Origens Winterspielplan widmet sich markanten Weihnachtslegenden und orientalischen Königen. Den Anfang im Oktober macht Herodes der Grosse, der als Kindermörder und Bauherr in die Geschichte einging. Mit „Herodes“ bespielt Origen erstmals den Herbst und experimentiert mit den grossen Jahreszeiten am Julierpass. Das Kunstprojekt fand auch im Ausland Beachtung – mit einem Bericht beim amerikanischen Nachrichtensender CNN.

König Herodes wird in der Bibel als skrupelloser Kindermörder dargestellt. Die Geschichtsforschung zeichnet ein differenzierteres Bild. Den Mord an den neugeborenen Knaben kann er nicht begangen haben, da er nachweislich bereits vier Jahre vor Christi Geburt verstarb. Dennoch schreckte er vor Mord und Totschlag nicht zurück, auch nicht im engsten Familienkreis. Als geschickt taktierender Herrscher von Roms Gnaden verstand er es meisterhaft, gegnerische Parteien gegeneinander auszuspielen, politisch zu heiraten, potentielle Gegner und Thronprätendenten kaltblütig auszuschalten, um die eigene Macht zu erhalten. Herodes gilt auch als grosser Bauherr: der Neubau des Jerusalemer Tempels, die Festung von Masada, die Anlage der Stadt Cäsarea bezeugen seinen Kunstverstand – und einen handfesten Willen zur Selbstdarstellung.

Aus den letzten Tagen des Herodes
Das Stück Herodes erzählt aus Herodes’ letzten Tagen. Herodes hat seine Söhne vor Gericht gestellt und macht ihnen den Prozess. Der römische Kaiser lässt ihn gewähren und erlaubt ihm, die Söhne hinzurichten, falls sich der Verdacht auf Hochverrat bestätige. In einem grossen Schauprozess klagt er die Söhne an und fällt das Todesurteil über sie. Herodes‘ erste Frau fordert das Recht des Erstgeborenen für Ihren Sohn ein und bittet um ihr Leben, als sie den unbeugsamen Willen ihres Mannes erkennt. Die hasmonäische Prinzessin, Herodes zweite Frau, fordert den Thron für ihren eigenen Sohn und beruft sich auf dessen königliche Abstammung. Das Familiendrama nimmt seinen Lauf, der todkranke König bereitet den Untergang des Reiches vor und lässt die tausend angesehensten Männer in der Rennbahn von Jericho einsperren. Sie sollen umgebracht werden– falls Herodes stirbt.

Musik von Dimitri Schostakowitsch
Das neue Musiktheater für Sänger und Tänzer basiert auf Liedern und Pianostücken des russischen Komponisten Dimitri Schostakowitsch. Kostüme werden von Martin Leuthold aus Stoffen von Jakob Schlaepfer gestaltet. Das Stück wird auf dem Julierpass uraufgeführt; erstmals wird auch die schwebende Bühne in Betrieb genommen.

Wintersicherung und Vollausbau des Julierturmes kosten noch CHF 1 Mio
Bis zur Herodes-Premiere auf dem Pass werden die Bauarbeiten weitergeführt. Im Innenraum werden die Fensterlaibungen ausgeführt, die Beleuchtung ergänzt, das Dach erschlossen und die schwebende Bühne installiert. Im Spätherbst soll dann das Arenatheater eingebaut, die sanitären Anlagen ergänzt, das Theatercafé eingerichtet, die Heizung installiert und ein einfacher Lift zur Beförderung von Besuchern mit einer Behinderung eingebaut werden. Voraussetzung dafür ist die erfolgreiche Finanzierung der Restkosten in Höhe von CHF 1 Mio. Bislang wurden in den Julierbau rund CHF 2 Mio. investiert.

CNN berichtet über «lawinenfestes Theater in den Alpen»
Die Reisesparte des amerikanischen Nachrichtengiganten CNN zeigt sich vom Bündner Theater begeistert. «Ein beeindruckendes Gebäude auf 2’300 Metern, umgeben von türkisfarbenen Bergseen,» heisst es unter anderem. Spezielles Augenmerk richtete CNN auf die architektonische Leistung des Projektes. Diese mache eine künstliche Beleuchtung des Theaters überflüssig, darüber hinaus habe das wechselhafte alpine Licht einen dramatischen Effekt auf das Bühnengeschehen. Auch auf die Wintersicherung geht der Nachrichtensender ein: «Dieses atemberaubende Theater kann sogar Lawinen widerstehen.»

 

(Bild: GRHeute)