Portrait_Andreas-Felix125pNur noch wenige Tage. Dann ist für uns Bündner Jägerinnen und Jäger die Zeit der Hegearbeit, des Beobachtens, des Einrichtens unserer Posten und der generellen Freude an unserer Passion zu Ende. An ihre Stelle treten dann die unvergleichlichen Erlebnisse im Jagdgebiet, zusammen mit unseren Kameradinnen und Kameraden oder auch jede und jeder ganz für sich allein. Sei es auf der Hochjagd, der Niederjagd, der Steinwildjagd, der Sonderjagd oder der Passjagd. Und das Schöne daran; wir dürfen uns mit Stolz und gutem Gewissen diesen Gefühlen hingeben.

Graubünden verfügt mit seiner heutigen, fein austarierten Patentjagd über ein hervorragend funktionierendes System. Sie wird den hohen Ansprüchen gerecht, welche die verschiedensten Anspruchsgruppen an eine moderne Jagd stellen. So gewährleistet die heutige Jagd in unserem Kanton die nachhaltige Entnahme hoher Strecken beim Hirsch- und Rehwild. Die Wildbestände werden den jeweiligen Lebensräumen, insbesondere in den Wintereinständen, angepasst. Beim Gamswild greift unsere Jagd verantwortungsvoll in die Bestände ein und vollzieht beim geschützten Steinwild eine genau definierte Bestandesregulation. Die Niederjagd ist mit den bei uns jagdbaren Arten gut vertretbar. Die Abschüsse richten sich konsequent an den Kapazitäten der Bestände aus und gefährden diese in keiner Art und Weise. Im Gegenteil; die Jagdstrecke ist oft die einzige zuverlässige Quelle zur systematischen Erfassung der Kondition der Tiere und zur Beurteilung der Bestandsentwicklung. Die fundierte Ausbildung qualifiziert den Nachwuchs zu fachlich kompetenten und verantwortungsvollen Jungjägerinnen und Jungjägern. Und nicht zuletzt ist das professionelle und qualitativ hochwertige Schweisshundewesen Ausdruck unseres Verständnisses einer ethisch verantwortungsvollen Jagd.

Es ist denn auch kein Zufall, dass die Bündner Jagd, mit ihrer systematischen und langjährig optimierten Planung in anderen Kantonen und im benachbarten Ausland hohe Anerkennung geniesst. Kein Wunder, wird es oft als Referenzbeispiel zur Lösung ähnlicher Problemstellungen, beispielsweise beim Hirschwild, herangezogen. Aber wie so oft im realen Leben, zählt der Prophet im eigenen Land wenig. In diesem Sinne ist es grundsätzlich müssig, in unserem Kanton regelmässig emotionale und nicht immer faktenbasierende Diskussionen zur Jagd oder zu Jagdinitiativen führen zu müssen. Diese schaden einzig und allein der Jagd. Umso mehr, als sie bisweilen bewusst und genau mit dieser Absicht provoziert werden. Darauf sollten wir Jägerinnen und Jäger nicht eintreten.

Die Bündner Jagd ist fit für die Zukunft. Sie ist auch fit für kommende Herausforderungen wie die Regulation des Grossraubwildes. Diese wird in absehbarer Zukunft beim Wolf als geschützte Tierart genauso notwendig werden, wie seinerzeit die Regulation des geschützten Steinwildes. Diese ist heute allgemein akzeptiert und anerkannt. Die Akzeptanz einer wachsenden Wolfspopulation ist in unserem Kanton nur gegeben, wenn die Interessen der Land- und Alpwirtschaft, der nachhaltigen jagdlichen Nutzung unserer Wildbestände und die Schutzinteressen des Wolfes als gleichwertige Faktoren in die Interessenabwägung einfliessen. Die Zuständigkeit und Verantwortung dafür ist vom Bund auf die Kantone zu übertragen. Genauso, wie es Ständerat Stefan Engler in seinem parlamentarischen Vorstoss eingefordert hat. Graubünden hat hinlänglich bewiesen, dass es die Kompetenzen dazu hat.

Freuen wir uns auf die kommenden Monate in Gebirge, Wald und Feld.

Weidmannsheil!

Politforum auf GRHeute

Das Politforum auf GRHeute besteht aus 12 PolitikerInnen aus Graubünden. Jede Woche nimmt eine/r zu einem aktuellen Thema Stellung.

 

(Bild: GRHeute)