Portrait_Philipp WilhelmIch beginne mit einer Filmempfehlung: „Davos +1.7° Celsius konkret: vom Klimawandel zum Klimahandeln“.

Das Erfrischende im Film: es referieren keine weit entfernten Wissenschaftler, die erklären, dass der Klimawandel wegen des erhöhten Meeresspiegels, Stürmen oder Dürren grosse Gefahren für die Menschheit birgt. Das ist bereits bekannt. Vielmehr kommen viele in der Region vertraute Gesichter zu Wort, die hier leben und arbeiten und die in ihrer oft langjährigen Tätigkeit die Auswirkungen des Klimawandels auf unser eigenes, unmittelbares Lebensumfeld erfahren.

Sie erzählen, wie sich durch die Veränderung des Permafrosts Naturgefahren häufen, wie die Gletscherschmelze den alpinen Wasserhaushalt beeinträchtigt und wie der anhaltende Schneemangel die Grundlage des Wintersporttourismus bedroht. Dem Schneemangel wird dann durch künstliche Beschneiung begegnet, was wiederum enormen Wasser- und Energieverbrauch mit sich bringt und die Ursache des Schneemangels weiter befeuert.

Ein Teufelskreis, der auch den letzten Skeptikern klarmachen sollte, dass es höchste Eisenbahn ist, zu handeln. Der Film zeigt, dass ein konsequenter Klimaschutz im ureigenen Interesse des Berggebiets ist, gerade auch des Wintertourismus. Hier braucht es deutlich mehr Engagement. Einerseits von der Tourismus-Industrie selber, die mit wenigen Ausnahmen kaum Impulse für den Erhalt ihrer wichtigsten Ressource liefert. Aber auch die Politik muss auf allen Ebenen stringenter werden: erneuerbare Energie aus Wasser, Sonne, Wind oder Biomasse müssen gefördert, der Energieverbrauch effizienter werden. Nur so kann die Abhängigkeit von klimaschädlichen Fossilenergieträgern reduziert werden.

Genau das ist die Stossrichtung der Energiestrategie. Bundesbern hat erkannt, dass Energiepolitik und Klimaschutz einhergehen müssen. Das Energiegesetz, über das wir am 21. Mai abstimmen, ist ein wichtiger Schritt in die einzige zukunftsfähige Richtung. Als Bündnerinnen und Bündner können wir uns an der Urne für unsere Zukunft einsetzen, mit einem JA zum Energiegesetz.

Zu sehen ist der Davoser Film unter www.klimawandeldavos.ch.

 

Kommentar

Das Berggebiet und die Wasserkraft brauchen ein NEIN zum Energiegesetz!

Die im Energiegesetz festgehaltenen verbindlichen Zielvorgaben, d.h. die Reduktion des Energieverbrauchs auf den Stand von 1963 mit einer gleichzeitigen Reduktion des Stromverbrauchs um 13 %, sind gemäss Bundesrätin Doris Leuthard „nur zu erreichen mit Massnahmen, die wehtun“. Bei Nichterreichen dieser verbindlichen Zielvorgaben werden dem BFE und dem Bundesrat weitgehende Möglichkeiten für planwirtschaftliche
Zwangsmassnahmen eingeräumt.

Die Energiestrategie missachtet ferner grundlegende technische Grundsätze bezüglich Energiebereitstellung, -Speicherung und -Verteilung. Nur schon deshalb können die utopischen – aber verbindlichen – Zielvorgaben nicht erreicht werden. Happige Zwangsmassnahmen, insbesondere massive Verteuerungen der Benzin- und Dieselpreise, Roadpricing, oder Vorschriften und Verbote im Gebäudebereich werden die Folge sein. Der Bundesrat selber rechnet in seiner Botschaft mit Kosten von 200 Milliarden Franken.

Als Berg- und Tourismuskanton ist Graubünden auf günstige Transportmöglichkeiten und eine bezahlbare Infrastruktur angewiesen. Die utopische Energiestrategie wird die Bergkantone deshalb umso härter treffen.

Über Kosten zu sprechen soll aber ja tunlichst vermieden werden. Stattdessen soll das Energiegesetz für einen Etikettenschwindel nach dem anderen herhalten. Man will uns beispielsweise weiss machen, wir müssten unsere gesamte Stromversorgung umkrempeln und dazu ein massives planwirtschaftliches System installieren. Dies stimmt aber nicht. Die AKWs laufen auch mit dem Energiegesetz bis an ihr Lebensende weiter und die Schweiz befindet sich in keinster Weise in Zugzwang um eine auf 33 Jahre angesetzte Planwirtschaft zu rechtfertigen.

Durch die Missachtung grundlegender technischer Vorgaben wird zudem die Auslandabhängigkeit für Bandstrom erhöht und nicht etwa reduziert. Insbesondere werden wir abhängig von dreckigem Gas- und Kohlestrom, z.B. aus Deutschland. Mit Klima- und Naturschutz hat die Energiestrategie also sicher nichts am Hut, denn Kohle- und Gaskraft sind die grössten CO2-Schleudern auf dem Markt. Im Übrigen, wenn es nur um die CO2-Bilanz ginge, schneiden Windkraft und Photovoltaik im Vergleich zu Atomenergie um einen Faktor zwei respektive zehn schlechter ab. Wir sehen das in Deutschland, welches die Physik eben auch trotz massiver Subventionierung und politischem Wunschdenken nicht umgehen konnte. Erneut stieg deshalb 2016 der CO2-Ausstoss.

Die beste CO2-Bilanz hätte im Übrigen die Wasserkraft, doch gerade die wird durch die marktverzerrende Subventionsmaschinerie seit Jahren zerstört, was durch das Energiegesetz weiter zementiert wird. Als umweltbewusster Bündner ist die Energiestrategie deshalb klar abzulehnen und beispielsweise durch ein Quotenmodell zur Stärkung der Wasserkraft zu ersetzen!

Dr. Andreas Bazzon, SVP, Chur

 

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(Bild: GRHeute)

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