Kürzlich durchforstete ich mein Archiv und fand darin unverwendete Perlen. Nun werde ich in unregelmässigen Abständen hier auf GR Heute, Geschichten, Gedichte und anderes Chrüsimüsi publizieren. Diese Perle hier stammt aus dem Jahre 2015. Viel Spass damit!

Mani Matter lag falsch (Herbst 2015)

Letzte Woche war ich in den Ferien auf der Dominikanischen Republik und habe deswegen zuvor einige Filme und Sendungen auf meiner Swisscombox zur Aufnahme programmiert. Nach meinem ausgiebigen Jetlag-Ausschlafen sah ich mir am Dienstag kurz die angesammelte Mediathek an. Neben einigen Serien, die ich wöchentlich auf meiner To-See-Liste habe, fand ich dann den Film „House at the End of the Street“ mit der Oscarpreisträgerin und „the fappenning“- Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence. Wie so oft bei solchen Filmen aus dem Genre Teenage-Horror geniesst ein solcher Film jeweils nicht meine komplette Aufmerksamkeit und ich koche für meine Frau ein deliziöses Nachtessen nebenbei. Da diesen Filmen eine gewisser Vorhersehbarkeit inne liegt und wie beispielsweise bei dem Film Paranormal Activity einfach auch mal gute dreissig Minuten schlicht und einfach nichts passiert, dachte ich mir nicht viel dabei.

Normalerweise schaue ich Simpsons-Folgen nebenbei, weil ich dort einen grossen Fundus an Folgen schon gesehen habe und diese im Endlos-Zyklus täglich wiederholt werden. Was ich jedoch nicht miteinrechnete, wie schon öfters zuvor, ist die Lautstärke unseres Dampfabzuges während des Kochens. Während ich beim Schälen der Karotten noch relativ gut mit den Dialogen der Schauspieler mitkam und die Handlung noch einigermassen verstand, verlor ich zusehends den roten Faden. Fast wie von selbst stoppte ich den Film kurz und nahm mein Handy zur Hand. Dort suchte ich in meinem Wikipedia App nach dem Film und fand ihn. Eigentlich machte ich dies mit dem Ziel die zwei Minuten an verlorener Story Line aufzuholen, was mir auch ohne Probleme gelang.

Nun ist es bei Wikipedia so, dass unter der Überschrift Handlung, logischerweise jeweils auch die komplette Handlung des Filmes aufgeschrieben ist. Nun kommen wir zur Problematik der ganzen Geschichte. Wenn jemand ein Rubbellos auf der Strasse findet, wird er es auf rubbeln. Wenn jemand einen Marathon läuft, gibt er nicht fünf Meter vor dem Ziel auf. Ebenso verhält es sich mit einer Pointe eines Witzes oder im aktuellen Fall eines Filmes. Viele sind enttäuscht, ich gehöre auch dazu, wenn sie eine Verfilmung eines Buches im Kino als cineastische Darbietung erstmals ansehen. Die besten Geschichten schreibt eben immer noch die eigene Vorstellungskraft, geknüpft mit der Phantasie. Nun bleibt nach dieser kurzen Odyssee im Wissen der Menschheit und dem Ende des Horrorstreifens, (Welch unvorhersehbare Wendung…) bleibt zu sagen, dass Mani Matter falsch lag.

Denn nicht die Hemmungen sind unser grösstes Laster, sondern die nie abklingende Neugier in der heutigen Zeit. Sie nimmt der Fast-Food-Entertainmentbranche den Wind aus den Segeln, spart aber ungezwungen viel lesenswerte und somit auch lebenswerte Zeit ein. Ich verkrieche mich nun in meine Büchersammlung und stelle die digitale Welt in den Flugmodus. So überlasse ich meiner Phantasie die Verantwortung des Pilotenseins und begebe mich in unbekannte Welten.