Die SP Graubünden hat gestern kommunizert, wer nächstes Jahr bei den Regierungsratswahlen ins Rennen um die Verteidigung ihres Sitzes steigt. Nach dreimonatigen Vorwahlen nach US-Vorbild hat Grossrat und Gewerkschafter Peter Peyer die interne Hürde gemeistert und SP-Fraktionspräsident Andreas Thöny aus dem Rennen geworfen. Peyer soll den SP-Sitz des zurücktretenden Martin Jäger verteidigen. 

Wie schon bei den Churer Stadtratswahlen haben die SP-Werber auch bei den Bündner Regierungsratswahlen 2018 auf eine Plakatkampagne lange vor den Wahlen gesetzt, diesmal ein ganzes Jahr vor dem Wahltag (10. Juni 2018). Der Plan ist halbwegs aufgegangen: Die Aktion rückte die Bündner SP in die öffentliche Wahrnehmung und wurde medial begleitet. Auch wenn einige die Stirn runzelten, warum die Bündner SP betonen musste, dass man die US-Vorwahl-Shows zum Vorbild nahm. Im Gegensatz zu den Churer Stadtratswahlen, als man mit der frühen Plakatkampagne (den damals wenig bekannten, späteren Stadtrat) Patrik Degiacomi erfolgreich den Churer Wählerinnen und Wählen vorstellte, war die diesjährige Kampagne weniger durchschlagend: Beide Kandidaten – Gewerkschafter und Grossrat Peter Peyer und Fraktionspräsident Andreas Thöny – waren schon vor dem Auswahlverfahren mehr oder weniger bekannte Bündner Politiker. 1475 stimmten bei den Vorwahlen letztlich mit, um den «linkeren» Peyer aus Chur oder den «moderateren» Thöny aus Landquart im Wahlkampf 2018 zu sehen. 

SP

Peter Peyer setzte sich letztlich klar mit 868:586-Stimmen gegen Andreas Thöny durch. Heute sei angesichts der ersten Vorwahlen in der Schweiz ein «kleiner historischer Moment», sagte Peyer, «es macht mich stolz, der erste Kandidat zu sein, der in diesem fortschrittlichen Verfahren nominiert wird». ‚Fortschritt‘, das ist für Peter Peyer eines der Schlüsselworte in der bevorstehenden Kampagne. «Fortschritt ist ein grosses Wort. Und verstanden als Mittel zur Verbesserung des Lebens aller ist Fortschritt eine noch viel grössere Idee. Kurz: Fortschritt ist keine leichte Sache. Aber: Fortschritt ist immer wieder möglich.»

Der unterlegene Andreas Thöny akzeptierte die Niederlage. «Nach drei Monaten intensivem Vorwahlkampf wäre es natürlich schöner gewesen, heute als Sieger dazustehen», meinte der unterlegene Fraktionspräsident, «nun, die Mehrheit und die Demokratie haben gesprochen, und das ist ohne Murren zu akzeptieren.» In Richtung des Wahlsiegers schickte er mehr als Gratulationen. Peyer sei ein überaus fairer Mitbewerber, der den Sieg verdient habe: «Auch deshalb hat Peter meine volle Unterstützung für die kommenden Monate, wenn es darum geht, den Sitz der SP in der Bündner Regierung zu verteidigen.» 

Bei der Lancierung von Peter Peyer als Kandidat bediente sich die SP Graubünden – wie schon bei Patrik Degiacomi bei den Churer Stadtratswahlen – bei seiner Lebensgeschichte, von der einfachen Kindheit in einer Arbeiterfamilie bis zu heute, wo er in Gremien sitze, «die bis vor kurzem noch den Wirtschafts- und Politeliten des Kantons und meiner Region vorbehalten waren.» Sein Werdegang zeige, dass sich die Gesellschaft geöffnet habe. Womit wir wieder in den USA wären, beim geflügelten Wort der Tellerwäscherkarriere, die in den Bündner Regierungsrat führen könne. Die Stunde des 51-jährigen Churer Gewerkschaftssekretärs schlägt vielleicht im nächsten Frühling. «Bei aller Freude ist mir bewusst: Das ist ein erster Schritt. Der Weg ist noch weit. Das Ziel ist der 10. Juni 2018.»

Der Weg wird auf jeden Fall nicht einfach: Schon der amtierende Martin Jäger – zuletzt in der eigenen Partei unter Beschuss – hatte bei den letzten Regierungsratswahlen Mühe, seinen SP-Sitz zu verteidigen. Die Ausgangslage ist delikat: Die CVP schielt auf den freiwerdenden Sitz, ebenso die SVP, die nicht in der Bündner Regierung vertreten ist. Dazu kommt, dass die BDP ihre beiden Sitze halten will und mit Andreas Felix (neben Jon Domenic Parolini) ebenfalls einen «Neuen» ins Rennen schickt. Nur die FDP mit Regierungsrat Christian Rathgeb kann sich einigermassen sicher sein. Sprich: Es sieht zurzeit danach aus, als ob jede Partei für sich nächsten Frühling ins Rennen um einen Sitz in der Bündner Regierung startet.

 

Ausgangslage

Regierung

Bündner Regierungsratswahlen 2018

Bisherige (v.r.n.l.)

  • Jon Domenic Parolini (BDP, seit 2014)
  • Christian Rathgeb (FDP, seit 2012)
  • Mario Cavigelli (CVP, seit 2010)

Frei werdende Sitze

  • Barbara Janom Steiner (BDP, Amtszeitbeschränkung)
  • Martin Jäger (SP, Rücktritt)

Kandidaten für die beiden frei werdenden Sitze

  • BDP: Andreas Felix
  • SP: Peter Peyer
  • CVP: offen
  • SVP: offen

 

 

(Bilder: zVg./Standeskanzlei Graubünden/SP Graubünden)