Dustin Kleins Ballett „Old News“ auf Burg Riom uraufgeführt

In der Spirale der Macht – die Diktatur als Perpetuum Mobile

Am Sonntag wurde auf Burg Riom Dustin Kleins Ballett „Old News“ uraufgeführt. Kleins Werk befasst sich mit dem Wesen der Tyrannei und interpretiert das neue Diktatorentum, das weltweit grassiert, als unentrinnbares Perpetuum Mobile der Macht. Eine rasant getanzte Arbeit – zeitgenössisch, aktuell, beklemmend. Das Publikum war begeistert.

Dustin Klein choreographiert erstmals für Origen. Klein ist Mitglied des Bayerischen Staatsballetts und hat eine ganze Reihe choreographischer Arbeiten auf die Bühne gebracht, zuletzt für das Moskauer Stanislavsky Theater und das Münchner Prinzregentheater. In seinem Werk hinterfragt er das westliche Konzept von Gut und Böse, von Macht und Unterdrückung, von Diktatur und Tyrannei.

Studie zur (neuen) Tyrannei

Dustin Klein schreibt: „Rechtfertigt das Ende immer die Mittel? Können gute Absichten verwerfliche Handlungen jemals reinwaschen? Was ist mit den Tyrannen unserer Geschichte: werden sie erlöst? In Old News wird das Konzept des absoluten Bösen und unsere oftmals eindimensionale Wahrnehmung historischer Figuren hinterfragt, um den vielschichtigen Menschen hinter den Gräueltaten zu finden und um seine Triumphe, Emotionen, Beweggründe und Ängste zu verstehen. In der tänzerischen Darstellung von Macht und Ohnmacht zeigt sich das Wesen der Tyrannei im menschlichen Verhalten. Rollen ändern sich; Macht verlagert sich; Zeit, Ort und Massstab werden irrelevant.“

Unentrinnbares Machtspiel

Dustin Kleins Stück ist von mechanischer Gestik geprägt. Die Figuren in seinem Stück bewegen sich wie ferngesteuerte Menschen in einem grossen maschinellen Getriebe. Sie reichen die Macht in Form eines goldenen Gewandes weiter: jeder kann zum Herrscher
werden, aber keiner hält der Versuchung stand. Wer die Macht hat, wird korrumpiert – oder vielmehr: ist schon korrumpiert. Beklemmend an Kleins Kreation ist die hoffnungslose Dimension seines Spiels: die Figuren in „Old News“ haben sich längst an ihr Schicksal gewohnt, Unterdrückung gehört zum Alltag. Es ist nicht das persönliche, dramatische Schicksal des Individuums, das die Koloratur des Stückes bestimmt – es ist vielmehr die fatalistische Monotonie des ewigen Machtzyklusses, die Beklemmung hinterlässt und die Frage stellt: Ist die Welt schon verloren?

Tänzer des Bayerischen Staatsballetts

In Dustin Kleins Choreographie wirken Tänzer des Bayerischen Staatsballetts mit: Dukin Seo, Nicholas Losada, Nicha Rodboon, Mara Daniela González Muñoz und der Brite Jonah Cook, dem jüngst der diesjährige Konstanze-Vernon-Preis zugesprochen wurde. Die Musik wurde von Simon Karlstetter komponiert. Kostüm- und Bühnenbild stammen von Louise Flanagan. Am Lichtpult sitzen Jorge Bompadre und Marc Laperrouze, den Ton richtete Frank Bourguin ein.
Weitere Informationen gibt es online unter www.origen.ch.

(Quelle/Bilder: Origen, Bowie Verschuuren)

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