Visarte.graubünden, der Berufsverband für bildende Künstlerinnen und Künstler, ist nicht zufrieden mit der Personalrochade am Kunstmuseum. 

Im Zuge einer Restrukturierung hatte Regierungsrat Martin Jäger vergangene Woche in Abstimmung mit dem Amt für Kultur des Kantons Graubünden entschieden, dass die Führungsspitze des Bündner Kunstmuseums (BKM) umgebaut wird. Per sofort übernimmt Stephan Kunz neu die Position des Hauptkurators und gibt seine Funktion als Direktor an Nicole Seeberger ab, welche vorerst für zwölf Monate interimistisch die Leitung des BKM übernimmt. Für visarte.graubünden, den Berufsverband für bildende Künstlerinnen und Künstler ein nicht nachvollziehbarer Entscheid. 

«Die Zurückstufung eines Direktors zum Hauptkurator seines Museums ist drastisch. Und er ist nicht nachvollziehbar, ohne klare Faktenlage, auf Grund derer die Notwendigkeit einer solchen Massnahme deutlich wird. Was die aktuelle Situation im Bündner Kunstmuseum (BKM) betrifft, ist von der verantwortlichen Amtsstelle nichts vorgebracht worden, was einen derartigen Entscheid rechtfertigen würde», schreiben die Verantwortlichen in einer Medienmitteilung, «

Der Mangel an Informationen führt zu Fragen, zu Spekulationen und letztlich zum Unverständnis gegenüber dem Entscheid: Welche Unzulänglichkeiten sind im BKM zum Vorschein gekommen, die eine Zurückstufung des Direktors Stephan Kunz unumgänglich machen? Grobe Versäumnisse oder Veruntreuungen können es nicht sein. Diese würden zu einer Kündigung führen. Lappalien dürfen auch nicht den Ausschlag gegeben haben. Zu gross wäre der dadurch angerichtete Schaden. Um organisatorische und finanzielle Verbesserungen zu erreichen, böten sich konstruktive Lösungen an, ohne im gleichen Zug die fachliche Exzellenz zu opfern. Vor diesem Hintergrund erscheint der Personalentscheid willkürlich. Die strukturellen Probleme eines Museums, das mit dem Neubau seinen Platz verdreifacht hat und dafür keine zusätzlichen personellen und finanziellen Ressourcen erhält, sind in der jetzigen Situation durch keinen Direktor, keine Direktorin zu lösen, nur durch das zuständige Amt und die Regierung. Wird hier ein Direktor Bauernopfer bekannter struktureller Mängel? Wird Stephan Kunz zum Bauernopfer eines bekannten strukturellen Grundproblems des neuen BKM, dessen dringlicher Lösung sich zuständiges Amt und Regierung verweigern/entziehen?

Die visarte.graubünden, Berufsverband für Bildende Künstlerinnen und Künstler, für Architektinnen und Architekten und für Kuratierende, schaut auf eine lebendige Zusammenarbeit mit dem BKM zurück. Es ist ein grosses Versprechen, wenn Stephan Kunz anlässlich der visarte Jubiläumsausstellung «Archiv – 80 Jahre Bündner Kunst» am 4. Dezember letzten Jahres sagte: «Das Museum ist die Heimat für die Bündner Künstlerinnen und Künstler». Ihn daran zu messen, dafür sieht sich die visarte.graubünden in der Pflicht. Stephan Kunz macht sich für gute Kunst stark. Er hat sich auch für Bündner Kunst stark gemacht, und zwar deshalb, weil sie gut ist. So ist das BKM nicht Parkplatz für ruhende Kunstschaffende, sondern Heimat für künstlerisches Engagement der höchsten Konzentration. Ihm kommt die Schnittstelle von Bündner Künstlerinnen und Künstlern zur nationalen und internationalen Gegenwartskunst zu. Stephan Kunz hat viel versprochen. Und er hat viel erreicht. Er versteht das neue Haus als Instrument, mit dem er für die Kunst in Graubünden eine Wirkung weit über die Kantons- und Landesgrenzen hinaus erreicht.

Stephan Kunz als Direktor des BKM ist ein Glücksfall für die visarte.graubünden, für die Kunstschaffenden und für einen Kanton, der sich zunehmend auf seine kulturellen Werte besinnen will und muss. Die Zurückstufung vom Direktor zum Hauptkurator richtet aus Sicht der visarte.graubünden grossen Schaden im gesamten Wirkungsradius des Museums an. Der Entscheid des zuständigen Regierungsrats ist für die visarte.graubünden inakzeptabel.»

 

(Bild: Wikipedia/Adrian Michael)