Ein knappes Jahr vor den Grossratswahlen steht fest: Jon Pult tritt nicht mehr an, weil er in den Nationalrat will. Die Chancen stehen gut – denn Silva Semadeni tritt nicht mehr an.

Jon Pult redet Klartext: «Ich würde sehr gerne für die SP und unseren Kanton Bundespolitik machen. Darum habe ich der Parteileitung der SP Graubünden mitgeteilt, dass ich für die eidgenössischen Wahlen 2019 zur Verfügung stehe», schreibt der Grossrat auf Facebook.

Das bedeutet im Umkehrschluss: «Ich stehe lieber offen zu meinen Ambitionen als an einem Sessel zu kleben, nur um ein Mandat vorweisen zu können. Das scheint mir gegenüber meiner Partei und der Wählerschaft ehrlicher. Würde ich 2019 als Nationalrat gewählt, müsste ich nach nur einem Jahr als Grossrat wieder zurücktreten. Dadurch würde wegen des Bündner Wahlsystems ein SP-Sitz verloren gehen», schreibt Pult.

Sieben Jahre Gemeinderat, 7 Jahre Parteipräsident, 7 Jahre Grossrat – damit ist der 33-Jährige zumindest politisch kein Jungspund mehr. Als Fossil sieht er sich dennoch nicht: «Ich habe grosse Lust auf eine neue Herausforderung, auf nationale Politik.» Diese Ambition ist auch nicht neu, schon bei den Regierungsratswahlen hat er zugunsten einer möglichen Nationalratskandidatur verzichtet.

Die Chancen stehen nicht schlecht, dass es 2019 klappen könnte. Wie SP-Präsident Philipp Wilhelm erklärte, tritt Silva Semadeni bei den nächsten Wahlen nicht mehr an. Das heisst, Jon Pult hätte Chancen auf den ersten Listenplatz und damit noch grössere Chancen, den Sprung diesmal wirklich zu schaffen.

Es gäbe sogar die Chance, dass Jon Pult schon vor der nächsten Legislaturperiode in den Nationalrat wechseln könnte: Dazu müsste Silva Semadeni ihren Sitz vorzeitig räumen, worauf Jon Pult nachrutschen könnte. Damit für das für alle Beteiligten möglichst schmerzfrei von statten geht – wir erinnern uns: Jon Pult würde im Fall eines Nationalratsmandat als Grossrat zurück treten – wäre Herbst 2018 die beste Lösung. Von aussen betrachtet.

Wie es im Innern der SP Graubünden aussieht, darüber will Parteipräsident Philipp Wilhelm noch keine Auskunft geben. «Wir werden zum gegebenen Zeitpunkt parteiintern darüber diskutieren», sagte er. Dieser Zeitpunkt ist noch nicht jetzt.

Für Jon Pult waren die sieben Jahre Grossrat auf jeden Fall sieben gute Jahre, wie er selbst sagt: «Politische Erfolge sind schön. Zum Beispiel das neue Schulgesetz oder der neue Finanzausgleich. Schön waren auch die Abstimmungssiege bei Olympia. Im Grossen Rat wurden wir für unser Nein verbal geprügelt. Im Volk war hingegen die Mehrheit bei uns. In beiden Fällen spürte ich von Anfang an, dass wir auf der richtigen Seite stehen.»

Was er gar nicht mag, sich aber leider nicht verhindern lässt: «Das schlimmste in der Politik ist die Heuchelei. Letztmals haben wir das beim Kulturgesetz erlebt. Die FDP hat sich im Großen Rat verbal als Kulturpartei aufgespielt aber real ganz klar gegen eine bessere Kulturförderung gearbeitet. Unehrliches Politisieren macht mich wütend.»

(Bild: Screenshot Facebook-Live-Stream «Südostschweiz»)

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