Das Hockey Pauer Ranking ist eine wöchentliche Hockey Kolumne mit den zehn interessantesten Meldungen, besten Spielern und lustigsten Aktionen der Woche. Ein Ranking, das man nicht immer all zu ernst nehmen sollte.

 

10. Der Sieg gegen Kanada

Die Schweiz schlägt den Turnier-Favoriten Kanada völlig überraschend mit 3:2 nach Verlängerung. Und das, nachdem die Ahorn-Blätter die ersten 20 Minuten komplett dominierten: Nach 15 Minnuten lautete das Schussverhältnis 15:1 für die Kanadier, das Resultat 2:0. Eine Vorführung. Doch dann die Wende im letzten Drittel. Mit etwas Glück schiessen die Schweizer zwei Treffer, und in der Verlängerung zaubert Fabrice Herzog mit einer Einzelleistung den ersten grossen Sieg an dieser WM für die Eidgenossen.

 

Ein historischer Sieg? Naja, das wars nicht. Der 3:0 Sieg gegen die USA im Halbfinale 2013 in Stockholm war grösser, genauso wie der Sieg im Viertelfinale gegen Tschechien. Und auch in der Vorrunde gab es schon grössere Momente: Zum Beispiel an den olympischen Spielen 2006 gegen Kanada und Tschechien.

Nichts desto trotz: ENDLICH wieder mal gegen Kanada gewonnen.

 

Auch wenn die Kanadier die ersten 40 Minuten dominierten und am Ende fast doppelt so viele Torschüsse verzeichneten (45:26). Auch wenn nach dem 2:2-Ausgleich die Kanadier wütend wurden, wieder aufwachten und aufdrehten, und die Schweizer während den letzten 10 Minuten komplett einschnürten. Auch wenn die Schweiz nur dank einem Breakaway gewann, bei dem Verteidiger und Goalie der Kanadier schlecht aussahen. Auch wenn es der einzige Schweizer Torschuss in der Verlängerung war. Auch wenn in der KO-Runde das Ganze nicht so traumhaft ausgehen würde. Auch wenn Rüfenacht auf jeden Fall übelst auf die Fresse kriegen würde, wenn er sich mit Wayne Simmonds anlegen würde.

 


 

 

Egal. Es ist ein Sieg gegen Kanada, und das tut gut und das ist alles was zählt.

 

9. Der Treffer des Turniers

Goil.

 

 

8. Die Niederlage gegen Finnland

Auf den überraschenden Sieg gegen Kanada folgte gestern Abend die Partie gegen Finnland: Ein weiteres Topteam, das die Schweiz „um z’verrecka“ nie bezwingen kann. Das Spiel gegen die Finnen verlief genau gegenteilig als am Abend zuvor gegen Kanada: Nach einem Raketenstart führten die Schweizer innert zehn Minuten mit 2:0, am Ende mussten die Eidgenossen die Partie aber noch aus den Händen geben. Zwei Powerplay-Tore von den Finnen sorgten für den Ausgleich, und in der Verlängerung holten sich die Nordeuropäer den 3:2-Sieg.

 

Kein unverdientes Resultat: Nach dem ersten Drittel verhielten sich die Mannen von Patrick Fischer zu passiv und gaben das Zepter praktisch freiwillig ab. Hätten die Schweizer die Kadenz des ersten Drittel halten können, wäre ein Sieg sicher dringelegen. Die finnische Nati ist dieses Jahr ein Schatten ihrer selbst, und die Fans fordern schon seit langem den Rücktritt ihres Coaches (vor allem nach der Niederlage gegen Frankreich und den schwachen Auftritten gegen Norwegen und Weissrussland).

 

Nichtsdestotrotz darf die Schweiz stolz auf die Leistung sein: Drei Punkte gegen Kanada und Finnland konnte man als Schweizer Fan noch vor zwei Tagen nicht erwarten. Dank diesem (relativ erfolgreichen) Wochenende ist die Viertelfinal-Qualifikation praktisch im Trockenen.

 

 

7. Die Strafe gegen Ambühl

Eine Schlüsselsituation im Spiel gegen Finnland, die zum 2:1-Anschlusstreffer führte, war eine Strafe gegen den einzigen HCD-Spieler…

 

 

 

War das wirklich ein Check gegen den Kopf? Die Schweizer Fans sind sich einig: Die Schulter ist nicht Teil des Kopfes, nie und nimmer hätte Ambühl 2+10 Minuten kassieren sollen. Boarding wäre vielleicht irgendwie noch halbwegs verständlich gewesen.

 

 

6. Die Frage des Turniers

Bleibt Genoni in der Schweiz? Laut einem Interview mit der Aargauer Zeitung ist für den SCB klar: Die NHL ist für ihn kein Thema. Aber mal im Ernst: Verschiedenste Scouts sind an der WM und haben die drei Shutouts en suite miterlebt. Haben gesehen, wie oft Leo die Schweizer Nati im Spiel hält. Und es gibt einige Teams in der NHL, die momentan ein Goalie-Problem haben: Unter anderem die Philadelphia Flyers. Deren GM, Ron Hextall, ist als General Manager von Team Canada an der IIHF WM. Zusammen mit dem Head Coach der Flyers, Dave Hakstol, der als Assistenz-Trainer von Kanada an der Bande steht, durften die zwei hautnah miterleben, wie Genoni hexte. Wie Genoni mittlerweile eine der besten Statistiken aller Goalies am Turnier hat (94.2% Fangquote, 1.38 Gegentore pro Spiel).

 

Hextall und Hakstol werden sich (wie viele andere NHL-Teams) ihre Gedanken machen, ob sie Genoni nicht einen Probevertrag hinlegen wollen. Und dann fragt sich, ob der SCB-Goalie ein mögliches Millionen-Angebot einfach so ablehnen wird. 800’000 sind das Minimum, ein Angebot bis 1.5 Millionen pro Jahr liegt drin. Eine Ausstiegsklausel besitzt der ehemalige HCD-Hexer nämlich wie alle anderen.

 

5. Der Best Case

Die Schweiz schlägt Tschechien, Kanada stolpert gegen Finnland und plötzlich können die Eidgenossen Gruppensieger werden. Ein wahrlich unerwartetes Resultat, das der Schweiz ein relativ leichtes Los im Viertelfinale bescheren würde. Auch wenn die letzten Partien gegen Lettland oder Deutschland meist negativ ausgingen – es wären immer noch die leichteren Gegner als die USA, Russland oder Schweden. Ein Viertelfinale gegen Lettland oder Deutschland, als Gruppensieger und mit möglichem Momentum nach Siegen gegen Kanada und Tschechien? Keine schlechte Ausgangslage für den zweiten Halbfinal-Einzug in diesem Jahrtausend.

 

4. Der Worst Case

Die Schweiz ist noch nicht ganz durch. Im schlimmsten Fall verliert die Schweiz gegen Tschechien, Finnland schlägt Kanada, und Norwegen schlägt Kanada und Weissrussland. Dann würden die Skandinavier die Schweizer noch überholen und die Eidgenossen landen auf dem undankbaren 5. Platz. Das wäre mal ein hässliches Ende für ein eigentlich recht erfolgreiches Abschneiden in den ersten fünf Spielen (mit vier Siegen).

 

3. Der Pessimist sagt:

«Genau so kommt’s! Die Schweiz hat das Pech am Stock, alle anderen Teams sind gegen uns, und am Ende müssen wir mit hängendem Köpfen zuschauen, wie Norwegen sich bis ins Finale durchspielt.»

 

2. Der Realist sagt:

«Die Schweiz schafft den Viertelfinal-Einzug. Nach einem desaströsen Start gegen Slowenien zeigen die Schweizer gutes Eishockey und verdienen sich den Platz in den Top-8. Im Viertelfinale treffen die Eidgenossen auf den Sieger der Gruppe A, USA, und verlieren trotz aufopferndem Kampf mit 3:1. Eine Steigerung gegenüber den letzten drei Jahren, aber halt doch wieder das obligate Viertelfinal-Out.»

 

1. Der Optimist sagt:

 


 

Ähm. Ok. Man darf ja hoffen.

 

(Bild: SRF)