen die Existenz immer mehr staatlich subventionierter Bühnen bedroht ist. Kann man als Theatermacher überhaupt etwas dagegen tun? Oder ist die grosse Zeit der Stadttheater endgültig vorbei? Reto Lang inszeniert diese Produktion des Schweizer Autorentheaters «überLand» als spannenden Krimi und gleichsam filigranes Psychodrama.

 

(Bild: zVg.)