Das Hockey Pauer Ranking ist eine wöchentliche Hockey Kolumne mit den zehn interessantesten Meldungen, besten Spielern und lustigsten Aktionen der Woche. Ein Ranking, das man nicht immer all zu ernst nehmen sollte.

 

10. Wenigstens das Viertelfinal erreicht

Immerhin. Nach dem Auftakt gegen Slowenien musste man das Schlimmste befürchten: Ein Kader ohne Leader und Stars, ein Trainer, der auf der Abschussliste steht, und dann das Slowenien-Debakel zum WM-Start. Dass die Schweiz danach das Ruder herumriss war erstaunlich und wurde nach dem 3. Drittel gegen Slowenien wohl von wenigen Fans erwartet.

9. Aber wieder einmal das Viertelfinal-Aus

Wieder einmal heisst die Endstation Viertelfinal. Wieder einmal schafft die Schweiz den Sprung in die Top 4 nicht. Im elften Viertelfinale ist es die neunte Niederlage. Das Fazit ist vernichtend: Wir können einfach nicht gewinnen, wenn es drauf ankommt. Und einmal mehr muss man sagen: Was nützen Siege gegen die Grossen in „unwichtigen“ Gruppenspielen?

 

8. Hey, Siege gegen Kanada und Tschechien!

Und insgesamt 15 Punkte in sieben Gruppenspielen – das ist (nach 2013) das beste Resultat einer Schweizer Nati in der Vorrunde. Mehr noch: Die Schweiz verlor bis zum Viertelfinale kein einziges Spiel in der regulären Spielzeit. 7 Spiele, 0 Niederlagen nach regulärer Spielzeit. Zum Vergleich: In den bisherigen 11 Auftritten unter Coach Fischer holte die Schweiz gerade mal vier Siege, drei davon nach regulärer Spielzeit. Das ist ein Husarenstück mit den Siegen gegen Kanada und Tschechien als Tüpfelchen auf dem i.

 

7. Aber Niederlagen gegen Frankreich und Finnland

Man sollte aber nicht nur das blanke Resultat anschauen, denn die Schweiz hatte auch ein paar Tolggen im Heft, die momentan in vielen Medien einfach ignoriert werden. Das Spiel gegen Slowenien war eine Katastrophe. Gegen Frankreich verlor man sogar. Eine Partie wie die gegen Kanada verliert die Schweiz in neun von zehn Fällen – man sollte sich nicht auf die Schulter klopfen für den Sieg, sondern „Puh, brutal viel Schwein gehabt“ sagen. Gegen eine der schwächsten finnischen Natis seit Jahren vergab die Schweiz den sicher geglaubten Sieg. In weniger als der Hälfte der Vorrunden-Spiele verdiente sich die Schweiz ihre Punkte. Einzig gegen Tschechien, Weissrussland und Norwegen stimmte die Bilanz.

 

6. Genoni, Praplan, Löffel und Ambühl überzeugen

Das Kader war ein Team mit vielen No-Names, vielen Rollenspieler. Demzufolge durfte man zu Beginn skeptisch sein. Trotzdem schafften es einige Namen, über sich hinauszuwachsen und trugen zum Erfolg der Schweizer NAti bei. Romain Löffel etablierte sich als sicherer Wert, Vincent Praplan wurde überraschender Topskorer und erwies sich als erstaunlich torgefährlich. Leonardo Genoni war, wie vorausgesagt, auf internationalem Niveau einmal mehr eine Bank, und Andres Ambühl machte da weiter, wo er beim HCD aufhörte – als Motor der ganzen Nati.

 

Dean Kukan überzeugt mit solidem Spiel, und Denis Malgin zeigte, warum er in der NHL eine Rolle fand. Der junge Stürmer der Florida Panthers war mitunter einer der kreativsten Spieler im eidgenössischen Team. Und auch Tanner Richard hinterliess einen positiven Eindruck – der zukünftige Genfer Center zeigte sich in allen Situationen erstaunlich professionell und gehörte zu den erfreulichsten Erscheinungen im Schweizer Sturm.

 

5. Aber Brunner und Hiller haben nichts mehr zu bieten

Dafür waren die (einigermassen) bekannten Stars eine Enttäuschung. Thomas Rüfenacht fehlen die Skills. Der Berner konnte nebst ein paar Hässigkeiten nichts zum Erfolg beitragen. Damien Brunner ist mittlerweile nur noch spekulierender Schönspieler und auf internationalem Niveau hinten wie vorne eine Hypothek. Und Jonas Hiller scheint den Zenit überschritten zu haben und beendete das Turnier mit einer traurigen Fangquote von 81.82% – nur Italiens Goalie Frederic Cloutier war schwächer. Auch Phillipe Furrer (mit zwei dummen Strafen gegen die Slowenen im letzten Drittel), Reto Suri, Denis Hollenstein und Simon Bodenmann haben auf internationalem Niveau wenig bis gar nichts mehr zu suchen.

 

4. Die Goalies waren wie erwartet gut

Niklas Schlegel stand seinen Mann gegen Tschechien. Leonardo Genoni war wie erwähnt der sichere Wert, den man erwarten durfte. Und auch wenn Jonas Hiller eine grottenschlechte WM zeigte – alles in allem stimmte die Bilanz im eidgenössischen Tor. Am Ende hatte die Schweiz insgesamt eine Fangquote von 91.79% und erhielt bloss 17 Tore in 8 Spielen. Einzig Kanada, Schweden und die USA hatten bessere Werte im Tor. An den Goalies lag es nicht.

 

3. Die Verteidigung war erstaunlich ok

Wenn Raphael Diaz der beste Verteidiger im Team ist, dann sagt das einiges über die Qualität aus. Trotz der vielen „mittelmässigen“ Spielern in der Defense überzeugte das Schweizer Spiel im eigenen Drittel. Dean Kukan, Romain Löffel, Ramon Untersander wuchsen über sich hinaus, und Diaz und Phillipe Furrer spielten genügend gut, dass die Schweizer Verteidigung eine Note „ok“ erhält. Einzig Christian Marti schien überfordert.

 

2. Der Sturm war einmal mehr schwach

Einmal mehr. Die Offensive der Schweiz ist seit Jahren die Achillessehne und auch an dieser WM war es nicht anders. Man muss sich diese Statistik mal reinziehen. Seit 2000 (oder 17 Jahren!) hat die Schweiz nur ein einziges Mal mehr als ein Tor in einem Viertelfinale zustande gebracht. Es ist trist, wenn die Goalies eine solide Leistung zeigen, die Verteidigung genügend gut spielt, und dann die Stürmer keine Scheibe im Netz unterbringen können. Das Tor gegen Schweden war genau gesagt sogar ein Eigentor, bei dem die Eidgenossen viel Glück verzeichneten.

 

23 Tore in 8 Spielen, davon 14 gegen Slowenien, Frankreich, Norwegen und Weissrussland. Und zählt man die Eigentore (gegen Kanada und Schweden) noch weg, wirkt das ganze erschreckend: Gerade mal 7 Tore in 4 Spielen gegen Kanada, Schweden, Tschechien und Finnland – das ist ganz einfach zu wenig, wenn die Eidgenossen den nächsten Schritt machen möchten. Die Schweizer Nati braucht dringend Verstärkung in Punkto Torgefährlichkeit, Killerinstinkt und Skorerqualitäten. (Hallo Nino Niederreiter, Timo Meier, Kevin Fiala, Nico Hischier, Sven Bärtschi, Sven Andrighetto, Christoph Bertschy und Joel Vermin).

 

1. Der Trainer überzeugt

Patrick Fischers Stuhl wackelte vor der WM. Das war richtig. Nun hat sich der Coach ein bisschen Luft verschafft – das hat er sich verdient. Seine Einstellung stimmte, er war nach der Viertelfinal-Niederlage enttäuscht, suchte keine Ausreden. Im Interview zeigte sich der Coach von der absolut richtigen Seite, und man darf hoffen, dass dieser Biss sich weiter auf die Spieler überträgt. Fischer wollte ins Halbfinale, und dieser Ehrgeiz ist die richtige Einstellung, wenn die Schweiz einen Schritt nach vorne machen will. Der junge Coach hat an dieser WM mit einem mittelmässigen Kader vieles richtig gemacht, und manch einer spricht von einem erfolgreichen Auftritt. Coach Fischer hat sich diese Lorbeeren insofern verdient.

 

Es ist aber verdammt gefährlich, wenn die Schweiz nun der Meinung ist, es fehle nur noch etwas Glück, und dann gibt es an Olympia 2018 eine Medaille. Die Schweiz hatte dieses Jahr viel Glück, und das Resultat blendet viele Fans von diesem Umstand. Schlussendlich spielte die Schweiz in der massiv einfacheren der beiden Gruppen. Wäre die Slowakei, Deutschland, Dänemark oder Lettland in der Gruppe B gewesen, wer weiss, wie die ersten vier Spiele geendet hätten. Hätte die Schweiz nicht enorm viel Schwein gegen Kanada gehabt, würde niemand von einem grossen Sieg sprechen. Und auch die Spiele gegen (ein in den letzten Jahren stetig schwächer werdendes) Tschechien und gegen (ein absolut unterdurchschnittliches) Finnland sollten nicht überbewertet werden.

 

Die Schweiz zeigte eine überraschend gute Leistung, gepaart mit Los- und Wettkampfglück. Man darf die WM als Erfolg betiteln. Aber die Schweiz tut gut daran, auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben und weiter an sich zu arbeiten. Sonst kommt an Olympia 2018 erneut das böse Erwachen und die hiesigen Medien müssen wieder (wie nach der WM 2014 und 2015) zu „Wie-konnte-das-passieren“-Headlines greifen.

 

 

(Bild: Youtube)