Das Hockey Pauer Ranking ist eine wöchentliche Hockey Kolumne mit den zehn interessantesten Meldungen, besten Spielern und lustigsten Aktionen der Woche. Ein Ranking, das man nicht immer all zu ernst nehmen sollte.

 

5. Eine verrückte Woche in der NHL

Diese Woche bewegte sich einiges in der besten Liga der Welt. Zum ersten fand Mitte Woche der lang erwartete Expansion Draft für das neue Team, die Vegas Golden Knights, statt. Dieser hatte bereits einen relativ grossen Einfluss auf die Schweizer Spieler in Übersee. Da die Teams ein paar Kader-Manöver machen mussten, um gewissen Spieler zu halten, hatte dies zur Folge, dass einige Schweizer NHL Spieler einen neuen Arbeitgeber erhielten:

 

Luca Sbisa wurde von den Vancouver Canucks nicht beschützt und (etwas überraschend) von den neuen Vegas Golden Knights gezogen. Der Verteidiger spielt ab nächster Saison also voaussichtlich in der Wüste Nevadas(ein Abschieben in die AHL scheint unrealistisch).

 

Mirco Müller hat das Vertrauen bei San Jose verloren und wurde (relativ günstig) zu den New Jersey Devils getradet. Der junge Verteidiger, der vor vier Jahren an 17. Stelle mit hohen Erwartungen gedraftet wurde, konnte sich in Kalifornien nicht durchsetzen. Bei New Jersey bietet sich dem 21-Jährigen eine neue Chance.

 

Und zwei Schweizer AHL Spieler der Tampa Bay Lightning brechen ihre Zelt in Übersee ab: Nach vier Jahren haben die beiden Stürmer ihre NHL-Chance aufgegeben und kehren in die Schweiz zurück: Joel Vermin unterschrieb bei Lausanne HC, Tanner Richard bei Genf-Servette HC.

 

4.     Nico Hischier schreibt Geschichte

Lange vorausgesagt, ist es endlich eingetroffen. Nico Hischier schreibt Geschichte und wird als erster Schweizer überhaupt als First Overall gedraftet. Das heisst, die NHL-Community (allen voran die New Jersey Devils) glauben, dass der Walliser der beste Spieler weltweit seines Jahrganges ist. Eine Wahnsinnsleistung. Und die höchste Rangierung eines Schweizers im NHL Draft. Nino Niederreiter muss die Krone nun also offiziell abgeben.

 

Die Liste der Schweizer 19 Erst- und Zweitrunden-Draftpicks in der Geschichte (in kursiv die Doppelbürger, die offiziell zwar als Kadana-Schweizer gelten, aber nie eine Schweizer Juniorenausbildung genossen):

 

1 Nico Hischier 2017 New Jersey Devils
4 Zarley Zalapski 1986 Pittsburgh Penguins
5 Nino Niederreiter 2010 New York Islanders
9 Timo Meier 2015 San Jose Sharks
11 Kevin Fiala 2014 Nashville Predators
13 Sven Bärtschi 2011 Calgary Flames
14 Michel Riesen 1997 Edmonton Oilers
18 Mirco Müller 2013 San Jose Sharks
19 Luca Sbisa 2008 Philadelphia Flyers
24 Luca Cereda 1999 Toronto Maple Leafs
26 Cory Schneider 2004 Vancouver Canucks
32 Mike Kaszycki 1976 New York Islanders
34 Tobias Stephan 2002 Dallas Stars  
38 Roman Josi 2008 Nashville Predators
39 Tim Ramholt 2003 Calgary Flames
46 Dan Fritsche 2003 Columbus Blue Jackets
47 Tom Fritsche 2005 Colorado Avalanche
53 Noah Rod 2014 San Jose Sharks
57 Jonas Siegenthaler 2015 Washington Capitals

 

5.     Gilles Senn’s Zukunft in Übersee?

 


 

Die New Jersey Devils sind innert drei Tagen vom Team, das (abgesehen von einem Kurzauftritt von Damien Brunner) noch nie einen Eidgenossen in ihren Reihen zählen durften, zu den „Swiss Devils“ mutiert. Nico Hischier, Mirco Müller, und zuletzt Gilles Senn: Gleich an drei Schweizern sicherte sich das Team an der Ostküste die Vertragsrechte. hcd.ch fragt euphorisch:

Verlässt Gilles Senn nun den HCD Richtung Amerika? Eher (noch) nicht.

Noch nicht? Ähm… Immer langsam: Wer sich ein bisschen mit dem NHL Draft befasst, hält seine Erwartungen tief: Gilles Senn ist der 14. Goalie, der im Draft genommen wurde. Er ist jetzt der nominell 8. Goalie im Kader der New Jersey Devils. Er wurde drei Jahre lang nicht gedraftet (dh. 30 Teams haben insgesamt 630 Chancen ausgelassen, den Walliser im Diensten des HCD zu draften), bevor er als Overager (in seiner letzten Chance) von den Devils an 129. Stelle gezogen wurde.

 

Die Goalie-Tiefe bei den Devils liesst sich wie folgt: Cory Schneider, Keith Kinkaid, MacKenzie Blackwood, Ken Appleby, Evan Cormier, Anders Lindback, Scott Wedgewood, und dann Gilles Senn.

 

Was meinen die Devils-Reporter zu Senn?

 

„Senn war der Starting Goalie bei Davos. Aber seine Leistung ist mittelmässig. In der NLA wies er die 13.-beste Statistik auf, das ist kein grossartiges Zeugnis. Der grosse Torhüter wurde drei Draftjahre nicht gezogen, alleine deswegen ist die Wahl bereits eine Überraschung. Senn könnte zwar direkt in der ECHL, AHL oder NHL eingesetzt werden (wegen des hohen Alters), damit das geschieht, müssten die Devils aber Platz schaffen, in dem sie einen anderen Goalie ziehen lassen. Das scheint unrealistisch. Das Goalie-Kader der Devils ist bereits ausgelastet: Schneider, Blackwood, Edgewood, Appleby. Ganz zu schweigen vom Jungtalent Evan Cormier. Von allen Picks ist das der einzige, der für mich nicht wirklich verständlich ist.“ (John Fischer, allaboutthejersey)

 

Wenn man schaut, wie lange es dauert, bis ein Goalie sich in der NHL (Durchschnittsalter ist über 25 Jahre) etabliert, und wie wenige Fünft-Runden-Picks den Sprung schaffen, darf man als HCD Fan getrost sagen: Gilles Senn wird noch mindestens zwei Saisons im Landwassertal bleiben, bevor ein möglicher Sprung nach Übersee überhaupt eine Option ist. Momentan realistischer ist, dass Senn nie zu den Devils wechseln wird.

 

2.     Die Draft Zahlen – Europa im Aufwind

Zum ersten Mal in der Geschichte wurden mehr als 40% Europäer in die NHL gedraftet.

Anzahl gedrafteter Spieler aus Nordamerika und Europa pro Jahr

grh_nhl_draft_entwicklung_NAvsEU

In den letzten 15 Jahren hat sich die Kurve stetig nach oben entwickelt. Früher stellte Kanada rund 50% aller NHL Spieler, die USA 25% und Europa den Rest. Mittlerweile haben die Nordamerikaner aber stetig an Boden verloren: Kanada hat noch rund 40% aller Spieler, die USA rund 20%, und der Rest kommt aus Europa.

 

Die Schweiz hat zwar keine grossen Sprünge gemacht (in der Klammer hinter den Jahreszahlen sieht man die Anzahl Schweizer Draft-Spieler), aber insgesamt zeigt die Entwicklung auf: Die NHL wird laufend internationaler. Und das kommt der Schweiz nur zu Gute. Einige Experten nennen es den „Lock-out“ Effekt: 2004/05 spielten viele NHL Stars in Europa, die damaligen Kids kriegten eine direkte Chance, Thornton und Nash in Echt zu bewundern und wurden inspiriert, ihre Ziele hoch zu stecken.

 

Ganz extrem ist dabei der Sprung der Finnen: Vor 10 Jahren wurden noch vier Finnen gedraftet, der beste war dabei Pick Nummer 115. Dieses Jahr explodierten die Nordeuropäer förmlich und waren eine der beliebtesten Talent-Schmiede: Sechs Spieler in der ersten Runde, sechs in der zweiten Runde. Die nächste Generation Finnlands wird brandgefährlich.

 

The Difference Between the 2007 and 2017 Finnish Draft Classes


 

 

 

1.     Nino noch ohne Vertrag

Jetzt wird es spannend. Am 1. Juli läuft Ninos Vertrag aus. Und die Minnesota Wild sind unter Zugzwang – das Salary Cap setzt das Team aus dem Norden massiv unter Druck. Das ist die Ausgangslage:

 

Momentan haben die Minnesota Wild noch 13.45 Millionen US Dollar, um folgende Spieler zu verpflichten: Nino Niederreiter, Mikael Granlund, Christian Folin, einen siebten Verteidiger, und drei Viert-Linien-Stürmer.

 

Angenommen Folin erhält 950’000 USD (was relativ günstig, aber realistisch ist). Dann bleiben noch 12.5 Millionen USD.

 

Die anderen vier Spieler (siebter Verteidiger und drei Viert-Linien-Spieler) erhalten das Liga-Minimum von 650’000 USD. Dann bleiben noch 9.9 Millionen USD.

 

Wenn General Manager Fletcher es schafft, Nino Niederreiter und Mikael Granlund für 9.9 Millionen USD unter Vertrag zu kriegen, wäre das ein Coup. Beide Stars müssten einen massiven Rabatt zulassen und für unter 4.5 Millionen USD unterschreiben. Wir haben mehrfach aufgezeigt, dass Nino’s Wert irgendwo zwischen 5.2-5.5 Millionen USD liegt, ganz zu schweigen von Granlund, der wohl kaum unter 5.8 Millionen USD zu kriegen ist. Drei mögliche Szenarien:

 

  • Es ist möglich, dass die beiden Stürmer einen günstigen Vertrag unterschreiben, um es dem Team leichter zu machen, unter die Lohnobergrenze zu fallen. Nino und Granlund tun den Minnsota Wild so kurzfristig einen Gefallen, kassieren aber nächstes Jahr umso mehr ab.

 

  • Es ist auch möglich, dass die Minnesota Wild einen anderen Spieler abschieben oder (zwangsläufig für günstig) wegtraden, um Platz für Niederreiter und Granlund zu schaffen. Pominville oder Scandella zum Beispiel wären in diesem Fall zum Beispiel für Peanuts zu haben (da die anderen Teams um das Dillemma der Minnesota Wild wissen)

 

  • Es besteht aber auch immer noch die kleine Möglichkeit, dass Minnesota sich nur einen der beiden Jungstürmer leisten will/kann und den anderen für viel Gegenwert tradet. Nino bei einem anderen Team? Unwahrscheinlich, aber immer noch nicht ganz ausgeschlossen. (Hey, Nashville hat gerade rund 5 Millionen USD Platz geschaffen mit dem Vegas Draft – wie wäre ein Blockbuster-Tausch Fiala gegen Niederreiter?). Man darf gespannt sein.

 

 

(Bild: HCD Twitter @hockeysince1291)