Die Sommerpause ist eine tote Zeit für alle Hockey-Fans? Nicht ganz.

Denn die NHL Teams stecken in den Verhandlungen der auslaufenden Verträge, und das ist mitunter hochspannend zu beobachten, vor allem in Bezug auf die Lohnobergrenze. Und natürlich im Hinblick auf den kommenden Vertrag von Nino Niederreiter. Allerspätestens Anfang August wird bekannt, wie viel Nino in Zukunft verdienen wird.

 

Anfang Juli unterschrieb Connor McDavid, der junge Superstar der Edmonton Oilers und designierte „beste Spieler der Welt“ den bisher höchst dotierten Vertrag aller Zeiten: 12.5 Millionen US Dollar pro Jahr erhält der junge Kanadier pro Saison, und das bis 2026. Zum ersten Mal kostet also ein Hockeyaner mehr als 11 Millionen US Dollar pro Saison.

 

Bisher ist es erst drei weiteren Spieler gelungen, die 10 Millionen-Grenze zu knacken: Jonathan Toews und Patrick Kane unterschrieben beide bei den Chicago Blackhawks für 10.5 Millionen US Dollar, und der Slowene Anze Kopitar erhält von den Los Angeles Kings 10 Millionen US Dollar pro Saison. Die zehn teuersten Spieler (nebst dem nächste Saison beginnenden Vertrag von Connor McDavid) liest sich wie ein Who-is-who der Hockey Welt:

 

  Name Team AAV ($)
1 Patrick Kane Chicago Blackhawks 10’500’000.00
2 Jonathan Toews Chicago Blackhawks 10’500’000.00
3 Anze Kopitar Los Angeles Kings 10’000’000.00
4 Alex Ovechkin Washington Capitals 9’538’462.00
5 Evgeni Malkin Pittsburgh Penguins 9’500’000.00
6 P.K. Subban Nashville Predators 9’000’000.00
7 Sidney Crosby Pittsburgh Penguins 8’700’000.00
8 Corey Perry Anaheim Ducks 8’625’000.00
9 Steven Stamkos Tampa Bay Lightning 8’500’000.00
10 Henrik Lundquist New York Rangers 8’500’000.00

 

 

Doch wie steht es mit den Schweizer Verträgen? Bisher hat noch kein Eidgenosse die 6 Millionen-Grenze (pro Saison) geknackt, nichts desto trotz gibt es bereits einige Schweizer NHL-Millionäre. 15 siebenstellige Verträge wurden bereits an Schweizer Spieler ausgehändigt.

 

Und wer sind die Spitzenverdiener im Detail? Dank Websites wie Capfriendly.com oder spotrac.com sind sämtliche Verträge inkl. Bonis und allen anderen Details transparent einsehbar.

 

Den teuersten Vertrag pro Jahr unterschrieb Mark Streit bei den Philadelphia Flyers. Es ist notabene auch der einzige Vertrag, der höher als 5 Millionen US Dollar pro Saison dotiert ist.

 

Das ist aber nicht der höchste Verdienst aller Schweizer: Roman Josi erhält zwar „nur“ 4 Millionen US Dollar pro Jahr, dies aber über eine Dauer von sieben Jahren. Mit 28 Millionen US Dollar verdient der Verteidiger der Nashville Predators somit mehr als alle anderen Eidgenossen.

 

Über den Verlauf der Karriere gesehen ist Mark Streit mit 41.5 Millionen US Dollar aber immer noch der Topverdiener, gefolgt von Josis 28 Millionen US Dollar und Jonas Hillers 27 Millionen US Dollar.

 

Die 15 Schweizer NHL-Millionen-Verträge

 

Nr. Name Team AAV ($) Jahre Total ($)
1 Mark Streit Philadelphia Flyers 5’250’000.00 4 21’000’000.00
2 Jonas Hiller Anaheim Ducks 4’500’000.00 4 18’000’000.00
3 Jonas Hiller Calgary Flames 4’500’000.00 2 9’000’000.00
4 Mark Streit New York Islanders 4’100’000.00 5 20’500’000.00
5 Roman Josi Nashville Predators 4’000’000.00 7 28’000’000.00
6 Martin Gerber Ottawa Senators 3’700’000.00 3 11’100’000.00
7 Luca Sbisa Vancouver Canucks 3’600’000.00 3 10’800’000.00
8 Nino Niederreiter Minnesota Wild 2’666’667.00 3 8’000’001.00
9 Damien Brunner New Jersey Devils 2’500’000.00 2 5’000’000.00
10 Luca Sbisa Anaheim Ducks 2’175’000.00 4 8’700’000.00
11 Sven Bärtschi Vancouver Canucks 1’850’000.00 2 3’700’000.00
12 Yannick Weber Vancouver Canucks 1’500’000.00 1 1’500’000.00
13 Reto Berra Colorado Avalanche 1’450’000.00 3 4’350’000.00
14 Sven Bärtschi Calgary Flames 1’425’000.00 4 5’700’000.00
15 Sven Andrighetto Colorado Avalanche 1’400’000.00 2 2’800’000.00

 

 

Womit wir bei unserem Lieblingsspieler angelangt sind.

 

Um es vorwegzunehmen: Auch Nino Niederreiter wird die 6-Millionen-Grenze nicht knacken. Aber er könnte der erste Schweizer aller Zeiten sein, der einen Vertrag mit Gesamtwert von über 30 Millionen US Dollar unterzeichnet. Auf dem freien Markt würde es nämlich Teams geben, die für den Churer diese Summe hinblättern würden.

 

Niederreiter steckt in der „Arbitration“ – das NHL-Schiedsgericht wurde für die laufende Vertragsverhandlung hinzugezogen. Das klingt unschön, kompliziert und kann unter Umständen bei Niederreiter und auch bei den Minnesota Wild einen fahlen Beigeschmack hinterlassen. Ungewöhnlich ist das aber nicht. Und wenn man die Situation der Minnesota Wild anschaut, macht dieser Schritt durchaus Sinn, denn:

 

Die Minnesota Wild können sich die beiden Stars Niederreiter und Mikael Granlund (der ebenfalls vors Schiedsgericht geht) nicht wirklich zu normalen Marktpreisen leisten. Traden will man die beiden Jungtalente aber auch auf keinen Fall.

 

Es ist verständlich, dass Nino sich nicht unter Wert verkaufen sollte und keinen „Billig-Vertrag“ unterschreibt. Es ist auch verständlich, dass die Minnesota Wild den Churer Stürmer nicht verlieren möchten. Das NHL-Schiedsgericht legt im Normalfall einen Kompromiss-Vertrag hin, der kürzer dauert und weniger hoch dotiert ist, als das auf dem freien Markt geschehen würde. Mit einem solchen „Urteil“ könnten die Minnesota Wild das Dilemma kurzfristig umgehen und beide Talente (Niederreiter und Granlund) halten.

 

Oftmals sieht man auch, dass die beiden Parteien (Spieler und Teams) kurz vor der Arbitration nochmals an den Tisch sitzen und einen Kompromiss finden. So geschehen bei Brayden Schenn (ein Spieler, den GRHeute oft als Spieler mit einer ähnlichen Situation wie Nino beschrieb): Wenige Stunden vor dem Termin beim Schiedsgericht unterschrieb der junge Stürmer doch noch, und zwar für eine angemessene Summe: Vier Jahre à 5.125 Millionen US Dollar.

 

Gut möglich, dass dies auch bei Nino so passieren wird. Es gibt somit zwei Szenarien für seinen kommenden Vertrag:

1.Ninos Agent André Rufener einigt sich doch mit den Minnesota Wild auf einen angemessen Betrag und unterschreibt noch vor der Arbitration. Im Idealfall erhält er 5-6 Jahre à 5.2 Millionen. Nach diesem Vertrag wäre Nino ein UFA, ein unrestricted Free Agent, und könnte entsprechend noch mehr verlangen (da er nach Ablauf des Vertrages nicht mehr an die Minnesota Wild gebunden, sondern frei auf dem Markt wäre).

2. André Rufener und die Minnesota Wild kommen auf keine Einigung, und Nino geht vors NHL-Schiedsgericht. Da erwartet ihn ein tieferer Vertrag, mit kürzerer Dauer. Realistisch wäre in seinem Fall zwei Jahre à 4 Millionen US Dollar. Das wäre für Nino eine schlechte Offerte. Auf der anderen Seite bringt es ihn schneller zum UFA Status, wo er wie erwähnt frei auf dem Markt ist und entsprechend ein Vielfaches verlangen kann.

Es ist, wie es André Rufener gesagt hat: Entweder kassiert Nino jetzt ab, oder sonst beim nächsten Vertrag.

 

Kassiert er jetzt ab, dann, weil die Minnesota Wild ihm das angemessene Angebot schlussendlich doch machen. Kassiert er beim nächsten Vertrag ab, dann, weil sich das nächste Team viele UFA Jahre von Nino kaufen wird.

 

Auf jeden Fall wird sein nächster Vertag allerspätestens am 6. August bekannt und auf den genannten Websites einsehbar sein.

(Bild: Pixabay, Source: capfriendly.com)