Burgruine Friedau strahlt in neuem Glanz

Die Burgruine Friedau in Zizers wird restauriert und zu einem Kultur-Turm «umfunktioniert» (GRHeute berichtete). Die Aussenbauten sind abgeschlossen, jetzt suchen die Initianten Sponsoren, um ab nächstem Winter den Innenausbau zu finanzieren. Läuft alles nach Plan, wird im Sommer 2018 Eröffnung gefeiert.

«In meinen 50 Jahren Burgenrestauration habe ich so etwas noch nie gesehen», sagt Felix Nöthiger, der den Wiederaufbau der Burg Friedau leitet, «als wir das Projekt eingegeben haben, war nicht klar, wie schwierig es werden würde.» Der Zilliser Historiker hat die Gründe dafür in den letzten zwei Jahren Stein für Stein erforscht. Die Burg war 1386 erstmals ausgebrannt und obwohl damals schon bekannt war, dass sie auf einem sehr ungünstigen Untergrund auf Lehm stand, wurde sie am selben Ort wieder aufgebaut – heute besteht nur noch die Nordwand Richtung Landquart aus dem Original-Bauwerk. Die Burg «hielt» danach fast 500 Jahre, ehe 1897 bei einem Dorfbrand auch die Burg Friedau den Flammen zum Opfer fiel und eine Woche später auseinanderbrach.

Schwieriger Untergrund

Die grössten Probleme der Restaurierung lagen 2016/17 immer noch im Untergrund, wo feuchter Lehmboden, Wasser und Luftlöcher die Statik zu einer Herausforderung machten. Auch dass der Turm in drei Teile «zerbrochen» war und der Schutt ins ausgebrannte Innere geworfen wurde, was in den letzten 120 Jahren zusätzlichen Druck auf die Mauern ausübte, musste gelöst werden. «Wir mussten Techniken anwenden, die bei einer Ruinensicherung noch nie zum Einsatz gekommen waren», erklärt Nöthiger. Dazu wurden durch die zwei Meter starken Mauern leicht schräg betonierte Micropfähle 15 Meter tief in den Lehngrund gebohrt. Mit fünf stark armierten Betondecken und Ankern südafrikanischer Minentechnik konnten die labilen Mauerteile wieder zu einem kompakten Bauwerk zusammengebunden werden. «Die Burg wird sich keinen Zentimeter mehr bewegen. Jetzt geht sie nie mehr kaputt», lacht Nöthiger. Für den 74-Jährigen ist die Burgen-Restauration mehr als ein Hobby. «Geschichte und besonders das Mittelalter haben mich immer fasziniert», so Nöthiger, «für mich geht es in erster Linie ums Lernen am Handwerk. Zum einen gibt es die Theorie, die man aus Büchern lernen kann. Mich interessiert aber viel mehr vor Ort zu verstehen, warum man damals etwas wie machte. Das ist gelebte Geschichte oder wie man es oft nennt: ‚experimentelle Archäologie‘.»

Doppelt so teuer wie geplant

Die erste Phase der Arbeiten ist beendet, nun werden noch die Gärten der Anwohner wieder in Ordnung gebracht. Anschliessend ist für Nöthiger – der auch Museumsprojekte in Maloja und Gstaad leitet, die Domleschger Burgentage präsidiert und im Sommer Weiterbildungskurse für Denkmalpfleger durchführt – aber erstmal «Pause» angesagt.  Weil die Sanierung bisher doppelt so viel kostete wie geplant, muss der Burgenverein Pro Castellis für den Innenausbau zuerst wieder auf Geldsuche. Deshalb wolle man diesen Sommer Stiftungen, Träger der öffentlichen Hand und private Spender angehen, um den Innenausbau des kulturellen Zentrums KULTURM sicherzustellen.

Im 15 Meter hohen Turm sollen dabei auf mehreren Etagen kulturell nutzbare Flächen geschaffen werden: Ein Begrüssungsraum im Erdgeschoss, der «Hauptsaal» im 2. OG mit zwei mit Tuffstein gerahmten Fenstern, die die Bauuntersuchung der Denkmalpflege nachgewiesen hat, sowie eine Aussichtsterrasse, die mit einem Lift erreicht wird. Dieser besteht bereits und wird als Lastenlift eingesetzt. Dazu gibt es eine «Logistiketage» mit Küche und WCs. Zu einem späteren Zeitpunkt soll auch der Keller, der einst als Gefängnis und Folterraum genutzt wurde, restauriert und mit historisch nachweisbaren «Kriminalfällen» zu einem kleinen Museum ausgebaut werden. Die Öffentlichkeit kann die Räume nach Fertigstellung für Lesungen, Ausstellungen, Kleinkunst, Vorträge, Altersnachmittage, Ziviltrauungen, Familienanlässe, Produktvorstellungen, Apéros und andere Events mieten. Bis zu 20 Personen pro Etage – 70 insgesamt – kann die Burg Friedau zukünftig tragen.

Noch eine Million fehlt

«Der ‚eklige‘ Teil ist vorbei, wir haben den Fall gelöst» freut sich Nöthiger nach Ende der schwierigen statischen Herausforderung, «jetzt macht es nur noch Freude.» Der Innenausbau soll im besten Fall im nächsten Winter und Frühling  durchgeführt werden. Die Eröffnung sei dann für Sommer 2018 vorgesehen, sagt Nöthiger. Bisher kostete die Sanierung rund 1,2 Millionen Franken, um das Projekt abschliessen zu können, sind nochmals rund eine Million Franken nötig.

Mehr Infos zum Projekt gibt es hier.

Den Flyer zu den Domleschger Burgentagen sehen Sie hier.

 

 

(Bilder: GRHeute/www.pro-castellis.ch/Wikipedia/Adrian Michael)

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