In Sachen Unbegleitete Minderjährige Asylsuchende (UMA) hat der Kanton Graubünden vieles richtig gemacht. Der Schweizer Flüchtlingsexperte Peter Arbenz sieht vor allem im Betreuungsschlüssel Verbesserungspotential.

Gut 63 UMA leben derzeit in den Transitzentren Davos Laret und Trimmis. «Das sind besonders Schutzbedürftige. 80 Prozent von ihnen sind traumatisiert», sagte Peter Arbenz, ehemaliger Direktor des Bundesamts für Flüchtlinge an einer Medienkonferenz vom Donnerstag. Er war gerufen worden, weil die Regierung des Kantons Graubünden verschiedentlich für ihren Umgang mit den UMA kritisiert worden war.

Diese Vorwürfe konnte Peter Arbenz entkräften. Er stellte dem Kanton Graubünden ein gutes Zeugnis aus. «Man könnte den Betreuungsschlüssel noch erhöhen», sagte der Flüchtlingsexperte. Von derzeit 1:9 auf 1:7. Doch sei diesem Anliegen bereits entsprochen worden: Das Betreuerpersonal für die UMA in Davos Laret kann um eine Person aufgestockt werden.

Die 63 UMA leben im gleichen Haus wie Familien und Erwachsene, aber in getrennten Bereichen. «Sie sollen nicht mit Erwachsenen zusammen leben», sagte Peter Arbenz. In Davos Laret leben auch ein paar junge Frauen, sie verbringen ihre Zeit tagsüber im Kloster Cazis.

Bemängelt wurde vor knapp einem halben Jahr, dass einzelne UMA Hunger leiden müssten und die Betreuer nicht in jedem Fall adäquat auf sie eingehen könnten. Auch das hat Peter Arbenz teilweise entkräftet: «Bekanntermassen haben Halbwüchsige im Wachstum immer einen grossen Appetit. Dafür stehen sowohl in Davos Laret als auch in Trimmis jederzeit Früchte bereit. » Allerdings hätte es sich auch gezeigt, dass einzelne Betreuer zu wenig Erfahrungen und Qualifikationen in pädagogischer und interkultureller Hinsicht hätten. Sie sollten die Möglichkeit erhalten, an Weiterbildunsgprogrammen teilnehmen zu können.

Sehr wichtig ist auch die Integration der UMA. So sollen ihnen Praktika ermöglicht werden, damit sie in den Arbeitsprozess integriert werden können. «Es darf nicht sein, dass sie in die Sozialhilfe abrutschen», sage Peter Arbenz. «Das sind initiative Leute, immerhin sind sie bis hierher gekommen.»

Regierungsrat Christian Rathgeb zeigte sich mit dem Ergebnis der Untersuchung zufrieden. «Ich bin froh, dass die Vorwürfe entkräftet sind.» Insbesondere weil davon auszugehen ist, dass in naher Zukunft vor allem UMA in die Schweiz einreisen würden. «An einem Treffen mit verschiedenen Verantwortlichen der italienischen Behörden in Bozen wurde gesagt, dass der Anteil der UMA jetzt schon 80 Prozent beträgt», sagte Christian Rathgeb. Er wies auch darauf hin, dass die Schlepper wahrscheinlich neue Routen angehen würden, «solche, die bisher unbekannt waren.»

Der Regierungsrat will sich bis Anfang September Zeit geben, um den Bericht von Peter Arbenz zu analysieren und allfällige Änderungen anzugehen. Der vollständige Bericht des Flüchtlingsexperten findet sich hier.

(Bild: GRHeute)